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aspekte vom 27. April 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 27. April 2018

U.a.: Echo weg, Problem gelöst? Konsequenzen aus dem Skandal; Schwimmend zum Weltstar - Die Geschichte von Yusra Mardini; Neu im Kino: "Familiye" - Ein etwas anderer Heimatfilm; "Deutsch, nicht dumpf" - Neues Buch von Thea Dorn; Live: Jesper Munk

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.04.2019, 23:00

Echo weg, Problem gelöst?

Konsequenzen aus dem Skandal

Antisemitismus-Eklat, Freiwild-Skandal, Kommerzpreis – der deutsche Musikpreis "Echo" stand schon länger unter Beschuss. Nachdem nun mehr und mehr Musiker unterschiedlichster Genres ihre Trophäen zurückgaben und das Auswahl-Verfahren kritisierten, beendete der Bundesverband Musikindustrie dieses Kapitel der Musikgeschichte. Reicht das? Wer stellt sich der Verantwortung? Und wie geht es weiter? Dazu äußern sich unter anderem Ex-Jury-Mitglied Jens Balzer, Lady Bitch Ray und Peter Maffay.

"Familiye"

Ein etwas anderer Heimatfilm

Die Geschichte um die Entstehung dieses Films könnte selbst ein Filmstoff sein. Zwei kurdischstämmige Freunde im Berliner Problemkiez Spandau sind Filmfreaks, ihre Vorbilder: italo-amerikanisches Kino, der deutsche Autorenfilm und der französische Film noir. Warum also nicht selbst einen Film machen? Sie gründen eine eigene Firma, Lynarwood, nach der Lynarstraße, dem Schauplatz ihres Debütfilms. Sie übernehmen fast alles selbst: Drehbuch, Regie, Produktion und Hauptrollen. Kubilay Sarikaya und Sedat Kirtan, der eine Sozialarbeiter, der andere Personenschützer, beide auf der Straße aufgewachsen, haben hautnah erlebt, wovon sie erzählen. "Familiye" ist die Geschichte dreier ungleicher Brüder im Teufelskreis von sozialer Verwahrlosung, Spielsucht, Kriminalität und Gewalt.

In Schwarz-Weiß gedreht: das knallharte Leben zwischen Spielhallen, Wettbüros, Autowaschanlagen und den Protzschlitten der Geldeintreiber. Ganz ohne Angst vor den ganz großen Themen zeigen die beiden Macher aber auch, worauf es ankommt, will man der Abwärtsspirale entkommen: "Familiye" eben. Verantwortung, Zärtlichkeit und Liebe. Acht Jahre haben sie um ihr Projekt gekämpft, kompromisslos und ohne einen einzigen Cent Fördergeld. Der halbe Kiez spielt mit, Kurden, Türken, Russen - fast alle Darsteller sind Laien. So wie Muhammed Kirtan, der heimliche Star des Films. Der Bruder des einen Machers hat Down-Syndrom und spielt einfach herzerwärmend. "Familiye" ist rauh, kraftvoll, rasant, spannend und berührend. Ein Film entstanden aus dem echten Leben, der niemanden verurteilt. Auf das Schlagwort Integration reagieren die beiden Filmemacher leicht allergisch: "Wir sind hier geboren, aufgewachsen, ich denke, wir sind angekommen", sagt Sedat. "Die gleiche Geschichte hätten wir auch super mit Stefan und Michael in Marzahn drehen können, da gibt es auch solche Familien", ergänzt Kubilay. "Familiye" also ein Heimatfilm der ganz anderen Art? Auf jeden Fall ein Glücksfall für das deutsche Kino.

Schwimmend zum Weltstar

Die Geschichte von Yusra Mardini

Im Mai erscheint ein Buch über das Leben von Yusra Mardini. Die syrische Schwimmerin hielt bei ihrer Flucht über das Mittelmeer schwimmend das havarierte Boot mit weiteren Geflüchteten über zwei Stunden auf Kurs und rettete so die Leben ihrer Mitgeflohenen. Sie kam nach Berlin und nahm 2016 im "Refugee Team" an den Olympischen Spielen in Rio teil. Die knapp 20-Jährige trainiert bei den Wasserfreunden Spandau und will sich für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren. Im Herbst soll es zudem einen Kinofilm über ihr Leben geben, Regisseur ist Stephen Daldry ("The Hours", "The Crown"), der bereits mit "Billy Eliott - I will dance" einen sehr berührenden und preisgekrönten "Sportfilm" gemacht hat. aspekte hat Yusra Mardini in Berlin getroffen.

"Deutsch, nicht dumpf"

Neues Buch von Thea Dorn

Eine Diskussion tut Not, meint Thea Dorn, engagierte Mitstreiterin des Literarischen Quartetts, die sich als Schriftstellerin schon früher mit der "deutschen Seele" beschäftigt hat. Wie können wir deutsch sein – und zivilisiert zugleich. Mit ihrem "Leitfaden für aufgeklärte Patrioten" - Titel "Deutsch, nicht dumpf" - will Thea Dorn jetzt Antwort geben. Dreh- und Angelpunkt ihres hochpolitischen Manifests sind Einwanderung und Flüchtlingskrise - die Integration in einem Land ohne Einwanderungsgesetz. Eine Überforderung könne eine "kulturelle Klimakatastrophe" auslösen, meint Dorn. Angela Merkels Selfies mit Geflüchteten hält sie für einen fatalen Fehler. Die Bundeskanzlerin hätte bei ihrem "Nicht alle können kommen" bleiben müssen. Bei der deutschen Willkommenskultur habe sich "ein typisch deutscher Zug" Bahn gebrochen, so Dorn, begleitet von einer medialen Öffentlichkeit, die "strukturell partaiisch urteilt".

Die deutsche Verantwortung für den Holocaust bildet das zweite Grundkorsett von Thea Dorns Überlegungen. Wie wird die deutsche Erinnerungskultur durch die Einwanderung aus arabischen Ländern verändert? Geflüchtete aus dem Nahen Osten, so ihr Plädoyer, müssen ihre Aversion gegen Israel bändigen, wollen sie in diesem Land leben. Auch eine "gewisse Nachsichtigkeit" deutscher Gerichte bei Ehrenmorden und frauenfeindlichen Delikten macht sie als "falsch verstandene Toleranz" aus. Ihr Text ist auch ein Ruf nach 'law and order'. Ein streitbares Buch, ein provokantes deutsches Manifest.

Gast und Musik im Studio

Thea Dorn über Patriotismus und ihr neues Buch "Deutsch, nicht dumpf"

Live auf der aspekte-Bühne: Jesper Munk mit "Happy When I’m Blue"

"Hello World"

Neue Ausstellung in Berlin

Den Keller aufzuräumen ist vergleichsweise harmlos gegen das, was die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren umfassenden Kunstbeständen in den letzten zwei Jahren gemacht haben. Alte Nationalgalerie, Neue Nationalgalerie, Museum Berggruen und der Hamburger Bahnhof haben die Bestände umgekrempelt, Werke von Max Liebermann, Karl Schmidt-Rottluff, Edvard Munch oder Mark Rothko neu betrachtet. Die Sammlung wird unter dem Titel "Hello Word" erstmals kritisch auf ihre eurozentristische Prägung hin abgeklopft. Die Künstler der Avantgarde des 20. Jahrhunderts hatten sich zwar von afrikanischer, asiatischer oder südamerikanischer Kunst beeinflussen lassen, aber die einheimischen Übersee-Künstler wurden nicht gekauft. Schon gar nicht von den Nazis, die der Berliner Sammlung zwischen 1933 und 1945 schwer zusetzten und große Teile als 'entartet' entsorgten. Dabei sind auch unbekannte Perlen wie das Werk des Malers und Komponisten Walter Spies verschwunden. Spies war der Liebhaber von Fritz Murnau und wirkte an dem Film "Nosferatu" mit. Als Homosexueller verließ er schon 1927 Deutschland und gelangte über Jakarta in die Emigration nach Bali. Dort beeinflusste er mit seinem Malstil nicht nur die balinesische Kunst, sondern war maßgeblich an der Entstehung des Sehnsuchtsmotivs Bali beteiligt - und letztlich an der Entdeckung von Bali als Reiseziel für kreative und wohlhabende Europäer. So wurde er 1932 von Charlie Chaplin besucht. Die Filmaufnahmen dieses Besuches zeigen die beginnende Popularität des Ortes. Tragischerweise wurde Spies von den Nazis selbst auf Bali heimgesucht, das 1938 niederländische Kolonie wurde. Er starb 1942 auf dem Weg von einem Internierungslager zum nächsten auf einem Schiff, das von einer japanischen Bombe zerstört wurde. "Hello World" ist ab dem 27. April im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen ist. Sie ist Teil einer bundesweiten Ausstellungsserie "museum global", die die Bestände deutscher Museen auf ihre Sammlungspolitik hin befragt.

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