aspekte vom 23. Juni 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 23. Juni 2017

U.a.: Pankaj Mishras "Zeitalter des Zorns" - Eine Analyse der Gegenwart; Wim Wenders "Perlenfischer" - Der Filmemacher als Opernregisseur; Don Winslows "Corruption" -Ein Krimi zur Krise der US-Polizei; Gesprächsgast: Seyran Ateş, Anwältin und Imamin; …

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.06.2018, 22:55

Pankaj Mishras "Zeitalter des Zorns"

Eine Analyse der Gegenwart

Warum haben die Amerikaner Trump gewählt? Warum wollen die Briten den Brexit, und warum erstarkt überall in Europa der rechte Rand? Warum sind in der Türkei, in Indien, in Russland oder auf den Philippinen autoritäre Nationalisten an die Macht gekommen? Warum töten islamistische Selbstmordattentäter allerorten Unschuldige? Entsetzen, Unverständnis und Erstaunen sind groß unter westlichen Intellektuellen. Auf den Spuren von Francis Fukuyama hatten viele von ihnen geglaubt, mit dem Fall der Mauer 1989 breche das gelobte Zeitalter an – die friedliche Einheit aus Kapitalismus und Demokratie, mit Freiheit, Bildung und Wohlstand für alle. Stattdessen durchziehen heute tiefe Gräben die Weltgesellschaft. Doch woher kommen Krieg, Hass und Wut? Das fragt der indisch-britische Autor und Schriftsteller Pankaj Mishra in seinem Buch "Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart". Dazu blickt er in die Ideengeschichte Europas und sieht die Verwerfungen von heute schon im Denken von damals angelegt. Die Kritik an der Aufklärung und die Klage über den zerstörerischen Mahlstrom der Moderne, der alle Traditionen und Bindungen verschlingt, mündeten in kulturellem Nationalismus deutscher Denker des 19. Jahrhunderts oder im anarchistischem Terror junger Russen und Franzosen. Beides, Nationalismus und Terror, sind für Mishra Pathologien der Moderne und damit ein Teil von ihr – sie sind die andere Seite der Medaille. Mishra, der in einem traditionellen, indischen Haushalt am Rande des Himalaya aufgewachsen ist, sagt, dass er durch seine Herkunft besonders prädestiniert sei, beide Seiten zu sehen. Und beide Seiten zu sehen, hilft zu verstehen - und vielleicht etwas zu verändern. aspekte trifft Mishra bei seiner Buchvorstellung in Berlin.

Veranstaltungstipp

"What liberalism? Anglo-America and the rest" Mosse Lectures mit Pankaj Mishra

22.06.2017 19:15 Uhr Humboldt-Universität Berlin

Ein Krimi zur Krise der US-Polizei

"Corruption" trifft ins Herz des NYPD – die New Yorker Cops stehen exemplarisch für das fundamentale Problem der meisten US-Polizeien heute: tödlicher Schusswaffengebrauch als Alltag, ungezügelter Rassismus, Macho-Allüren und Korruption. Der neue Thriller von Don Winslow erzählt, wie aus dem jungen, engagierten und mutigen Denny Malone nach und nach ein "Bad Cop" wird - desillusioniert von der täglichen absurden Gewalt in Manhattan-Nord, faulen Deals zwischen Staatsanwälten und Schwerst-Kriminellen und der Ohnmacht, dem Zerfall der Gesellschaft nichts entgegensetzen zu können. Denny Malone beginnt sich zu "arrangieren", drückt hier und da ein Auge zu, geht an anderer Stelle weit über die Grenzen des Vertretbaren hinaus, biegt die Regeln und das Gesetz. Erfolg hat er damit und verschafft sich Respekt auf der Straße wie in der Polizeiführung; da liegen Macht-Missbrauch und die Verlockungen des Geldes nicht weit. "Corruption" ist hoch aktuell und liest sich wie das Begleitbuch zu jedem neuen Polizeiskandal in den USA. Unter dem derzeitigen Präsidenten, das befürchtet auch Don Winslow, ist keine Änderung der Verhältnisse zu erwarten.

Gast & Musik im Studio

Die Eröffnung der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee mit der Initiatorin Seyran Ateş
Seyran Ateş Quelle: dpa

Im Gespräch mit Katty Salié: Seyran Ateş

Kraftklub
Quelle: Philipp Gladsome

Live: Kraftklub mit "Chemie Chemie Ya"

Seyran Ateş, Anwältin und Imamin

Der liberale Islam und seine Feinde

Die deutsche Muslima, Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş hat in Berlin eine liberale Moschee eröffnet, benannt nach dem arabischen Philosophen Ibn Rushd und dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Männer und Frauen können dort gemeinsam beten, Frauen dürfen auch predigen und Atheisten sind willkommen. Ateş versteht dies als einen Schritt zur Aufklärung innerhalb der islamischen Gemeinde. Gläubige Moslems sehen darin jedoch unislamische Umtriebe und Erdogan-Anhänger sogar einen Angriff auf die Türkei selbst. Doch auch Mitglieder der benachbarten evangelischen Gemeinde sehen dies mit Sorge - in Zeiten von islamistischen Anschlägen in Europa.

Der Filmemacher als Opernregisseur

Wim Wenders inszeniert an der Staatsoper in Berlin seine erste Oper. Jürgen Flimm hatte wohl lange versucht, Deutschlands vielleicht bekanntesten Filmregisseur zu überzeugen, es doch auch mal mit der Oper zu versuchen. Am Ende gab er ihm 'Carte Blanche'. Wenders sagte zu. Am 24. Juni wird es unter seiner Regie "Die Perlenfischer" von George Bizet an der Staatsoper geben. Musikalisch nicht gerade ein Highlight. Aber es war die erste Oper, die Wenders als Kind sah. Für ihn Anlass genug, sich diese vorzuknöpfen. Die Frage ist, wie er das macht. Zumindest hat er mit Olga Peretyatko einen bühnen- und medienwirksamen Star in einer der großen Partien.

250. Geburtstag Wilhelm von Humboldt

Prominent, aber unbekannt

Er ist einer der beiden Namensgeber für das in Berlins Mitte entstehende Berliner Schloss, das "Humboldtforum" - aber über den älteren Bruder von Alexander von Humboldt ist wenig bekannt. Dabei war Wilhelm von Humboldt alles andere als nur der "preußische Beamte", ein "Sprachforscher" und "Stubenhocker". Jetzt wird mit einem großen Fest auf Schloss Tegel - bis heute Sitz der Familie Humboldt - sein Geburtstag begangen. Neil MacGregor, Gründungsintendant des Humboldtforums, Monika Grütters, Hermann Parzinger und internationale Prominenz werden zugegen sein. In der Humboldt-Uni - die er 1809 gegründet hat - wird ein Saal nach ihm benannt. Ein Tag, an dem mal ein anderer Wilhelm zu entdecken sein wird ...

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