aspekte vom 30. Juni 2017

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 30. Juni 2017

Jean Ziegler zu G20 in Hamburg - Gegen die kannibalische Weltordnung, Scholl 2017 – Verteile dein Flugblatt - Zentrum für pol. Schönheit in München, Katty beim Skulptur Projekt Münster - Die schönste Ausstellung des Jahres, Live: London Grammar

Beitragslänge:
45 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.06.2018, 23:00

Jean Ziegler zu G20 in Hamburg

Gegen die kannibalische Weltordnung

Den G20-Gipfel in Hamburg kann er auf keinen Fall verpassen: Jean Ziegler, Europas bekanntester Globalisierungskritiker, 83 Jahre alt, reist ein paar Tage früher an die Alster. Denn später wäre vielleicht kein Durchkommen mehr in einer Stadt, die sich seit Tagen im Ausnahmezustand befindet: An der Elbphilharmonie haben Polizei-Taucher Stellung bezogen, öffentliche Gebäude werden vernagelt und mit Nato-Draht versiegelt, gepanzerte Fahrzeuge üben für den Ernstfall. Alles für die Staats- und Regierungschefs der 20 mächtigsten Staaten dieser Welt. Jean Ziegler will ihnen die Show nicht allein überlassen. Schon gar nicht Donald Trump, mit dem sich, so der kämpferische Schweizer, "die weiße Herrschaftsklasse Amerikas nur offen als das demaskiert hat, was sie immer war: rassistisch." Für schlimmer hält er nur, dass die 500 größten Privatkonzerne über 50 Prozent des Weltbruttosozialprodukts kontrollieren. Doch ist diese unvergleichliche Macht – bestens repräsentiert durch die G20 – unangreifbar? "Der schmale Grat der Hoffnung", so auch der Titel von Zieglers jüngstem Bestseller, existiert da, wo Menschen sich zur Wehr setzen. Die Diktatur des globalisierten Finanzkapitals hat unglaubliches Elend geschaffen, doch die kollektiven Ideen von 1789, der Pariser Kommune, der universellen Erklärung der Menschenrechte stehen dem auch heute noch entgegen. Zieglers hartnäckige Botschaft am Vorabend von G20: Es gibt Kämpfe, die wir verloren haben, aber auch solche, die wir gewinnen können.

Termine: Jean Ziegler in Hamburg

28.06.2017, 20:30 Uhr, Schauspielhaus: Lesung und Gespräch, Moderation: Jakob Augstein

29.06.2017, 20:00 Uhr, Abaton Kino: "Jean-Ziegler - Optimismus des Willens", Filmvorführung mit anschließendem Gespräch

Scholl 2017 – Verteile dein Flugblatt

Zentrum für politische Schönheit in München

Es gibt Kunst, die sucht man - in der Regel freiwillig - auf, und dann gibt es Kunst, die sucht einen heim. Eine derartige aufdringliche Heimsuchung erlebt zur Zeit München, wo das Kunst/Satire/Performance-Kollektiv "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) gerade seine neueste Inszenierung gestartet hat: "Scholl 2017 – Verteile dein Flugblatt in einer Diktatur." Münchner Gymnasiasten und Studenten sollen anlässlich des 75-jährigen Jahrestages des Protests der Geschwister Scholl ein Flugblatt gestalten und damit persönlich in einer Diktatur ihrer Wahl zum Sturz des Diktators aufrufen. Eine entsprechende Broschüre des ZPS wartet sogar mit einem Grußwort des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann auf, der die Sache angeblich sponsert. Ein feuerroter Bus ist in München unterwegs, damit sich Teilnehmer registrieren lassen können. Das liest sich angesichts vergangener ZPS-Aktionen ("Flüchtlinge fressen", "Die Toten kommen" oder "25.000 Euro Belohnung") so zahm, dass es sogar Medienvertreter gab, die die Aktion ob ihres pädagogischen Gehaltes erst einmal für bare Münze nahmen. Oder ist "Scholl 2017" gerade wegen seines oberflächlichen Verzichts auf spektakuläre Elemente besonders hintersinnig und wirksam? Anlässlich eines Besuchs von ZPS-Gründer Philipp Ruch im Studio berichtet aspekte von der neuen Aktion und gibt einen kurzen Überblick über die vergangenen.

Preisgekrönte Literatur aus dem Kongo

"Tram 83" von Fiston Mwanza Mujila

Er revolutioniert die afrikanische Literatur. Der Kongolese Fiston Mwanza Mujila gewinnt mit seinem Roman "Tram 83" den Internationalen Literaturpreis des Berliner Haus der Kulturen. Sein Roman sei "der radikale Bericht postkolonialen afrikanischen Lebens in einer auf unermesslichen Bodenschätzen brodelnden Stadt", so das Jury-Urteil. Wir treffen den 36-jährigen Literaten in Graz, wo Mwanza Mujila seit acht Jahren lebt, und sprechen mit ihm über das fiktive "Hinterland", die "Latrine der Globalisierung", über Sprache, die einem Jazzkonzert gleicht, über Diktatur, Flucht und das Leben eines afrikanischen Literaten in Europa. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Saxophonisten Patrick Dunst, wird Fiston Teile seines Buches für uns in einem Grazer Jazzclub performen. Termine: Fiston Mwanza Mujila liest.

Gast & Musik im Studio

Auf der aspekte-Bühne: London Grammar mit "Oh Woman Oh Man"

Im Gespräch: Aktionskünstler Philipp Ruch über Diktatur und Widerstand

Katty beim Skulptur Projekt Münster

Die schönste Ausstellung des Jahres

Das gediegen beschauliche Münster wird gerade zum fünften Mal seit 1977 von Skulpturen heimgesucht. Diese breiten sich in der gesamten Stadt aus, sind manchmal schwer zu finden und nicht immer gleich als Kunst zu erkennen. Alle zehn Jahre gönnt man sich hier mit dem "Skulptur Projekt Münster" eine Auswahl von internationalen Künstlern, die vor Ort und speziell für einen selbst gewählten Platz in der westfälischen Kleinstadt, ihr Statement zur Lage der Welt, der Kunst und der Skulptur abgeben. 35 sind es dieses Jahr und Katty Salié begibt sich mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour. Sie wird übers Wasser laufen, sich vom Grandseigneur der deutschen Kunstvermittlung, Kasper König, das "fourth house" des isländischen Konzeptkünstlers Hreinn Fridfinnsson erklären lassen, ihr Handy am Feuer laden und den gegenwärtigen Verflechtungen von Kunst und Umgebung nachspüren.

Gelöschte Fotos auf Instagram

Zensur im Internet

Instagram ist ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, eine Art Mini-Blog. Jeder kann seine Fotos auf diese Plattform hochladen und sie in der Welt verbreiten. Fotos, die einen pornografischen oder diskriminierenden Inhalt haben, die Gewalt oder Geschlechtsteile zeigen, verbietet Instagram. Soweit so gut. Aber es kommt auch vor, dass Instagram Bilder löscht, die nicht in diese Kategorie fallen. Der Nutzer bekommt eine Standard-Benachrichtigung mit der Information, dass das Bild gegen die Richtlinien verstößt. Das erlebte auch Arvida Byström, eine 25-jährige Netz-Künstlerin aus Los Angeles. Sie hatte bei Instagram ein Foto von sich hochgeladen, auf dem sie eine Bikini trägt. Weder Brustwarzen noch Vagina waren zu sehen, trotzdem löschte Instagram das Bild von ihrem Account. Das brachte sie auf die Idee mal genauer hinzusehen, was für Bilder Instagram eigentlich löscht. Zusammen mit ihrer Freundin, der Künstlerin Molly Soda, rief sie im Netz dazu auf, ihnen gelöschte Bilder zuzusenden. Entstanden ist ein Buch, das genau die Bilder zeigt, die der Zensur zum Opfer gefallen sind. In den Augen der Künstlerinnen verstößt aber keines der Bilder gegen die Richtlinien. Warum wurden diese Bilder gelöscht? Weil sie einem gängigen Schönheitsideal nicht entsprechen? Weil Schamhaare und Menstruationsblut sichtbar sind? Wir sprechen mit der Netz-Künstlerin und Autorin des Buches "Pics or It didn’t Happen" Molly Soda über die Zensur von Instagram.

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