aspekte vom 24. Februar 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 24. Februar 2017

U.a.: Oscar-Verleihung in "La La Land": Schwarze Kulturrevolution?; "Haus der Kunst" München: Kehrt Hitlers Monumentalbau zurück?; Hisham Matars "Rückkehr" nach Libyen: Literarische Reise in die Hölle; Live: LaBrassBanda; Gast: Christoph Butterwegge

Beitragslänge:
37 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.02.2018, 23:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Oscar-Verleihung in "La La Land"

Eine schwarze Kulturrevolution?

In der 89-jährigen Geschichte der Oscars spielen schwarze Filme und Filmemacher, Schauspielerinnen und Schauspieler nur eine Nebenrolle. Erst vier Mal ging der Preis für die beste Hauptrolle an afro-amerikanische Schauspieler, überhaupt nur ein Mal an eine Schauspielerin. Bei den Nebendarstellern sieht es unwesentlich besser aus. Voriges Jahr protestierten deswegen prominente Schwarze in der Filmbranche gegen das Netzwerk der alten weißen Männer. Hektisch wurden daraufhin hunderte Neumitglieder in die Oscar-Akademie berufen. Grundvoraussetzung: weiblich, jung und ethnisch bunt. Und siehe da: 2017 sind so viele schwarze Akteure und Filmemacher und Geschichten mit Rassenthemen für die wichtigen Filmpreise nominiert wie nie zuvor. Bei den Dokumentarfilmen stammen sogar vier von fünf Favoriten von afro-amerikanischen Regisseuren. Als Zeichen der Einsicht oder vielleicht auch als Trotzreaktion auf die neue Trump-Administration? "Moonlight", "Fences", "Loving", "Hidden Figures" und "I am not your Negro" erzählen jedenfalls wichtige, aufrüttelnde und vergessene Geschichten aus einem wieder gespaltenen Amerika.

"Haus der Kunst" München

Kehrt Hitlers Monumentalbau zurück?

Wieviel Nazi-Architektur erträgt eine Stadt? Darüber ist in München eine heftige Debatte entbrannt. Das "Haus der Kunst", der erste Monumentalbau der Nationalsozialisten, müsste dringend saniert werden. Die Haustechnik stammt größtenteils von 1937, das Dach ist nicht mehr dicht. Die Sanierungspläne, die der britische Stararchitekt David Chipperfield vorgelegt hat schmecken allerdings nicht jedem. Er will den Ausstellungskoloss weitestgehend in den Originalzustand zurückversetzen. Schlimmer noch: die Bäume, die das Haus wie ein grüner Vorhang abschirmen, sollen weg. Freie Sicht auf Hitlers Kunstpalast? Für viele Kritiker eine furchterregende Vorstellung. Von einer "Glorifizierung der NS-Ästhetik" ist die Rede. Andere jedoch sprechen von einer längst fälligen Konfrontation mit der eigenen, viel zu lange verdrängten Geschichte. aspekte hat sich den Kunsttempel genauer angesehen und berichtet über eine sehr deutsche Debatte.

Berliner Barenboim-Said Akademie

Ein Dach für den musikalischen Dialog

Es gibt sie doch in Berlin: Neubauprojekte, die im Zeit- und Kostenrahmen bleiben. Die 'Barenboim Said Akademie' zum Beispiel, gleich neben der Staatsoper. Daniel Barenboim gründete diese Akademie als logische Weiterentwicklung des 'West Eastern Divan Orchestra'. Hierfür suchte er einen Ort – und fand ihn in Berlin. Seit letztem Oktober werden die angehenden Musiker aus Israel und der arabischen Welt in der Mitte der Hauptstadt ausgebildet. Nicht nur an ihrem jeweiligen Instrument, sondern auch in Philosophie. Das Fach ist fest im Stundenplan verankert. Musik- und Kulturgeschichte werden hier enger verknüpft als an anderen Musikhochschulen. Am 3. März wird nun der Konzertsaal eröffnet – das Herzstück der Akademie. Benannt wurde dieses Raumwunder nach dem im letzten Jahr verstorbenen Pierre Boulez - entworfen hat es Stararchitekt Frank Gehry. Kurz vor der Eröffnung wirft aspekte schon einmal einen Blick in Akademie und Konzertsaal und spricht mit Initiator Daniel Barenboim sowie Architekt Frank Gehry .

Live: LaBrassBanda mit "Ujemama"; Studiogast: Christoph Butterwegge zum Thema: Was tun gegen Fluchtursachen?

Hisham Matars "Rückkehr" nach Libyen

Eine literarische Reise in die Hölle

Nach 33 Jahren im Exil besucht Hisham Matar 2012 das erste Mal gemeinsam mit seiner Mutter seine Heimat Libyen. Es ist auch eine Suche nach Spuren des Vaters. Der prominente Gaddafi-Kritiker wurde 1990 aus dem Exil in Kairo entführt und starb Jahre später in Tripolis unter bis heute ungeklärten Umständen. Doch Matars Buch ist viel mehr als nur persönliche Erinnerung: es ist eine tiefgründige Reflexion über das Leben im Exil, eine Analyse totalitärer Regimen und: das Porträt eines Landes in der Agonie der Revolution. Zudem ein ergreifendes Werk über Verlust und Trauer. Libyen ist seit dem Tod Gaddafis und dem Krieg in Syrien 2011 zunehmend aus dem öffentlichen Interesse verschwunden. Dabei herrscht auch dort blutiger Bürgerkrieg, das Land ist durch Stammes- und Interessenrivalitäten zerrissen. Zudem ist es Rückzugsgebiet für ISIS Kämpfer aus Syrien. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Gleichzeitig ist Libyen, wie schon unter Gaddafi, das wichtigste Transitland für Flüchtlinge aus Schwarzafrika. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 180.000 Migranten über das Mittelmeer nach Italien. 90 Prozent von ihnen reisten über Libyen. In Brüssel wird über ein Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und Libyen diskutiert. Spätestens im Frühjahr, wenn das Mittelmeer einfacher passierbar ist, wird man wieder nach Libyen blicken. Hisham Matar hat Libyen seit 2012 regelmäßig besucht. Er lebt in London. Sein Buch "Die Rückkehr" erscheint am 27.Februar.

Maria Furtwängler auf der Bühne

"Alles muss glänzen" am Kudamm

Eine amerikanische Vorstadtidylle in den 1950er Jahren. Scheinbar. Der Vater ist seit einem Jahr verschwunden, um das Glück zu finden. Der schizophrene Sohn ihm hinterher - eine bessere Möglichkeit gab es für ihn nicht, endlich abzuhauen. Die Tochter fiebert ihrem Abschlussball entgegen, während die Mutter in der Küche fast deren Freund verführt und dabei Flunder kocht. Und zu allem Überfluss steht der Weltuntergang vor der Tür. Nicht weniger als das. Und bevor alles zu erodieren droht, versucht die Mutter, an ihrer eigenen Lebenslüge nicht zu zerbrechen. Der amerikanische Nachwuchsautor Noah Haidle hat dieses scheinbar alltägliche Konstrukt geschaffen. Ihm ist ein absurd komischer Text gelungen über Angst, Zweifel und das Rollenmodell, mit dem Frauen auch heute noch zu kämpfen haben. Sein Stück "Alles muss glänzen“ erhielt 2015 von 'Theater heute' die Auszeichnung zum "besten ausländischen Stück". Noah Haidle wurde schnell zum meistgespielten, zeitgenössischen amerikanischen Autor auf Deutschlands Bühnen. Im Theater am Kurfürstendamm wird sein Stück jetzt uraufgeführt. Die Hauptrolle der Mutter Rebecca spielt Maria Furtwängler. Es ist ihre erste Hauptrolle auf einer Theaterbühne. Inszeniert wird die Aufführung vom Intendanten des israelischen Nationaltheaters, dem Regie-Altmeister Ilan Ronen. aspekte trifft Maria Furtwängler, Ilan Ronen und Noah Haidle vor der Premiere.

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