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aspekte vom 5. April 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Die Wahrheit über den Klimawandel; die vergessene Malerin Lotte Laserstein; van Gogh im Kino; Sea Ranch - Wiederentdeckung einer Utopie, der deutsche Osten - eine "Kolonie"?; Musik: die norwegische Sängerin Sigrid.

Beitragslänge:
33 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2020

Wütendes Wetter

Die Wahrheit über den Klimawandel

Immer häufiger erleben wir rund um den Globus immer extremere Wetterphänomene. Die Abstände zwischen den Katastrophen schrumpfen. Hitzewellen, Hochwasser, Stürme - welchen Anteil hat der Klimawandel? Die Physikerin und Philosophin Dr. Friederike Otto und ihr Forscherteam in Oxford berechnen dies erstmals in Echtzeit, können so Verantwortlichkeit und Konsequenzen benennen und ermöglichen dadurch gesellschaftspolitische Handlungsoptionen zur Vermeidung.

Gesprächsgast: die Klimaforscherin und Philosophin Friederike Otto

Leben eines Genies

Van Gogh im Kino

Vincent van Gogh, Julian Schnabel und William Dafoe – drei Männer, die viel verbindet: in der Kunst, in der Arbeit und jetzt im Film „ Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“. Julian Schnabel, selbst Maler ist seit einigen Jahren auch Filmemacher und hat sich jetzt mit van Gogh auseinander gesetzt, obwohl es schon so viele van Gogh Verfilmungen gibt. Doch genau das war sein Antrieb, denn, so Schnabel: „Als Maler glaube ich zu wissen, wie es ist Maler zu sein.“  Mit Willem Dafoe als Vincent van Gogh hat Schnabel eine herausragende Besetzung gefunden. Es ist Dafoes stärkste Rolle seit seiner Hauptrolle in Martin Scorseses Film "Die letzte Versuchung Christi“ (1988). Bei den Filmfestspielen in Venedig ist Dafoe für seine Verkörperung van Goghs als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden und war zudem bei den Oscars 2019 nominiert. Was macht diesen neuen Film über einen der berühmtesten Maler der Welt so anders und besonders?

Vergessene Malerin

Lotte Laserstein wiederentdeckt

Foto der Malerin Lotte Laserstein beim Malen
Quelle: Berlinische Galerie

Die Berliner Malerin Lotte Laserstein (1898-1993) ist eine der sensibelsten Porträtistinnen der frühen Moderne zwischen Tradition und Innovation. Sie war eine sanft-gefühlvolle Chronistin der 1920er und 30er Jahre: Sie malte Frauen und Männer der neuen Zeit und aller Klassen in ihrer ganzen Natürlichkeit - und setzte sich bildnerisch über damals normative Vorstellungen von Geschlechterrollen hinweg. Bereits als 30-jährige war Lotte Laserstein eine berühmte und erfolgreiche Künstlerin. Doch 1933 wurde ihre Karriere brutal beendet. 1937 floh sie vor den Nationalsozialisten nach Schweden, lebte ab den fünfziger Jahren im südschwedischen Kalmar. In Deutschland war sie lange Zeit vergessen. Mit der Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ hat das Städel-Museum sie unlängst gefeiert. Ab 5. April ist diese Ausstellung in der Berlinischen Galerie zu sehen – erweitert um Bilder der Malerin aus ihrer zweiten Lebenshälfte im Exil. aspekte spürt der fast vergessenen Malerin nach – an den Orten ihres Schaffens in Schweden und in ihren Werken in Berlin.    

Gebaute Utopie

Die „Sea Ranch“ in Kalifornien

Barbara Stauffach-Solomon - Landschaftsarchitektin und Grafikdesignerin - sitzt in einem Raum mit Blick aufs Meer

Jahre vor „Flower-Power“ entstand in Kalifornien eine Protestbewegung der besonderen Art: „Sea-Ranch“. Ihre Gründer: Architekten, Weltverbesserer, Student*innen, Landschaftsplaner und Utopisten, die aufbegehrten gegen die Zwänge des Stadtlebens und die Beton-Euphorie der 60er. An der windgepeitschten Küste Nordkaliforniens wollten sie beweisen, dass Architektur in Einklang mit der Natur stehen und Gemeinschaft schaffen kann. Es war der Beginn einer ästhetischen Revolte mit dem Ziel, Landschaft als erlebbares Ereignis mit Gleichgesinnten zu teilen. Und, damals revolutionär für die USA: Wer in Sea Ranch kaufte, verpflichtete sich auch gleich zu Gemeinschaftseigentum an Brachflächen die nicht bebaut werden durften und zu Grundstücken ohne Zäune zu den öffentlichen Bereichen. Ein paar Jahre lang war der Hype groß, dann aber verlor Sea-Ranch an Reiz, schon, weil die Anfahrt aus San Francisco lang und kurvenreich war. Mit der Zeit wurde es still um die Sea-Ranch. Projekt grandios gescheitert? Nein, nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf und zunehmender Überalterung der Bewohner findet das Projekt plötzlich wieder Zuspruch: Jeder kann wieder Land erwerben und bauen. Aber an den strengen Vorgaben von einst hat sich nichts geändert. Barbara Stauffacher Solomon, heute 91 Jahre alt, war als Künstlerin und Aktivistin der Sea-Ranch von Anfang an verbunden, auch kritisch. Sie schuf die Gestaltungs- und Erkennungsmerkmale des Sea-Ranch-Projekts und wurde weltberühmt mit ihrer großformatigen Typographie-Kunst. Ihr weltweites Markenzeichen wurde „Helvetica“ eine Schrifttype ohne Schnörkel, ohne Serifen, gerade heraus. Sie machte aus einem an sich unspektakulären Schriftzeichen den Ausdruck des Lebensgefühls einer ganzen Generation: Aufbruchstimmung, kalifornische Leichtigkeit und Zukunfts-Zuversicht.

Das San Francisco Museum of Modern Art widmet Barbara Stauffacher Solomon jetzt eine Retrospektive, zeitgleich mit der großen Schau „The Sea Ranch – Architecture, Environment and Idealism“ (bis 2. Juni 2019).

Kolonie Ost?

Was der Westen falsch macht

Raj Kollmorgen, Sachsens einziger Soziologieprofessor mit "Migrationshintergrund Ost" macht etwas aus, was man "blockierte Multiperspektive" nennen könnte: Die Perspektive der vor und nach der Einheit im Osten Geborenen bildet sich in Deutschland nicht ab. Sie sind weder repräsentativ in den wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Eliten vertreten noch selbstverständliche Partner im öffentlichen (medialen) Diskurs. Mit dem Ergebnis, dass die "Problemperspektive" von 1990 sich im Osten "fortsozialisiert" in die Kinder- und Enkelgeneration. Die Soziologin Naika Foroutan stellt den Link zu Aspekten des Kolonialismus her mit der Tendenz, die (wirtschaftlich, politisch, sozial) Schwächeren - hier im Transformationsprozess der deutschen Einheit - zum Verstummen und Verschwinden zu bringen. Das Gefährliche, warnt der Politiker Thomas Krüger, bestehe in der Wut, die aus einer Arroganz der Macht heraus bei den "Ohnmächtigen" entsteht, die aus Protest noch vor 20 Jahren radikal links wählten, jetzt aber, nachdem die SED-Nachfolger das Problem nicht "lösen" konnten, der radikalen Rechten verfällt - demnächst wohl mit 20% AfD in ostdeutschen Landesparlamenten, oder jüngst mit offenen "Hooligan-Nazi-Rassisten"-Huldigungen in Chemnitz. Das Forum "Kolonie Ost?" will diese Tendenzen in hochkarätiger Besetzung diskutieren und gleichzeitig einen öffentlichen "runden Tisch" anzetteln, bei dem Bürger/Wähler ihre Stimme „wiederfinden“.

Auf der aspekte-Bühne:

Album-Cover der norwegischen Sängerin Sigrid
Quelle: Universal-Music

Die norwegische Sängerin Sigrid mit "Dynamite"

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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