Sie sind hier:

aspekte vom 31. Januar 2020

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Das Erbe des Kaisers - Neues zum Fall der Hohenzollern; Nobelpreisträger im Interview - Ökonomen gegen Populisten; Kirche und Missbrauch - Geschichte eines Skandals; Gast: Josef Haslinger; Live: Balbina

something
43 min
something
31.01.2020
Video verfügbar bis 28.01.2021, in Deutschland, Österreich, Schweiz

Das Erbe des Kaisers

Neues zum Fall der Hohenzollern

Seit der Forderungskatalog der Hohenzollern an das Land Brandenburg geleakt wurde, schlägt die Empörung hohe Wellen. Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers fordern ein Wohnrecht in Schloss Cecilienhof, Kunstgegenstände und eine Entschädigung in Millionenhöhe. Das sorgt für Empörung und für Clinch mit dem Staat. Haben die Royals überhaupt ein Anrecht auf ihre alten Besitztümer? Die Verhandlungen liegen seitdem auf Eis. Diese Woche beschäftigte das Thema Abgeordnete in einer Anhörung im Kulturausschuss des Bundetags. Experten sollten den Abgeordneten helfen, sich eine fundierte Meinung zu bilden und - nach dem Willen der Grünen - später im Parlament gegen weitere Geheimverhandlungen zu stimmen. Vier Historiker, zwei Juristen und der Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz kamen zusammen, um insbesondere einen Punkt zu klären: In welcher Form und in welcher Intensität hat Wilhelm Prinz von Preußen, der ehemalige Kronprinz, dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet? Doch am Ende der Anhörung gibt es keine eindeutige Antwort - obwohl zahlreiche Bilder und Dokumente existieren, die die Nähe des Kronprinzen zu Hitler zweifelsfrei beweisen. Das ist brisant - denn wenn er der NS-Bewegung zur Macht verhalf, haben die Hohenzollern laut Gesetz jedes Recht auf Entschädigung verloren. Es bleiben vorerst mehr Fragen als Antworten.

Kirche und Missbrauch

Geschichte eines Skandals

Buchcover "Josef Haslinger: Mein Fall. "
Quelle: S. Fischer

"Nie habe ich von Pater G. erzählt, aus Angst, man könne mir anmerken, dass ich sein Kind geblieben bin", schreibt der Autor Josef Haslinger. "Meine Eltern hatten mich der Gemeinschaft der Patres anvertraut, weil mich dort das Beste, das selbst sie mir nicht geben konnten, erwarten würde. Ich habe sie heimlich oft verflucht, weil sie mich nicht darauf vorbereitet hatten, was dieses Beste sei ..." Als Zehnjähriger wurde Josef Haslinger Schüler des Sängerknabenkonvikts Stift Zwettl. Er war religiös, sogar davon überzeugt, Priester werden zu wollen. Auf perfide Weise haben Patres sein Zutrauen ausgenutzt und ihn sexuell missbraucht. Dabei nutzten sie das Gewaltregiment aus - und das Zuneigungsbedürfnis der Schutzbefohlenen. Bis heute ringt die katholische Kirche mit immer neuen Missbrauchs-Vorwürfen in allen Ecken der Welt. Der Vatikan versucht, das System des Schweigens und Vertuschens auszutrocknen und stößt dabei auf internen Widerstand. Ungezählte Fälle sind zwar juristisch, aber nicht moralisch verjährt. Und die Opfer bleiben alleingelassen mit ihren Traumata oder werden mit Schadenersatz abgespeist.

Gast und Musik im Studio

Im Gespräch: Schriftsteller Josef Haslinger über sein Buch "Mein Fall"

Balbina
Quelle: Christoph Kassette

Auf der aspekte-Bühne: Balbina mit "Punkt"

Nobelpreisträger im Interview

Ökonomen gegen Populisten

A. Banerjee, E. Duflo: Gute Ökonomie für harte Zeiten; A. d. Engl. v. T Schmidt et al.; Penguin; 560 S., 26,– €
Quelle: Penguin

Angst vor unkontrollierter Migration, Handelskriege, der dramatische Anstieg der Ungleichheit und die Klimakrise: Die Wirtschaftsnobelpreisträger 2019, das Ehepaar Esther Duflo und Abhijit Banerjee, sind über die Weltlage tief beunruhigt. Doch die beiden Ökonomie-Professoren am MIT in Boston glauben, dass die Überlebensfragen der Menschheit lösbar sind. Deshalb haben sie sich in ihrem neuen Buch „Gute Ökonomie für harte Zeiten“ vorgenommen, rechten Politikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und mit jenen Vorurteilen aufräumen, die den Populisten die Wähler in die Arme treiben. Duflo und Banerjee wollen in ihrem – für ein breites Publikum geschriebenen Buch – zeigen, dass Migration im Niedriglohnbereich keine negativen Folgen für die Arbeiter vor Ort hat. Im Gegenteil, Migration stärke die Nachfrage und sei positiv für das Wachstum. Zugleich machen sie deutlich, dass eine höhere Besteuerung der Reichen das Wirtschaftswachstum keineswegs drosselt. In den USA gebe es zum Beispiel deutlich zu wenig Steuern, sagen sie. Kontraproduktiv dagegen seien Protektionismus und Einschränkung des Freihandels. Anstatt den Freihandel zu bekämpfen, so argumentieren Duflo und Banerjee, sollten andere Lösungen gefunden werden, um denjenigen zu helfen, die unter den Folgen der Globalisierung leiden. Auch die Klimakatastrophe könne durch regulative, staatliche Eingriffe abgewendet werden, glauben sie. aspekte trifft das Forscherehepaar in Boston und hört, wie sie als Ökonomen in aller Bescheidenheit der Vernunft eine Stimme geben.

Französische Depressionen

Marion Messinas Buch "Fehlstart"

Marion Messinas Buch "Fehlstart"
Quelle: Hanser

Marion Messina, junge Autorin aus Frankreich („Houellebecq hat eine Erbin“), hat mit ihrem hochgelobten Debüt „Fehlstart“ einen Roman über eine verlorene Generation vorgelegt: Schulabgänger und Studenten, deren Leben von Prekarität, Einsamkeit und Sinnlosigkeit geprägt ist. Eine Stimmung, die gerade nicht nur die Jungen, sondern ganz Frankreich erfasst hat, das von Gelbwestenprotesten und zuletzt wochenlangem Streik gebeutelt wird. Dabei hat Frankreich eine hohe Lebenserwartung, eine hohe Geburtenrate, eine der niedrigsten Armutsraten weltweit und das Sozial-, Gesundheits- und Rentensystem gehört zum Besten Europas. In den Worten des französischen Reiseschriftstellers Sylvain Tesson: „Frankreich ist ein Paradies, bewohnt von Menschen, die glauben, sie seien in der Hölle.“ Woran liegt das? Eine Spurensuche in Paris.

Bye bye, Great Britain

Billy Bragg zum Brexit

Sag zum Abschied leise ‚Bye bye‘, das ist Billy Braggs Sache nicht. Die Polit- und Folklegende schimpft in seinen Songs wie "Full English Brexit" auf die britischen Politiker, die das Land aus der EU getrieben haben. „Wir leben in einem Zeitalter der Wut. Viele Leute haben das Gefühl, dass ihre Stimmen ignoriert werden von distanzierten Eliten, die nicht länger bereit sind, für ihre Handlungen Verantwortung zu übernehmen", schreibt Bragg in seinem Aufsatz "Die Drei Dimensionen der Freiheit".

Deutschland-Lesereise Billy Bragg
09. März 2020 Ampere München
10. März 2020 Hamburg Nochtspeicher
11. März 2020 Pfefferbergtheater Berlin
13. März 2020 Ms Rheinenergie KD-Anlege Köln
globaler klima aktionstag in cambridge
Folklegende und Aktivist: Billy Bragg
Quelle: dpa

Dies sei kein Versehen. "Es ist die Kulmination von jahrzehntelangen Rückzugsgefechten, um die Demokratie zu neutralisieren und jene auszugrenzen, die die drei Dimensionen der Freiheit einfordern: Liberalität, Gleichheit und Verantwortlichkeit.“ Der bekennende Pro-Europäer Billy Bragg zeigt mit seinem scharfsinnigen Text, dass Verantwortlichkeit im Zusammenspiel mit Liberalität und Gleichheit das Gegenmittel zum Autoritarismus und der einzige Weg zur Freiheit ist - und liefert einen wichtigen Beitrag zur politischen Debatte gerade in Zeiten des Brexit.

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.