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aspekte vom 29. März 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Christo und seine Verhüllungskunst - Dokumentarfilm "Walking on Water"; Brendan Simms erklärt den Brexit - Warum die Insel Sonderrechte braucht; trans*Mann Jayrôme C. Robinet - Wie irre die Gesellschaft reagiert; Live: Sam Fender

Beitragslänge:
36 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.03.2020

Christo und seine Verhüllungskunst

Dokumentarfilm "Walking on Water"

So nah kam man dem Verhüllungs-Künstler Christo bisher selten: ein Dokumentarfilm begleitet jeden Schritt auf dem Weg zu seiner spektakulären Installation "Floating Piers". Dafür hatte er 2016 zwei norditalienische Inseln mit schwimmenden und schwankenden Stegen verbunden - bespannt mit leuchtend gelben Stoffbahnen. Der Blick, den der bulgarische Regisseurs Andrey Paounov hinter die Kulissen dieses Projekts wirft, ist spannend, humor- und liebevoll zugleich: zu erleben ist ein schimpfender, verzweifelter, leidenschaftlicher und ein glücklicher Christo während der turbulenten Entstehung des Kunstwerkes. Für die Deutschlandpremiere kommt Christo auch nach Deutschland, Kinostart des Films "Christo - Walking on water" ist am 11. April 2019.

Brendan Simms erklärt den Brexit

Warum die Insel Sonderrechte braucht

Seit Monaten beobachtet Kontinentaleuropa das zähe Ringen um den Brexit - zunächst mit Unverständnis und Trauer, dann mit stetig wachsender Fassungslosigkeit und Verdruss. In der britischen Regierung tobt ein Machtkampf, das Unterhaus weiß nur, was es nicht will, das Land bleibt erkennbar gespalten. In dieser schwierigen Situation mag es helfen, die Perspektive zu wechseln und sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen. Wer mit dem Historiker Brendan Simms spricht ("Die Briten und Europa. Tausend Jahre Konflikt und Kooperation"), erfährt Erstaunliches: Großbritannien sei die letzte verbliebene Großmacht Europas - auch ohne Empire, sein Verfassungsmodell habe sich als extrem robust erwiesen, das Vereinigte Königreich sei bislang noch immer gestärkt aus Konflikten herausgegangen: "Kontinentaleuropa hat vor 1945 versagt, und die heutige Europäische Union versagt nur etwas weniger". "Divide et impera" - teile und herrsche: Nach diesem Grundsatz behauptete Großbritannien jahrhundertelang erfolgreich seine Ausnahmestellung und spielte seine europäischen Rivalen gegeneinander aus. In den Brexit-Verhandlungen stand den britischen Unterhändlern (vielleicht erstmals in der Geschichte) eine geschlossene Front von 27 EU-Staaten entgegen. Sollte Großbritanniens berühmte "soft power", also die Fähigkeit, andere dazu zu bewegen, das zu wollen, was man selber will, etwa erloschen sein? aspekte hat Brendan Simms in Cambridge besucht.

Gast und Musik im Studio:

Markus Beeko, Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International

Auf der aspekte-Bühne: Sam Fender

trans*Mann Jayrôme C. Robinet

Wie irre die Gesellschaft reagiert

"Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund" - er hat es erlebt: der Schriftsteller Jayrôme C. Robinet, heute Anfang vierzig, seit Jahren Berliner mit französisch-italienischen Wurzeln, aufgewachsen als Mädchen in Frankreich. Über seinen Weg hat er nun ein Buch geschrieben. Wie erlebe, sehe ich die Welt aus den Augen eines Mannes, wie werde ich gesehen, wenn ich zuvor jahrelang erlebt habe, wie sich das als Mädchen und Frau anfühlt? Wie bewältige ich "das erste Mal" - ob in der Männer-Umkleide, der Muckibude oder beim Einchecken am Flughafen? Welche Rolle spielen Freunde und vor allem Eltern - und wie bringe ich letzteren nach Jahren im fernen Berlin bei, dass ich jetzt ihr Sohn bin? Glaubt man Statistiken, so nehmen Geschlechtsangleichungen seit einigen Jahren zu. Ist es Ausdruck von gestiegenem Mut, sich zu outen? Jayrôme Robinet weiß von alldem ebenso unterhaltsam wie unakademisch und klug zu berichten, bietet nebenbei ein kleines Glossar der aktuellen Gender-Vielfalt. Sind Sie eher eine "Butch", ein "Cis-Mann" oder schlicht "binär"?

Bücher der Sendung

Debatte um Amnesty International

Toxisches Klima unter Mitarbeitern

Ihr engagiertes Eintreten für Menschenrechte hat der Organisation weltweit Respekt und Renommee eingebracht. Doch ausgerechnet bei Amnesty International sollen die Rechte der Mitarbeiter mit Füßen getreten worden sein. Hinter den Londoner Backsteinmauern sollen Mitarbeiter massiv gemobbt, beschimpft und bedroht worden sein. Eine von Amnesty selbst in Auftrag gegebene Studie attestiert ein "toxisches Arbeitsklima", das bis weit in die 90er Jahre zurückreicht. Zwei Mitarbeiter sollen die Zustände gar in den Selbstmord getrieben haben. Als Konsequenz aus dem Report haben sieben leitende Chefs ihren Rücktritt angeboten. Der Bericht nennt auch die Gründe für die unhaltbaren Zustände, und die liegen in der Natur der Arbeit selbst. Wer täglich mit grässlichen Menschenrechtsverstößen und verstörenden Augenzeugenberichten befasst ist, muss psychische Entlastung erfahren, möglichst durch professionelle Helfer. Dies hat Amnesty in all den Jahren versäumt und so bei seinen eigenen Menschenrechtsschützern einen Stau an Aggression und Frustration aufgebaut. Wie geht es weiter bei Amnesty?

Pop-Up-Opera in Berlin

Wenn die Sänger zum Publikum kommen

Wie schafft man es heute als Kulturinstitution relevant zu sein, vor allem, wenn man eine Sparte vertritt, die von manchen als verstaubt und gestrig angesehen wird? Was muss man tun, um Menschen für Oper zu begeistern? Ganz einfach: Man geht mit der Musik dorthin, wo die Menschen sind. Die Komische Oper Berlin wartet nicht darauf, dass das Publikum zu ihr kommt. Sie schickt Don Giovanni ans Gate des Berliner Flughafens und eine "Frau, die weiß, was sie will" (Operette von Oscar Strauss) zum kultigen Kiezbingo ins SO36 in Kreuzberg. Hier erreicht Oper Menschen, von denen viele nie ein Opernhaus betreten würden - und sorgt für Begeisterungsstürme. Kein Wunder, dass die Komische Oper mit ihrem Intendanten Barrie Kosky so erfolgreich ist - und auch von denen wahrgenommen wird, die sich sonst eher nicht für Oper interessieren. Von allen Pop-Up-Operas gibt es Videomaterial, das zeigt, wie komisch, überraschend und begeisternd Opernmusik sein kann - auch im Alltag. Die Plattenindustrie klagt zwar über den Untergang der klassischen Musik, doch jenseits des Plattenmarktes findet die Musik ihr Publikum. Wir fragen nach, wie erfolgreich das Konzept wirklich ist und wie diese Idee entstand.

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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