aspekte vom 4. November 2016

Moderation: Katty Salié & Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 4. November 2016

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 23.25 Uhr.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.11.2017, 23:30
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Flüchtlinge als Anti-Terrorhelfer

Wie Muslime hier den IS bekämpfen

Die syrischen Helden von Leipzig, die mit beispielloser Zivilcourage den Terroristen Al-Bakr überwältigt und überführt haben, waren nur kurz im Fokus der Medien. Schnell ging es wieder um die Angst der deutschen Mehrheitsgesellschaft und die Sicherheitsdebatte der Politiker. Doch wie gehen eigentlich Syrer und andere "Fremde" mit dieser Terror-Angst um? Was heißt es für Muslime oder Flüchtlinge, unter General-Radikal-Verdacht gestellt zu werden? Und welchen Beitrag können, ja wollen auch sie bei der Aufklärung, Bekämpfung und Prävention von radikalem Islamismus in Deutschland leisten? aspekte trifft Firas Alshater, der nicht nur mit seinem Video-Blog "Zukar" satirische Integrationsarbeit leistet, sondern mit dem Recherche-Netzwerk "Murderers not refugees" seine Arbeit als Aktivist gegen syrische Kriegsverbrecher auch in Deutschland weiterführt. Für ihn wie auch Online-Community-Betreiber, etwa vom "Syrischen Haus", ist die Sensibilisierung gegenüber Extremismus jeglicher Art eine Selbstverständlichkeit. Ender Cetin etwa, von der Berliner Sehitlik-Moschee, macht der Salafismus richtiggehend wütend. Deswegen hat der Religionspädagoge das BAHIRA Projekt ins Leben gerufen, die heute größte muslimische Anlaufstelle für Salafismus-Prävention in Deutschland überhaupt. Denn seine Gemeindemitglieder fürchten - wie auch die Flüchtlinge am Berliner Tempelhofer Feld - islamistische Anwerbe-Versuche bei ihren Kindern. Gleichzeitig fallen ihnen extremistische Auslegungen des Islam eher auf als dem "Durchschnitts-Deutschen". Und gerade dadurch sind sie unverzichtbar bei der Terror-Bekämpfung. Ein Potential, das aber weder in unserer Gesellschaft noch in den Kriminal-Behörden bisher umfassend wahrgenommen wurde.

Vergessener Star: Giacomo Meyerbeer

"Die Hugenotten" an der Deutschen Oper

Beim berühmten Komponisten Antonio Salieri studiert, Richard Wagner im Erfolg weit voraus - das war im 19. Jahrhundert der Berliner Komponist Giacomo Meyerbeer. Ein Deutscher, dessen Opern zu seiner Zeit alle Rekorde brachen. Heute kennt man ihn kaum noch. Das will die Deutsche Oper ändern. Sie zeigt in einem Opernring Meyerbeers große Werke. Mitte November führt sie "Die Hugenotten" auf. Chefdramaturg Jörg Königsdorf erklärt uns die Bedeutung des Berliner Komponisten, warum man ihn vergessen hatte und was ihn heute wieder wichtig werden lässt. Startenor Juan Diego Flórez verkörpert Edelmann Raoul und spricht mit aspekte über den Reiz der Meyerbeerschen Oper, die gesanglichen Herausforderungen und Flórez eigenen Werdegang.

Die Tatorte der NSU-Morde

Fotografien von Regina Schmeken

Zum fünften Jahrestag der Entdeckung des NSU zeigt das Militärhistorische Museum in Dresden eine Ausstellung mit Tatort-Fotos der renommierten Fotografin Regina Schmeken. aspekte spricht mit ihr über den Geist dieser Orte und auch darüber, wie das Bekanntwerden der rechten Terrorzelle das Land verändert hat. Mit ihren ungewöhnlichen Bildern der NSU-Tatorte erinnert die Fotografin an die Morde der rechten Terroristen. Noch immer sind die Taten, die Widersprüche der Ermittlungen und die möglichen Verstrickungen der Staatsschützer nicht aufgeklärt. Die Orte der Tat haben sich verändert in den vergangenen Jahren, doch das Erschrecken über die grausamen Taten bleibt. Eine Ausstellung und ein Fotoband zeigen, wie aktuell dieser Prozess ist.

Hochhauspreis 2016 für Bjarke Ingels

Däne für "Via 57 West" ausgezeichnet

Gratulation: der diesjährige Internationale Hochhaus Preis geht an das Architektenbüro BIG (Bjarke Ingels Group) für ihren "Courtscraper" – eine Kombination aus amerikanischem Wolkenkratzer und europäischem Innenhof, erbaut in Manhattan. Bjarke Ingels gehört zu den weltweit gefragtesten Architekten unserer Zeit: der 42jährige Däne ist bekannt für seine ungewöhnlichen Gebäudeformen und innovative architektonische Lösungen – seine Büros in New York und Kopenhagen koordinieren Projekte weltweit. Das jetzt preisgekrönte Apartment-Haus in Manhattan hat eine für New York denkbar überraschende Form: es sieht aus wie eine Mischung aus Segel, Pyramide - und eben Wolkenkratzer. In "Via West 57" wohnen Mieter direkt am Hudson – mit einem Miniatur-Central-Park in ihrer Gebäudemitte. Eine Hochhaus-Oase in der Großstadt.

Türkei: Pressefreiheit am Ende

Erdogan und die "Cumhuriyet"

"Sie greifen die letzte Festung an", twitterte Can Dündar, der ehemalige Chefredakteur der "Cumhuriyet", aus dem Exil zu den jüngsten Verhaftungen seiner Kollegen. "Cumhuriyet" war erst im September mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. In der Begründung der Right Livelihood Award Stiftung hieß es: "Zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit in der Türkei zunehmend bedroht ist, beweist 'Cumhuriyet', dass die Stimme der Demokratie nicht zum Schweigen gebracht werden kann." Der Name der Zeitung heißt übersetzt "Republik" - und beide sind in Gefahr. Die "Cumhuriyet", zu Zeiten Atatürks im Jahre 1924 gegründet, ist die älteste, traditionsreichste Tageszeitung der Türkei. Schon immer hat sie sich für die Trennung von Staat und Religion eingesetzt, seit dem Machtantritt Erdogans ist sie eine der wichtigsten oppositionellen Stimmen des Landes; eine, die sich nie einschüchtern ließ, auch nicht bei Tabuthemen wie dem Völkermord an den Armeniern oder dem Krieg gegen die Kurden. Da die Zeitung nicht - wie die meisten anderen, regierungstreuen Medien - einem Großkonzern gehört, sondern einer Stiftung, war ihr schwerer beizukommen. Dennoch steht sie wegen ausbleibender Werbe-Anzeigen unter schwerem finanziellen Druck.

In seinem Berufsleben sei er insgesamt schon sieben Jahre und acht Monate in Haft gewesen, er wolle seine Verantwortung bis zum Ende tragen, sagte der auf Dündar gefolgte Interims-Chef Aydin Engin vor wenigen Wochen - nun wurde er verhaftet. Ebenso der neue Chefredakteur Murat Sabuncu und 12 weitere Mitarbeiter, darunter der bekannte Karikaturist Musa Kart. Dündar sowie der Hauptstadt-Büroleiter Erdem Gül waren im Mai zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Vorwürfe: Geheimnisverrat und Spionage. "Cumhuriyet" hatte zuvor über illegale Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes MIT an islamistische Milizen in Syrien berichtet. Seit August liefen Ermittlungen gegen weitere hochrangige Mitarbeiter von "Cumhuriyet", wegen angeblicher Unterstützung der Bewegung des islamischen Predigers Fetullah Gülen und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – geradezu abstruse Anschuldigungen, denn gerade "Cumhuriyet" warnte seit über 10 Jahren vor der Gülen-Bewegung und deren Verstrickung mit der AKP-Regierung.

Auf Rechtstaatlichkeit können die Verhafteten nicht vertrauen: Die Staatsanwaltschaft hat beschlossen, den Festgenommenen fünf Tage lang den Kontakt zu Anwälten zu untersagen. Nach den derzeit in der Türkei geltenden Notstands-Dekreten hat sie die Möglichkeit dazu. Verdächtige müssen außerdem erst nach 30 statt bislang vier Tagen in Polizei-Gewahrsam einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Zeitung schrieb: "Der Putsch gegen die Demokratie hat die 'Cumhuriyet' erreicht."

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. Nach den neuerlichen Festnahmen gibt sich die Redaktion der regierungskritischen Zeitung kämpferisch. Das Blatt erschien am nächsten Tag in vollem Umfang mit der Schlagzeile: "Wir geben nicht auf". International stößt das Vorgehen gegen die Zeitung auf harsche Kritik. Doch bei Worten dürfe es nicht bleiben, sagt Can Dündar: "Da muss sich nicht nur Deutschland, sondern auch Europa entscheiden: Möchten sie die Türkei lieber als ein Regime der Unterdrückung sehen oder als demokratisch- laizistisches freies Land? Ich denke, es wird ein Lackmus-Test werden - sowohl für Deutschland als auch für Europa.“ aspekte spricht außerdem mit dem bekanntesten Investigativ-Journalisten der Türkei, Ahmet Sik, der auch für "Cumhuriyet" schreibt, sowie - hoffentlich - mit Erdem Gül, der stündlich mit seiner Verhaftung rechnet.

"Yello" sind zurück

Gute und schlechte Nachricht zugleich

Zum ersten Mal in der 36-jährigen Bandgeschichte des Schweizer Elektro-Pop Duos Yello gab es vier Live-Konzerte - im Berliner Kraftwerk. (Hier: Beitrag des heute-journal zur Generalprobe) Die Erwartungen der Fans waren groß - und wurden enttäuscht. Vielleicht hatten Dieter Meyer und Boris Blank mit ihrer Konzertverweigerungshaltung über all die Jahre doch den richtigen Riecher.

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