aspekte vom 3. November 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 3. November 2017

U.a.: Die Welt der "Fikkefüchse": Ist Sex das Asyl für Würstchen?; 100 Jahre Oktoberrevolution: Künstler hört die Signale!; Radikale Jüdische Kulturtage: "Punching Nazis" in Berlin; Musik: Christiane Karg

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.11.2018, 23:59

Die Welt der "Fikkefüchse"

Ist Sex das Asyl für Würstchen?

Seit mehreren Wochen nimmt die Diskussion um sexuelle Belästigung immer mehr an Fahrt auf: #MeToo heißt es jetzt auch aus deutschen Schauspielerinnen-Kreisen, von Politikerinnen - sogar aus dem Europaparlament. Warum gerade jetzt? War die Gesellschaft nicht weiter? Pustekuchen. Regisseur und Schauspieler Jan-Henrik Stahlberg lässt im Kino die Männer zu Wort kommen - sein Film "Fikkefuchs" erzählt von ihrer Sexualität, die für die Männer selbst oft ein Tabu sei, wie er sagt. Sein Protagonist Thorben sieht in jedem Dekolleté einer Verkäuferin zwanghaft das Angebot für schnellen Sex. "Männlichkeit als Mangelkrankheit" - das verhandelt auch das Deutsche Theater derzeit in "Feminista Baby". Ist #MeToo in Wahrheit der Ausdruck einer Krise der Männlichkeit? Zeigt, wie verzweifelt und verunsichert die Männer noch in überholten Stereotypen gefangen sind? Wie können sie sich dann von ihrer 'toxischen Männlichkeit' befreien?

100 Jahre Oktoberrevolution

Künstler hört die Signale!

In ihrem neuen Trickfilm "1917 - der wahre Oktober" lässt die Berliner Filmemacherin Katrin Rothe das Sankt Petersburg des Jahres 1917 wiederauferstehen – jene anarchische Zeit zwischen Februar und Oktober, in der noch alles offen schien. Rothe verspricht uns nichts weniger als die Geschichte des "wahren Oktober". Genau genommen erfahren wir aber mindestens fünf 'Wahrheiten', erzählt aus der Perspektive von fünf Künstlern und Intellektuellen der damaligen Zeit: Zinaidia Hippius, Lyrikerin und Grande Dame der Petersburger Elite, Schöngeist Alexandre Benois, Künstler Kasimir Malewitsch, Revolutionspoet Wladimir Majakowski – und Schriftsteller Maxim Gorki, Marxist und Weggefährte Lenins. Wie hielten es die Intellektuellen mit der Revolution? Worin waren sie sich einig? Wann kippte die Euphorie in Enttäuschung? Und was bedeutete die Machtübernahme durch die Bolschewiki für die Kunst? (Der Film wird in ausgewählten Kinos gezeigt, die Sie hier unter "Kinofinder" nachlesen können.)

Gast & Musik im Studio

Sopranistin Christiane Karg auf der aspekte-Bühne mit Benjamin Brittens "Chanson d’Automne". Am Flügel: Gerold Huber.

Plakat "Radikale Jüdische Kulturtage" im Maxim Gorki Theater 2.-12. November 2017
"Radikale Jüdische Kulturtage" im Maxim Gorki Theater 2.-12. November 2017

Im Gespräch: Dramatikerin und Essayistin Sasha Marianna Salzmann, Mit-Kuratorin der Radikalen Jüdischen Kulturtage. Katty Salié und Jo Schück sprechen mit der in Russland geborenen Autorin über 100 Jahre Oktoberrevolution, über die #MeToo-Debatte und das Motto der Radikalen Jüdischen Kulturtage: "Desintegriert euch!"

"Gesellschaft der Singularitäten"

Klassengesellschaft der Studierten?

Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten.
Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp. 480 S., 28,– €

Er ist einer der interessantesten Soziologen des Landes: Der in Frankfurt/Oder lehrende Andreas Reckwitz. Schon 2012 hat er mit seinem Buch "Die Erfindung der Kreativität" fachübergreifend Aufmerksamkeit erregt. In diesen Tagen erscheint sein neues Werk "Die Gesellschaft der Singularität" und es ist nicht weniger als eine umfassende Theorie der Spätmoderne. Das Streben nach Einzigartigkeit, so Reckwitz, ist zum gesellschaftlichen Leitmotiv geworden. Das spätmoderne Subjekt performt sein (dem Anspruch nach) besonderes Selbst vor den Anderen, die zum Publikum werden – gleichviel, ob es nun um Urlaub, Arbeit, Kindererziehung, Sport, Kultur oder Freundschaft geht. Mit diesem Ansatz, so Reckwitz, lassen sich auch die Pathologien unserer Zeit deuten: 1. Der hohe Selbstenfaltungsanspruch sei ein systematischer Enttäuschungsgenerator, vor dessen Hintergrund sich psychische Überforderungssymptome erklären lasse. 2. Die wachsende Singularisierung erzeuge soziale und kulturelle Ungleichheit und eine Polarisierung der Klassen und Lebensstile. 3. Die Prämierung partikularer Identität erkläre den Ausstieg spätmoderner Nationalismen, Fundamentalismen und Populismen. "Die Gesellschaft der Singularitäten" dürfte zu den intensiv diskutierten Neuerscheinungen der Saison zählen.

Raubkunst-Bilanz im Fall Gurlitt

Die "wahre Geschichte" in drei Akten

Maurice Philip Remy: Der Fall Gurlitt. Die wahre Geschichte über Deutschlands größten Kunstskandal.
Maurice Philip Remy: Der Fall Gurlitt. Die wahre Geschichte über Deutschlands größten Kunstskandal. Europa Verlag

Während zwei große Ausstellungen in Bonn und Bern den Nachlass und den Kunstfund von München auswerten und die Herkunftsgeschichte der Werke zu klären behaupten, erhebt der Autor und Filmemacher Maurice Philip Remy heftige Vorwürfe gegen die Kunstfahnder. Sie hätten voreilig und ohne die nötige Sachkenntnis den Besitzer der Werke, Cornelius Gurlitt, kriminalisiert und den greisen Kunstliebhaber um sein Eigentum und sein zurückgezogenes Leben gebracht. Um das juristisch fragwürdige Agieren der Behörden wenigstens im Nachgang zu rechtfertigen, stricken die beiden Ausstellungen fleißig weiter an der Legende vom schuldverstrickten Kunsthändler Hildebrand, dem Vater jenes Cornelius, der angeblich aus Habgier einen Pakt mit den Nazis einging.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.