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aspekte vom 30. November 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 30. November 2018

Richterin Ruth Bader Ginsburg - Ein Leben für die Gerechtigkeit; Benny Claessens, Schauspieler - Ein Blick hinter die Kulissen; Künstlerin Alicja Kwade - Das Geheimnis einer Erfolgsgeschichte; Live: Christoph Sietzen; Gast: Jo Nesbø mit neuem Thriller.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.11.2019, 23:59

Richterin Ruth Bader Ginsburg

Ein Leben für die Gerechtigkeit

Sie war eine der ersten Jura-Studentinnen in Harvard, eine der ersten Jura-Professorinnen der USA und auch die zweite Frau am Supreme Court des Landes: Ruth Bader Ginsburg. Berühmt-berüchtigt als "Notorious RBG". Sie hat mit ihrem Einsatz für Frauenrechte Geschichte geschrieben. In den 60er- und 70er-Jahren erkämpfte sie gegen heftige Wiederstände bahnbrechende Gerichtsurteile zur Gleichstellung der Geschlechter. Mit ihrer distinguierten, zurückhaltenden Art wurde sie zur Revolutionärin, Heldin und Ikone der Menschenrechtsbewegung. Jetzt kommt der Dokumentarfilm "RBG – ein Leben für die Gerechtigkeit" in die deutschen Kinos. Bis heute ist die inzwischen 85-Jährige ein unverzichtbarer liberaler Freigeist in der amerikanischen Politik – insbesondere natürlich in der Trump-Ära.

Jo Nesbøs Macbeth

Die Abgründe der Macht

Jo Nesbø: Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt. Thriller
Quelle: Penguin

Wer das Düstere sucht, wird vom norwegischen Krimiautor Jo Nesbø nicht enttäuscht. Seine Geschichten: messerscharf skizzierte Analysen gesellschaftlicher Abgründe unterschiedlichster Charaktere, oft verborgen hinter einer vorbildlich-bürgerlichen Fassade. Jo Nesbø ist schreibend – wie auch sonst im Leben- nie nur auf einer Ebene unterwegs: studierter Ökonom, Ex-Profi-Fussballer, Musiker und Millionen-Bestsellerautor. Ein wenig ähnelt er damit dem unberechenbaren Typen Harry Hole, Held seiner weltweit erfolgreichen Krimireihe. In der Tradition eines Film Noir steigt der Leser mit Hole ab in die Hinterhöfe der Drogenszene, in die gesellschaftlichen Hinterzimmer einer Schattenwirtschaft, die nach den gleichen Regeln funktioniert, wie die scheinbar strahlend helle Seite der kapitalistischen Erfolgsgesellschaft. Als Kind hat sich Jo Nesbø eine Zeitmaschine gewünscht. In seinem neuesten Krimi katapultiert er schreibend Macbeth in die 70er des vergangenen Jahrhunderts: ein Polizeiinspektor im Kampf gegen Drogenkartelle und Rockergangs. Ein Gangster- und Polizeidrama in einer düsteren Stadt des Nordens: eine Mischung aus Newcastle, Glasgow und New York - bevor dort Law and Order Einzug hielten. Und natürlich dürfen auch die grauen, regenverhangenen Tage nicht fehlen, wie Nesbø sie aus Bergen kennt. So sehr sich im Krimi Ort und Zeit verändern, es bleiben – wie in Shakespeares Königsdrama – die Namen der handelnden Personen und vor allem der Kernsatz "Blut wird mit Blut bezahlt". Eine gekonnte Transformation des bluttriefenden Werkes auf 621 Seiten, auf denen sich die Spannung weniger daraus entwickelt, wer wen und wie tötet, sondern vielmehr in der Wandlung Macbeths - vom guten zum bösen Cop. Er soll Chief Commissoner und später Bürgermeister werden – so will es die Lady. Und Macbeth folgt ihren Intrigen. "Politik ist die Kunst des Möglichen, und manchmal muss man Böses einsetzen, um gegen das Böse zu kämpfen." Ein zeitloses Thema: Macht in den falschen Händen.

Jo Nesbø liest aus "Macbeth"
Hamburg Mittwoch, 28. November, 20 Uhr, Universität
München Donnerstag, 29. November, 20 Uhr, Gasteig, Carl-Orff Saal

Gast und Musik im Studio

Benny Claessens, Schauspieler

Ein Blick hinter die Kulissen

Charakterliche Zuschreibungen über Benny Claessens lesen sich in den einschlägigen Feuilletons wie folgt: er sei ein "poetisches Nilpferd", ein "Körpermedium der Liebe". Aha. Sieht man den Theaterschauspieler dann auf der Bühne, wird schnell klar, wie solche Aussagen zustande kommen. Benny Claessens spielt nicht, sondern arbeitet mit seinem Körper. Er fegt, wütet, tänzelt, poltert und schwebt über die Bühne, ohne dass er irgendetwas von sich geben muss und man versteht seine Intention. Seine reine körperliche Präsenz sagt sprichwörtlich mehr aus als tausend Worte. Und wenn die noch hinzukommen, dann passiert etwas, das es nicht so häufig gibt: Claessens gibt dem Raum, in dem er sich bewegt, eine Bedeutung. Die Zuschauer werden zu seinen Verbündeten gegen Textströme oder absurde Einfälle der Regie.

Benny Claessens als "Salome"
Quelle: Gorki Theater

"Ich versuche tatsächlich, Bilder zu bauen mit meinem Körper. Das Einzige, was man wirklich hat, ist der Körper in einem Raum. Und das kann schon sehr viel sein und wird oft im Theater unterschätzt“, so Claessens. Sprachlose Performance sieht man auch bei seinen eigenen Regiearbeiten. Seit 2010 steht der Belgier auf deutschen Bühnen. Der Regisseur Johan Simons holte ihn an die Münchner Kammerspiele, wo er sich sein Terrain erst einmal erobern musste - obwohl er in Belgien zu dem Zeitpunkt schon ein Fernsehstar war. Zu unangepasst, ungewöhnlich war sein Spiel für Münchner Verhältnisse. Jetzt, acht Jahre später, ist er von "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres gewählt worden, hat den Alfred-Kerr-Darstellerpreis gewonnen, hat 2017 bei den Salzburger Festspielen sein Debüt gefeiert und steht zurzeit als "Salome" in Ersan Mondtags Inszenierung auf der Bühne des Gorki Theaters in Berlin.

Künstlerin Alicja Kwade

Das Geheimnis einer Erfolgsgeschichte

Erfolg zu Lebzeiten galt in der Kunst lange als verdächtig. Der brave Künstler war früher genial und lebenslang arm wie Van Gogh und verkannt wie Courbet. Für Frauen galt natürlich mindestens dasselbe. Nun schreit die Gemeinde, dass Frauen immer noch viel zu wenig in der Bildenden Kunst repräsentiert seien, was statistisch gesehen stimmt. Alicja Kwade, Jahrgang 1979, in Kattowitz geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Sie arbeitet sich allerdings nicht so sehr an der Frauenquotenhysterie ab, sondern macht schlicht ihren Job als Künstlerin, Forscherin und Organisationstalent. Und: verstößt dabei massiv gegen die Regel, zu Lebzeiten keinen Erfolg zu haben - ausgerechnet in der Männerdomäne Skulptur. Das Publikum liebt sie, der Markt liebt sie, sie bekommt Preise und sie ist eine Frau. Geht das mit rechten Dingen zu?

Die Tänzerin Nora Monsecour

Die Inspiration für den Film "Girl"

Der in Cannes mehrfach preisgekrönte Film "Girl" über ein Transgendermädchen auf dem Weg zur Primaballerina, ist der belgische Bewerber für den sogenannten Auslands-Oscar 2019. Inspiriert wurde Regisseur Lucas Dhont von der Tänzerin Nora Monsecour, die seit ihrem neunten Lebensjahr an der Royal Ballet School in Antwerpen ausgebildet wurde. Sie kam 2017 ins Finale der TV-Show "Young Dancer" (BBC). Monsecour hat schlimme Strapazen auf sich genommen. Nach dem Outing folgte jahrelange Hormontherapie, dazu das tägliche harte Tanztraining, das dem Körper alles abverlangt - in einer Sportart, in der es um extreme Körperbeherrschung geht und in der Komplexe und Schamgefühle keinen Raum haben. Heute arbeitet sie am Staatstheater Mainz und tanzt am 21. November in der Premiere von "Nothing" mit, der neuen Choreografie von Roy Assaf. Sie hat jetzt den Körper, den sie immer wollte und den Beruf, für den sie hart gearbeitet hat.

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