aspekte vom 24. März 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 24. März 2017

Das Beste von der Leipziger Buchmesse - Buchpreise, Bestseller, Bühnen; Olga Grjasnowa im Portrait - Eine junge Stimme erzählt von Flucht; Annie Proulxs Meisterwerk - Wie unsere Gier die Natur zerstört; Das Ende der Monogamie? Warum wir mehrere lieben …

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.03.2018, 23:05

Das Beste von der Leipziger Buchmesse

Buchpreise, Bestseller, Bühnen

Wie hältst Du's mit dem Fremden? Dieser Frage geht Jo Schück auf der Leipziger Buchmesse nach. Wer Bücher liest, begibt sich in fremde Welten. Eine Buchmesse ist gleich ein ganzes Meer von fremden Welten und der aspekte-Moderator taucht auf der Bücherschau in diese ein. Er trifft berühmte Autoren wie Martin Suter, der mit seinem neuen Roman "Elefant" wieder einmal ganz oben auf den Bestsellerlisten steht, und den norwegischen Philosophen Jostein Gaarder, dessen jüngstes Buch "Ein treuer Freund" gerade auf Deutsch erschienen ist. Weitere Gesprächspartner sind die Schriftstellerin und Journalistin Eva Menasse sowie der Historiker Volker Weiß, der eine brillante Analyse der politischen Rechten vorgelegt hat. Nicht zuletzt kommt auch der oder die Gewinner*in des Preises der Leipziger Buchmesse zu Wort.

Das Ende der Monogamie?

Warum wir mehrere lieben sollten

Wie passt das nur zusammen? Wer heutzutage heiratet, wird mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit während der nächsten zehn Jahre wieder geschieden. Gleichzeitig steht das Ideal der romantischen Zweierbeziehung "bis dass der Tod uns scheidet" unangefochten oben auf der Liste der Lebensträume. Partnerbörsen boomen, weil es immer mehr Singles gibt. Eine Antwort darauf bietet der Autor Friedemann Karig mit seinem Buch "Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie". Es geht um Menschen, die mehr als einen Partner lieben - ein ebenso natürliches wie verdrängtes Bedürfnis, so der Tenor. Die "Poly-Gemeinde" wächst, nicht nur im Internet. Polyamoriker leben und lieben in verschiedensten Konstellationen offen miteinander. Eifersucht, Seitensprünge usw. seien kein Thema, man vertraue einander alles an. Mit Swinger-Clubs und Sexparties habe Polyamorie nichts zu tun, sagt Autor Karig. Nachdem er lange Gespräche mit Polyamorikern geführt und dokumentiert hat, ist für ihn klar: Es geht darum, sich aus jahrtausendealten Fesseln zu befreien. "Würde die Geschichte der Menschheit einen Tag umfassen, hätten wir erst seit ungefähr fünf Minuten die volle Auswahl an Partnern, Praktiken, Perversionen. In Wahrheit sind wir noch völlig überrumpelt von all den Möglichkeiten, nachdem wir den ganzen Tag darauf warten mussten, endlich loszulegen. Denn es war ein langer und sehr dunkler Tag." aspekte hat in Berlin vier Poly-Leute getroffen, die aus ihrem Leben und von ihren Lieben erzählen. Klar wird: Es sind Beziehungen, wie wir sie alle kennen. Mal mit, mal ohne Sex. Die Herausforderung besteht darin, das Gefühl der Eifersucht auszuschalten und sich für den Anderen zu freuen.

Gast und Musik im Studio

Live: Sopranistin Sonya Yoncheva mit "Lascia ch’io pianga" von Georg Friedrich Händel; Gesprächsgast: Autor Friedemann Karig zum Thema "Wie lieben wir?"

Olga Grjasnowa im Portrait

Eine junge Stimme erzählt von Flucht

"Gott ist nicht schüchtern" ist der dritte Roman der jungen Autorin Olga Grjasnowa. Diesmal hat sie sich Syrien vorgenommen - ein Land, über das sie zu Beginn des Buches sehr wenig wusste. Und das sie, wie sie selber sagt, dank langer Recherchen, unzähliger geführter Interviews und mit Hilfe ihres syrischen Mannes nun fast so gut kennt, als ob sie selbst dort gelebt hätte. Grjasnowa beschreibt eindrücklich, was eine große Zahl von Menschen von heute auf morgen ereilt: die Flucht aus dem eigenen Land. Grjasnowa erzählt die Geschichte von Amal und Hammoudi. Beide stammen aus der privilegierten Mittelschicht – sie sind jung, schön, erfolgreich. Das Leben steht ihnen offen. Dann beginnen die Demonstrationen in Damaskus. Sie werden aktiv, kämpfen für ein bisschen mehr Freiheit. Und zahlen dafür einen hohen Preis: sie müssen ihr Land verlassen, werden zu Flüchtlingen. Eindrucksvoll und berührend zeichnet Grjasnowa ihre Lebenswege nach. Es ist die Normalität des Alltags, die Grjasnowa interessiert. Und was dessen Einsturz mit einem Menschen macht. Sie zeigt, wie verletzlich und unsicher die eigene Existenz sein kann - Sicherheit ist ein leeres Wort. Grjasnowas Romane "Der Russe ist einer, der Birken liebt" und "Die juristische Unschärfe einer Ehe" wurden bereits fürs Theater adaptiert und werden ab Herbst 2017 verfilmt. Zurzeit schreibt die 32-Jährige an ihrem ersten Theaterstück. aspekte hat die vielversprechende und spannende Autorin in Berlin begleitet.

Litauen auf der Buchmesse

Kleines Land mit großer Geschichte

Wie alle baltischen Staaten hat Litauen Angst vor dem imperialen Gebaren Russlands. Wenn Litauen jetzt Schwerpunktland bei der Leipziger Buchmesse ist, dann bietet dies den Litauern eine willkommene Gelegenheit, um den Deutschen ihre Sicht auf die Dinge nahezubringen. 26 Übersetzungen erscheinen neu in diesem Bücherfrühling. Wir haben vier der Autorinnen und Autoren besucht und dabei viel gelernt über die Befindlichkeit unserer östlichen Nachbarn. Über ihr Verhältnis zu Russland und Europa und darüber, welche Rolle Sprache, Kultur und Nationalgefühl für die litauische Gesellschaft spielen. Bislang wissen die meisten Deutschen wenig über Litauen, obwohl das Land schon seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist.

Annie Proulxs Meisterwerk

Wie unsere Gier die Natur zerstört

"Aus hartem Holz" ist monumentales Epos - die Geschichte zweier Familien amerikanischer Holzfäller, die sich über 300 Jahre spannt und sprachgewaltig die Abholzung der scheinbar endlosen Urwälder Nordamerikas thematisiert. Geltungsdrang bestimmt das Leben der Romanfiguren, nur noch übertroffen von der Gier, die vor nichts und niemandem Halt macht und unaufhaltsam die Zerstörung von Lebensräumen und -träumen nach sich zieht. Annie Proulx hat intensiv über Naturzerstörung und die Konsequenzen der großflächigen Abholzung recherchiert und macht sich für den Erhalt der noch verbleibenden nordamerikanischen Urwälder stark. Deren Überleben ist heute, unter einem Präsidenten, der Umweltschutz und Klimawandel für linkes Gefasel hält und Naturschutzprojekte aushebelt, alles andere als gesichert. aspekte besucht Annie Proulx in ihrem Haus inmitten der "Red-Cedar-Woods", dem pazifischen Urwald in der Nähe von Seattle. "Aus hartem Holz" erscheint am 27. März. Links zum Thema: The Hibulb Cutural Center & Natural History Preserve, das Kulturzentrum der Tulalip-Indianer; Whatcom Musuem in Bellingham mit einer Sammlung alter Fotografien über die Holzfäller am Pazifik im Nordwesten der USA.

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