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aspekte vom 29. Mai 2020

Moderiert von Jo Schück

Erhöhtes Risiko - Alte Menschen in der Coronakrise; Drehschluss - Die Filmindustrie im Überlebensmodus; Der visionäre Künstler Nam June Paik - Amsterdam öffnet die Museumstüren; Gast: Schauspieler Ulrich Matthes und Kulturstaatsministerin Monika Grütters

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44 min
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29.05.2020
Video verfügbar bis 28.05.2021

Drehschluss

Die Filmindustrie im Überlebensmodus

Der Filmbranche drohen durch die Folgen des Coronavirus zwei Milliarden Euro Umsatzeinbußen. Außerdem sind 36 Prozent der 80.000 Arbeitsplätze akut gefährdet. Kinos sind zwar in einigen Bundesländern schon wieder geöffnet, die Zuschauerzahlen jedoch spärlich – jede Woche mit geschlossenen Kinos bedeutet für die Branche 17 Millionen Euro Ertragsverluste. Daher fordert die AG Kino eine bundeseinheitliche Öffnung am 2. Juli. Gewinner der Krise sind Streaming-Dienste, die fürs Heimkino im Lockdown einen starken Abonnentenzuwachs verzeichnen konnten. Etliche Filme kommen gar nicht mehr ins Kino, sondern landen als Video on Demand im Netz, wie das teure US-Weltkriegsdrama "Greyhound" mit Tom Hanks. Alle geplanten Filmstarts wurden wegen Corona verschoben – was bedeutet das für die Verleiher? Werden es Arthouse-Filme in Zukunft schwerer haben, sich auf dem schwer gebeutelten Markt zu behaupten? Zerstört Corona das Gemeinschaftserlebnis Kino? Drehbücher werden umgeschrieben, Filmdreharbeiten sind massiv betroffen: Erst abgesagt und jetzt nur unter strengsten Vorkehrungen möglich: abgeschottete Filmsets, Schauspieler auf Abstand, Kussszenen nur nach Tests und freiwilliger Quarantäne. All das kostet mehr - und keine Versicherung ist bereit, Projekte für Covid-19-Ausfälle in der Crew zu versichern. Auch die Filmförderung hat weniger Geld zur Verfügung. Film ist auch ein Wirtschaftsfaktor - das mahnt die SPIO, Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, an und fordert einen Stabilitätsfonds, um die bedrohten Betriebe und Beschäftigten aufzufangen.

Gast und Musik

Im Gespräch: Schauspieler Ulrich Matthes, Präsident der Deutschen Filmakademie, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Kytes
Quelle: Kytes

Live: Die Münchner Indieband Kytes mit "Alright"

Erhöhtes Risiko

Alte Menschen in der Coronakrise

Mit seiner Definition von Hochrisiko-Gruppen hat das Robert-Koch-Institut Menschen über 60 als besonders schutzbedürftig eingestuft - und tatsächlich sind in dieser Altersgruppe die höchsten Todesraten durch das Corona-Virus zu verzeichnen. Wie aber gehen ältere Menschen mit einer Definition um, die auch die Politik so von den Virologen zu übernehmen scheint? Wie kommt man damit zurecht, den Hochrisiko-"Stempel" zu tragen? Mit den Schutzmaßnahmen, die die Jüngeren für einen beschlossen haben? Theatermann Claus Peymann meint sarkastisch, ihn interessiere nur noch seine Grabstätte auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof, der Schriftsteller Martin Walser nennt sich süchtig nach Corona-News und tröstet sich mit Hölderlin, bei dem er Ruhe findet. Seine Berliner Kollegin Monika Maron dagegen ist empört: Das Land Mecklenburg-Vorpommern schickte ihr, die seit Jahrzehnten zum Leben und Arbeiten auf ihren Zweitwohnsitz aufs Land fährt, eine Ausreiseverfügung zu - Behördentum wie zu DDR-Zeiten.

Gloria Kino in Kassel
Das Gloria-Kino in Kassel.
Quelle: Uwe Weißenborn

Die Schauspielerin Eleonore Weisgerber hat einen Offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten initiiert, der fordert, den Begriff "Risikogruppe" genauer zu definieren, da sie die Diskriminierung von Menschen über 60 in den Bereichen Architektur, Erziehung, Film, Handwerk, Journalismus, Kunst, Medizin, Musik, Lehre, Pflege, Politik, Recht, Theater usw. fürchtet. Die meisten Angehörigen ihrer Altersgruppe seien in der Lage, sich selbst zu versorgen und benötigten keine Hilfe. Und doch wird die Pandemie, so die Erfahrung des Filmemachers und Schwulen-Aktivisten Rosa von Praunheim, alles verändern - gerade für diejenigen, die besonders gefährdet sind, so seine Erfahrung als Überlebender der anderen großen Virus-Epedemie unserer Zeit: Aids. Eine Momentaufnahme von Menschen, die mit "erhöhtem Risiko" leben müssen. 

Überraschung oder Enttäuschung

Was steckt drin im Kulturpaket?

Bald geht es in den vierten Monat des Lockdown und so langsam dämmert auch dem Finanzminister, dass die Kultur darbt. Längst reichen die Hilfsfonds der Länder nicht mehr. Deutschlands einmaliger Kulturlandschaft droht uneinholbarer Schaden, wenn jetzt der Bund nicht eingreift. Noch hüllt sich der Finanzminister in Schweigen, doch kommenden Dienstag soll ein großes Kultur-Hilfspaket geschnürt werden. Die Weisen des deutschen Kulturrats stellen klar, dass es eine Öffnung in der Kultur nicht zum Nulltarif geben wird. Die kompletten Einnahmeausfälle und die Mehrkosten wegen der einzuhaltenden Sicherheitsmaßnahmen treffen aufeinander. aspekte fragt in der Kulturszene nach: Festivalbetreiber, Tänzer und Dirigenten sprechen mit uns über das, was dringend erwartet wird, über die Systemrelevanz der Kultur und inhaltliche Veränderungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat.

Der visionäre Künstler Nam June Paik

Amsterdam öffnet die Museumstüren

Seine Vision war weltweit und audio-visuell - und das in Zeiten, als Fernsehen noch sehr teuer und behäbig war und den großen Fernsehanstalten vorbehalten. Nam June Paiks Credo war, dass durch die Verbindung der Menschen mit Video und über Satellitenverbindungen die Welt zusammenwächst. Die Jump-Cut-Fans der Youtuber von 2020 werden blass vor Neid, beim Anblick seiner Bildorgien. Nam June Paik hat so ziemlich alles vorhergesehen, was wir heute für normal halten - vom Internet bis zum Smartphone. Ein Visionär, der vor allem ein unheilbarer Optimist war. In Amsterdam sollte Mitte März eine große Ausstellung im Stedelijk-Museum eröffnen. Nun wird sie am 1. Juni unter Corona-Bedingungen starten. Der Titel: "The Future is now“. aspekte berichtet aus der Ferne.

Stab

  • Moderation - Jo Schück
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