aspekte vom 3. Februar 2017

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 3. Februar 2017

Themen u.a.: Mauerbauer - Der Drang zur Grenze; Etappensieg für Weltkriegsmuseum - Ziviler Ungehorsam hilft in Polen; Wunderwasserwelten in Gefahr - Meeresforscher Uli Kunz; De Stijl als Lebensprinzip - Wie Kunst die Welt verändert; Live: Agnes Obel

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.02.2018, 23:59
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Der Drang zur Grenze

Der neue US-Präsident Donald Trump macht ernst: Er will in den nächsten zwei Jahren eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen. Im südlichen Nachbarland der USA schwanken die Reaktionen zwischen Unglauben, Wut und Ungewissheit. Denn Trumps Mauerpläne kommen zu einer Zeit, in der die Zahl der mexikanischen Einwanderer in die USA nicht nur rückläufig, sondern sogar negativ geworden ist. Für den mexikanischen Filmemacher Jonás Cuarón ist daher klar: Trumps Mauer hat vor allem eine symbolische Bedeutung und soll die Gesellschaft auf beiden Seiten der Grenze entzweien. Cuarón hat schon vor zwei Jahren mit "Desierto" einen düsteren Grenzthriller gedreht. Der Film nimmt die Situation von heute quasi vorweg und ist daher aktueller denn je. Wir haben mit dem Regisseur und Sohn von Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón über die aktuelle Lage gesprochen.

Etappensieg für Weltkriegsmuseum

Ziviler Ungehorsam hilft in Polen

Der Fall erhitzt seit Monaten die Gemüter – und das keineswegs nur bei unseren polnischen Nachbarn. Nach achtjähriger Vorbereitung soll dieser Tage in Danzig das ehrgeizige "Museum des Zweiten Weltkriegs" seine Tore öffnen. Das Mammutprojekt - über 100 Millionen Euro teuer, eine der größten Dauerausstellungen der Welt - versucht, mit multimedialer Technik, das Grauen auf historisch vermintem Gebiet sichtbar zu machen. Am Rande der alten Hansestadt, auf der Halbinsel Westerplatte, begannen im September 1939 Hitlers Vernichtungsfeldzüge. Die mit öffentlichen Geldern finanzierte Schau wurde einst von der liberalen Regierung Tusk in Auftrag gegeben. Den neuen, streng nationalistisch gesonnenen Machthabern Polens rund um Jaroslaw Kaczyński aber ist das Unterfangen ein Dorn im Auge: Da würde viel zu viel Alltag, viel zu viel Leid gezeigt - anstatt der ruhmreichen Taten der Landesarmee zu gedenken. Mit einem Verfahrenstrick sollte dem international beachteten Prestigeobjekt der Garaus gemacht werden. Das dürfen die Polen, die Touristen aus dem Ausland, nicht sehen. Die Schließung droht noch vor dem ersten Öffnungstag. Ein Akt staatlicher Zensur. Doch gerade in Danzig, wo sich einst Lech Walesa und seine Solidarność erhoben, hat der gewitzte Widerstand eine lange Tradition. In letzter Minute scheint sich das Blatt zu wenden … aspekte war vor Ort.

Unser Gesprächsgast im Studio: Wolfram Putz, Mitbegründer der Architektengruppe "Graft" und Experte für nachhaltige Architektur

Der Meeresforscher Uli Kunz

Seine Leidenschaft lässt ihn weder vor eisiger Kälte noch vor völliger Dunkelheit zurückschrecken, in seinen Bildern trifft die Schönheit der Tiefseewelt auf die verstörende, brutale Realität. Der Kieler Meeresbiologe, Forschungstaucher und Naturfotograf Uli Kunz ist ein Jäger. Getrieben von Wissenschaft und Kunst sucht er nach besonderen Momenten in in Sphären, die für den Menschen lebensfeindlich sind, aber Überraschendes verbergen. In seiner Live-Show "Leidenschaft Ozean" zeigt er seine subjektive Sicht einer surreal anmutenden Welt, eines bröckelnden Idylls zwischen Finsternis und prächtigen Farben. Seine Fotografien erzählen von unberührter Schönheit, von Leidenschaft, von andächtiger Ruhe – und von den brutalen Eingriffen des Menschen. Durch die Verschmutzung mit Plastikmüll, durch die Jagd auf Haie und die Folgen der Erderwärmung. Ein Tauchgang mit Tiefgang.

"Leidenschaft Ozean" - Termine
04.02.2017 Landau in der Pfalz
05.02.2017 Wertheim
08.02.2017 Weinheim
09.02.2017 Heidelberg

Wie Kunst die Welt verändert

1917 setzten sich in der niederländischen Provinz ein paar innovative Künstler zusammen und wollten nicht weniger, als die Kunst revolutionieren. Ein neues, universelles "Zeitbewusztsein" schaffen, nur mit Formen, Farben und Komposition. Für alle Lebensbereiche. Piet Mondrian war einer von ihnen. Seine Bilder in Grundfarben, mit schwarzen Linien durchzogen, hängen heute in jedem Museum und haben es bis auf Haarspraydosen und Luxuskleider geschafft. Sein Kollege Gerrit Thomas Rietveld hat eine Skulptur gebaut, auf der man sitzen kann. Sein legendärer Sessel wurde millionenfach kopiert und steht in designbewussten Wohnzimmern. Das Gemeentemuseum in Den Haag feiert die 100 Jahre der Bewegung und zeigt seine Schätze: Mondrians, Doesburgs und Bart van der Lecks (Ausstellung ab 11.2. und im Juni). De Stijl ist heute ein Markenname für nicht weniger als die Revolution in der Gestaltung sämtlicher Alltagsbereiche - wohnen, arbeiten, urbanes Leben. Die Reduktion auf einfache Formen und die Grundfarben ist bis heute ein Statement für die Übersichtlichkeit, aber auch für die Befreiung der Kunst von überflüssigem Dekor und gegenständlicher Darstellung. Das Bauhaus, zwei Jahre später gegründet, profitierte sehr von diesem Formwillen. Den Rietveld-Stuhl kann man sich selbst nachbauen, mit wenig Aufwand. aspekte sucht nach der Schönheit dieser Kunstbewegung.

Agnes Obel
Agnes Obel Quelle: Alex Bruel Flagstad

Live auf der aspekte-Bühne: Die neue Königin des sanften Sounds Agnes Obel mit "Stretch Your Eyes“

Musik als Weltflucht

Der Klangerfinder Max Richter

Er ist der Meister der Neoklassik und Komponist des mit acht Stunden längsten Schlaflieds der Welt("Sleep", 2015): Max Richter. In Berlin stellt er jetzt sein neues Album vor: "Three Worlds, Woolf Works" ist eine Hommage an die Schriftstellerin Virginia Woolf - und eigentlich ein Ballett. Die Musik entstand in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Choreographen Wayne McGregor. "Woolf Works“ ist derzeit im Londoner Royal Opera House zu sehen – die Inszenierung lief pünktlich zum 135. Geburtstag der britischen Literatin an. Richter und McGregor beschäftigten sich intensiv mit den Werken von Virginia Woolf. Für ihr Werk wählten sie drei Romane aus: "Mrs Dalloway", "Orlando" und "The Waves". Ab der kommenden Woche wird die effektvoll inszenierte Darbietung auch als Livestream in ausgewählte Kinos übertragen. Max Richter - in Deutschland geboren, in England aufgewachsen – hat viele Jahre in Berlin verbracht, inzwischen lebt er wieder in London. Bekanntheit erlangte er mit seinem Soundtrack für den Film "Waltz with Bashir". Richter versteht sich als Grenzgänger und mischt mit großem weltweitem Erfolg klassische Akkorde mit elektronischen Klängen. Im Gespräch mit aspekte erinnert er sich an seine Anfänge, als er versuchte, in der Klassikwelt als Komponist wahrgenommen zu werden. Und er blickt skeptisch in eine Zukunft mit Brexit und Trump ...

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