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aspekte vom 24. Juli 2020

Moderiert von Jo Schück

Abgrund Großstadt - der Film "Berlin Alexanderplatz", zwischen Anschuldigung und Erwartung: Polizei in der Klemme, Vom Urlaub bei den Dinosauriern - ein "Handbuch für Zeitreisende", Musik über der Stadt: KLAN

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43 min
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24.07.2020
Video verfügbar bis 23.08.2020

Abgrund Großstadt

„Berlin Alexanderplatz“ als Kino-Neuerzählung

Alfred Döblins Romanklassiker von 1929 verhandelt menschliche Grundthemen, die zu jeder Zeit aktuell sind:  „Berlin Alexanderplatz“ erzählt die Geschichte vom strafentlassenen Franz Biberkopf, der gut werden möchte und immer wieder strauchelt, der ohne es zu wollen in die Kriminalität abgleitet. Schon 1931 wurde das Buch mit Heinrich George verfilmt, 1980 als Mammut-Mehrteiler von Rainer Werner Fassbinder. Nun hat der afghanisch-deutsch Regisseur Burhan Qurbani die Erzählung in die Gegenwart transponiert. Sein „Franz“ ist ein schwarzer Geflüchteter. Auch diese Neuverfilmung ist ein Großstadtepos und Unterweltkrimi, eine Liebesgeschichte und die Suche eines Menschen nach Identität. Der bildstarke Film ist aber vor allem eins: ein starker Appell gegen Rassismus und damit 2020 ein Film der Stunde.

Angekommen

Der Schauspieler Welket Bungué

Schauspieler Welket Bungué bei einem TV-Interview für aspekte

Nun ist er also „angekommen“. Angekommen in Berlin. Im Film „Berlin Alexanderplatz“ als afrikanisch-stämmiger Migrant „Francis“ alias „Franz“ im düster rot- und zwielichtigen Moloch der Großstadt. Aber auch in der Realität:  Schauspieler Welket Bungué, der Hauptdarsteller in der Neuverfilmung von Alfred Döblins berühmten Roman, lebt seit einiger Zeit tatsächlich in Berlin. Ursprünglich kommt er aus Guinea Bissau. Aber „angekommen“? Was heißt das für einen wie ihn? Der von Westafrika über Portugal und Brasilien längst zum Weltbürger wurde? Als Teenagerr entdeckte er das Theater für sich. Nach der Schauspielschule folgten Inszenierung auf Inszenierung, Rolle auf Rolle. Im Film „Berlin Alexanderplatz“ wurde nun aus dem weißen Franz Biberkopf von vor knapp 100 Jahren wurde ein schwarzer Ankömmling im Berlin des 21. Jahrhunderts. Beide starten mit dem Vorsatz, ein guter Mensch zu

Zentrum der Stadt

Architektur am Alexanderplatz

Der Berliner Alexanderplatz hat keinen guten Ruf. Er gerät hauptsächlich wegen dort verübter Verbrechen in die Schlagzeilen. Und von den Touristen wird der Potsdamer Platz, der allerdings viel artifizieller ist, mehr geschätzt. Nein, es gibt nichts zu beschönigen:  Der „Alex“ ist kein Platz, der sich besonders zum Flanieren oder zu einem Café-Besuch eignen würde. Doch dafür ist er urban und interessant. Der Architektur-Kritiker Nikolaus Bernau hält ihn für den einzigen wirklich großstädtischen Platz Berlins. Die Gebäude, die ihn umgeben, erzählen die Geschichte der Stadt der vergangenen 100 Jahre. Eine Besichtigung.

DJs auf den Dächern

SPOT // berlin art sessions

"SPOT - Berlin Art Sessions": DJ Rauschhaus, Friedrichswerdersche Kirche
Quelle: berlin acts / Lena Mauskewitz / In Kooperation mit Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz unterstützt die darniederliegende Clubkultur in Coronazeiten. Auf den Dächern der Museen in Berlin Mitte machen DJs im Rahmen des Projekts SPOT // berlin art sessions Musik und fügen dem Sound der Großstadt Berlin neue Noten hinzu. Tanzen erlaubt, aber nur im öffentlichen Raum.

Polizei in der Klemme

Zwischen Anschuldigung und Erwartung

Freund und Helfer, Ordnungsorgan des Staates, Ausputzer der Politik  - Die deutsche Polizei sieht sich aktuell besonders im Brennpunkt gesellschaftlicher Forderungen. Migranten werfen Polizisten Diskriminierung durch „Racial Profiling“ vor, während andere Teile der Gesellschaft den Verfall von Ordnung und Sicherheit beklagen. Die Polizei ist damit doppelt in der Klemme: Zwischen ihrer eigenen Rolle als an Recht und Gesetz gebundene Ordnungshüter und den neuen Erwartungen einer sich ändernden Gesellschaft, die empfindlicher denn je, ihre Rechte und Interessen schützen möchte. Dies alles gepaart mit einem schwindenden Respekt für staatliche Einrichtungen. Der Soziologe Rafael Behr von der Polizeiakademie Hamburg umschreibt die Gemengelage so: "Da gibt es den Dienstherren, dann gibt es die Öffentlichkeit, dann gibt es die konservative Öffentlichkeit. Da gibt es die Betroffenen, und es gibt die Kollegen. In diesen Rollen-Konflikten bewegt sich ein Polizist, und er kann selten alles richtig machen." Die Kabarettistin Idil Baydar hat rechtsextreme Drohungen auf ihr Handy geschickt bekommen, möglicherweise wurden ihre Daten von einem Polizeicomputer aus abgefragt. Sie sagt: „Wir haben da ein massives Problem“.

Gesprächsgast: Thilo Cablitz, Berliner Polizeisprecher

Vom Urlaub bei den Dinosauriern

Ein "Handbuch für Zeitreisende"

Kathrin Passig, Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende. Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer; Rowohlt Berlin; 323 S., 20,– €
Kathrin Passig, Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende. Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer; 323 S., 20,– €
Quelle: Rowohlt Berlin

Seit Albert Einsteins Relativitätstheorie(n) und der Entdeckung der geheimnisvollen Welt der Quanten sind Zeitreisen zumindest theoretisch denkbar. In der Populärkultur sind sie bereits an der Tagesordnung. Unlängst wurde der deutsche Netflix-Hit „Dark“ zur weltweit besten Serie des Streaming-Anbieters gewählt. Auch hier geht es um Zeitreisen. Was den fiktionalen Helden allerdings fehlt, ist ein verlässlicher Reiseführer für Zeiten jenseits der Gegenwart. Das „Handbuch für Zeitreisende“ von Kathrin Passig und Aleks Scholz hätte wahrscheinlich geholfen. Neben einem umfassenden Ratgeberteil (Was anziehen im Pleistozän? Darf man Tiere essen, die in der Gegenwart bereits ausgestorben sind?), empfiehlt das Handbuch unvergessliche Wochenendtrips für Augen (Granada! Aber erst nach 1350, sonst könnte einen die Pest erwischen) und Ohren (Keinesfalls Bachs verschollene Passionen verpassen - der Eintritt ist frei!) und gibt gute Ratschläge fürs Überleben in der Vergangenheit (leider gar nicht so einfach). Solange das praktische Ausführen von Zeitreisen noch auf sich warten lässt, können die Leser schon mal in aller Ruhe ihre Lieblingsziele und -zeiten auswählen. Das Handbuch ist unbedingt empfehlenswert bei Fragen „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“.

Mobilität der Zukunft

Verkehrswende durch Corona?

Die Ausgangsbeschränkungen und -sperren haben die Städte für eine Weile fantastisch leise gemacht. Die Welt schien still zu stehen. Gleichzeitig hat die Pandemie Bewegung in eine Sache gebracht, der zuletzt Stillstand vorgeworfen wurde: der Verkehrswende. In Berlin und anderen Städten weltweit wurde Radfahrer*innen mithilfe von Pop-Up-Bikelanes mehr Platz eingeräumt, um auch auf dem Rad die Abstandsregeln einhalten zu können. In Kreuzberg-Friedrichshain wurden temporäre Spielstraßen geschaffen – als Ergänzung zu Parks und Spielplätzen. Viele Menschen ließen ihre Autos stehen, blieben zu Hause im Home-Office und legten kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurück. Der Flugverkehr tendierte gegen Null. Beginnt nun das Zeitalter einer neuen, nachhaltigen Mobilität, Corona sei Dank?

Musik

Die Brüder Stefan und Michael Heinrich von der deutschen Pop-Band KLAN

Die Leipziger Band KLAN mit "Schön" live aus dem Weekend-Club am Alexanderplatz

  • Moderation - Jo Schück
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