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aspekte vom 6. November 2020

Moderiert von Katty Salié

Ende der Diskussion - Meinungskampf statt Streitkultur; Zerrissenes Land - Die USA nach der Präsidentschaftswahl; Christen im Widerstand - Beten gegen die Corona-Politik; Kunst, Kampf, Körper - Valie Export-Schau in Baden-Baden

45 min
45 min
06.11.2020
06.11.2020
UT
UT
Video verfügbar bis 05.11.2021

Ende der Diskussion

Meinungskampf statt Streitkultur

Bekanntlich macht ja der Ton die Musik und was wäre diese ohne eine große Vielfalt an Zwischentönen. Das ist in der Welt der verbalen Kommunikation nicht unähnlich. Was wir aber dort seit einigen Jahren erleben, scheint eher Zeugnis vom Dahinsiechens des Zwischentones. Dies insbesondere in der öffentlichen Debatte. Kommunikationsteilnehmer verschwinden rasant in Schubladen, gerne auch in jeweiligen Blasen, und konzentrierter Austausch von Argumenten resigniert gegenüber – in der Regel medial inszeniertem – Schlagabtausch. Statt Pingpong dominieren diejenigen, die gleich mit Medizinbällen um sich werfen, das Gegenüber bestenfalls damit sofort zu Fall bringen. Und möchte oder kann man bei diesem Debatten-Battle nicht mithalten, bleibt man besser draußen.

Katty Salié im Gespräch mit Ijoma Mangold
Katty Salié spricht mit Ijoma Mangold über sein Buch "Der innere Stammtisch".
Quelle: ZDF/Jula Hoepfner

Die Schriftstellerin Monika Maron erhält bei ihrem angestammten Verlag keinen weiteren Vertrag, denn sie hat aus dessen Sicht falsche Freunde. Der Star-Pianist Igor Levit ist auch politisch sehr aktiv, äußert sich in sozialen Medien. Ein Autor der Süddeutschen Zeitung unterstellt ihm "Opferanspruchsideologie" und er möge doch lieber bei seinem Leisten bleiben. Dies wird sogleich als antisemitisch eingeschätzt; die Zeitung entschuldigt sich bei Levit und in der nächsten Zeitung, der NZZ, wird wegen dieser Entschuldigung der Vorwurf eines ‚Kotau‘ gegenüber Levit zum Thema. Und so weiter.

Der mächtigste Mann der Welt wirft derweil mit Medizinbällen nur so um sich, bestärkt von schlechten Prognosen und merklich irritiert von einer Wahl mit noch ungewissem Ausgang. Lässt sich dieser Trend weg von Diskussion und Zwischenton hin zum "Battle" allein mit der Omnipräsenz von Social Media und den Erfordernissen der damit verbundenen zwanghaften Blitzreaktion begründen? aspekte macht sich Gedanken über (mangelnde) Debattenkultur und deren Konsequenzen.

Christen im Widerstand

Beten gegen die Corona-Politik

Samuel Eckert, deutschstämmige Blogger aus der Schweiz, der früher Berufspokerspieler, Barmann und Prediger einer Freikirche war, ist der erfolgreichste Blogger der "Querdenken"-Bewegung - sozusagen der 'Poster-Boy', der mit seinen Liveschalten immer um die 160.000 User erreicht. Eckerts Themen sind der Kampf des Guten gegen das Böse - jetzt gehe es darum aufzuwachen, denn Corona beziehungsweise der Kampf gegen die Maßnahmen des Virus führe in eine neue, gereinigte Zeit und letztlich zu Gott. Viel wurde darüber geschrieben, dass die Anti-Coronabewegung rechtsoffen sei und sich auch Rechtsextreme darunter befinden. Wer die Videos der Bewegung studiert, die Lebenswege einzelner Protagonisten verfolgt, der stellt jedoch fest, dass die Anzahl derjenigen, die aus freikirchlichen und sektiererischen Zusammenhängen weit größer ist. Jetzt warnte der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, dass man extremistische Corona-Leugner unter Christen im Blick halten müsse. Es gebe im evangelikalen Milieu einen substanziellen Bodensatz an Fundamentalisten, die sich mit rückwärtsgewandten Teilen der Gesellschaft verbinden. aspekte beobachtet die "Querdenker"-Roadshow mit Samuel Eckert, spricht mit Protagonisten der Bewegung und Sektenexperten.

Gesprächs- und musikalische Gäste

Katty Salié spricht mit Paul Cibis und Andreas Kern vor ihrem Pianobattle
Katty Salié im Gespräch mit Paul Cibis und Andreas Kern aka "Pianobattle"
Quelle: ZDF

Die mehrfach ausgezeichneten und international erfolgreichen Pianisten Andreas Kern und Paul Cibis spielen an ihren Flügeln - im "Pianobattle". Katty Salié trifft Autor und Kulturjournalist Ijoma Mangold, der in seinem neuen Buch "Der innere Stammtisch" über das Verschwinden alter Eindeutigkeit aus der Politik, über 'Schnappatmung' und Wutdebatten nachdenkt. Im Berliner Gorki-Theater spricht sie mit Regisseur Ersan Mondtag über die Debattenkultur in Shutdown-Zeiten.

Kunst, Kampf, Körper

Valie Export-Schau in Baden-Baden

Sie kämpft seit Jahrzehnten mit ihrem eigenen Körper für die Freiheit der Kunst und feministische Positionen, hat sich selbst sogar zum Grabschobjekt gemacht. "Tapp- und Tastkino" nannte Künstlerin Valie Export Ende der 60er Jahre ihre Straßenperformance in Wien, wo sie ihre Brüste zum Betasten durch wahllose Passanten freigab. Den Blicken der Öffentlichkeit entzogen durch ein symbolisches "Umhängekino" aus Pappe. Bis heute steht die 80-Jährige für künstlerisches Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis weiblicher Kunst.

Katty Salié vor Valie Exports bronzener Doppelschere
Katty Salié vor Valie Exports bronzener Doppelschere
Quelle: ZDF

Mittlerweile produziert sie auch Installationen und Bronzearbeiten - in Berlin hat Export mitten im Zentrum, Unter den Linden, eine eindrucksvolle Doppelschere aus Bronze installiert - im öffentlichen Raum, unweit der Museumsinsel, wo gerade um die Unversehrtheit der Kunst gerungen wird. Die Verletzlichkeit des Körpers, des Diskurses und des Lebens an sich ist für Valie Export schon immer ein offenes Geheimnis und Lebensthema. Ihre Kunst funktioniert auch außerhalb des Museums. Sie hat sich nie weggeduckt und ist in viele Kämpfe gegangen. Die Kunsthalle Baden-Baden widmet ihr jetzt eine bemerkenswerte Schau - im Jahr ihres 80. Geburtstages. Herzlichen Glückwunsch, Valie Export!

Stab

  • Moderation - Katty Salié
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