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aspekte vom 6. September 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

"Systemsprenger" im Kino - Ein wütendes Kind und die Folgen; Hongkong in Aufruhr - Was kann Deutschland tun?; Das Buch "Sternenjäger" - Eine Revolution aus dem All; Die Graphic-Novel "Knock out" - Das Drama eines schwulen Boxers; Live: Von wegen Lisbeth

Beitragslänge:
38 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.09.2020

"Systemsprenger" im Kino

Ein wütendes Kind und die Folgen

Die neunjährige Benni ist laut, wild und wütend. Sehr wütend. Regelmäßig tickt sie aus – dann schreit sie, schlägt sich und andere oder rennt einfach weg. Bei ihrer Mutter kann sie deshalb nicht mehr wohnen. Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule - überall fliegt Benni wieder raus. "Systemsprenger" nennt man Kinder wie sie, bei denen selbst Profis an ihre Grenzen stoßen. "Systemsprenger" heißt auch der preisgekrönte Film von Nora Fingscheidt, der jetzt in die Kinos kommt. Gründlich recherchiert, realitätsnah und mit fantastischen Schauspielern - besonders hervorzuheben ist die elfjährige Helena Zengel als Benni. "Systemsprenger" - ein Spielfilm mit hohem Wahrheitsgehalt und jeder Menge Stoff für Diskussionen. Kinostart: 19. September.

Hongkong in Aufruhr

Was kann Deutschland tun?

Die Bundeskanzlerin ist zu Besuch in China. Im Schlepptau hat Angela Merkel eine gewaltige Delegation - alles, was in der deutschen Wirtschaft Rang und Namen hat. Deutschland besitzt ein vitales Interesse an guten Handelsbeziehungen mit der ökonomischen Supermacht. In der Sonderverwaltungszone Hongkong versucht derweil eine junge Demokratiebewegung, ihre verbliebene Freiheit und Unabhängigkeit vor dem Zugriff der Volksrepublik zu schützen. Seit Wochen protestiert sie gegen die Politik der von China eingesetzten Regierungschefin Carrie Lam. Und die deutsche Delegation betreibt nicht nur Wirtschaftsdiplomatie: Gleich zu Beginn ihres Besuchs spricht Merkel den Sonderstatus Hongkongs an - die Freiheitsrechte seien einzuhalten. Chinas Premier reagiert empört. Die chinesische Regierung hat vor wenigen Wochen die Truppen an den Grenzen der Stadt verstärkt. Die Demonstranten befürchten eine militärische Intervention. Am Donnerstag hat Carrie Lam bereits den Entwurf für das umstrittene Auslieferungsgesetz zurückgenommen - der Gesetzentwurf war der Auslöser der Demonstrationen in der chinesischen Sonderverwaltungsregion und dessen Rücknahme eine Kernforderung der Demonstranten. Daraufhin äußerten Aktivisten ihre Erleichterung, machten aber deutlich, dass ihnen die Rücknahme nicht ausreicht. Zu Gast im Studio ist der Hongkonger Aktivist Wong Yik Mo, der in Deutschland für die Unterstützung seiner Bewegung wirbt. aspekte spricht mit der Sinologin Kirstin Shi-Kupfer von der Mercator Stiftung und dem in Peking lebenden Buchautor Frank Sieren sowie mit dem im Berliner Exil lebenden chinesischen Dissidenten und Schriftsteller Liao Yiwu über die Lage in Hongkong und die Bedeutung des Merkel-Besuchs.

Die Graphic-Novel "Knock out"

Das Drama eines schwulen Boxers

Der Berliner Comic-Künstler Reinhard Kleist widmet sich in seinem neuen Band "Knock Out" der Lebensgeschichte von Emile Griffith. Griffith, ein schwuler schwarzer US-Boxer, der Damenhüte designte, war von 1956 bis 1977 aktiv und wurde sechs Mal Weltmeister. 1962 boxte er gegen seinen Kontrahenten Benny Paret um den WM-Titel und setzte ihm derart zu, dass Paret zehn Tage später starb. Kurz darauf wurde bekannt, dass Paret ihn vor dem Kampf homophob beleidigt hatte. In starken Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Reinhard Kleist die Lebensgeschichte von Emile Griffith, der sein Leben lang unter dem tragischen Ereignis gelitten hat. "Ich töte einen Mann, und die meisten Leute verstehen das und verzeihen mir. Hingegen, ich liebe einen Mann, und so viele halten das für eine unverzeihliche Sünde", sagte er einmal.

Gast und Musik im Studio

Im Gespräch: Der Hongkonger Aktivist Wong Yik Mo über die Protestbewegung in seiner Heimat und die Bedeutung des Merkel-Besuchs in China

Von wegen Lisbeth
Quelle: Johannes Scholz/Irrsinn

Die deutsche Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth mit "Alexa gib mir mein Geld zurück"

Das Buch "Sternenjäger"

Eine Revolution aus dem All

Es war eine Sensation in der Welt der Astrophysiker, Astronomen und Hobby-Sternenforscher: Vor vier Jahren fand der Norweger Jon Larsen den ersten modernen Mikrometeoriten – in der Dachrinne seines Gartenhauses bei Oslo. Larsen ist seit einer Kindheit Hobby-Geologe und im sonstigen Leben ein weit über Norwegen hinaus bekannter Jazz-Musiker, einer der schon mit Legenden wie Chet Baker oder der Frank-Zappa-Band auf der Bühne stand. Mit dem Nachweis des 0,3 Millimeter großen kosmischen Partikels brüskierte er das gesamte "akademische Staub-Establishment", wie er es selbst in seinem Buch "Sternenjäger" ausdrückt: Seit Jahrzehnten herrschte zwar Einigkeit darüber, dass ständig Mikrometeoriten auf die Erde hinabrieseln, diese aber im überall vorhandenen Staub der menschlichen Zivilisation schlicht nicht identifizierbar seien.

Jon Larsen: Sternenjäger. Meine Suche nach dem Stoff, aus dem das Universum gemacht ist
Erscheint am 19. September 2019
Quelle: Benevento

Während die NASA mit ihren Missionen schon seit vielen Jahren und mit riesigem Budget kosmischen Staub im Weltall sammelt, brauchte Larsen zunächst Zeit: Acht Jahre verbrachte er nach seinem Dachrinnenfund suchend im irdischen Staub - in über 50 Ländern weltweit. Sein Equipment kostete circa 20 Euro: Sieb, Handschuhe, ein Besen und vor allem ein Magnet. Denn die allermeisten Mikrometeoriten sind metallisch. In ihrer Zusammensetzung gelten sie als älteste Bausteine der Welt, vor ihrer Landung auf der Erde schwirrten sie mehr als 4,5 Milliarden Jahre durchs Weltall. Von unserem Sonnensystem existierte zu diesem Zeitraum: nichts. Im "Sternenstaub" - das vermuten NASA, Astronomen und Jon Larsen gleichermaßen - könnten entscheidende Erkenntnisse über die Entstehung des Universums und auch die Entstehung ersten Lebens auf der Erde verborgen sein. Dank der von Jon Larsen gefundenen Partikel – sie müssen nach ihrer "Erbeutung" mit einem Magneten noch mit einem Elektronenmikroskop als extraterrestrisch bestätigt werden - hat sich für die Wissenschaft eine neue Tür geöffnet. Und: wir alle können nun ausschwärmen, im Staub nach 'Sternchen' suchen.

Zum 100. von Maria Lassnig

Die Kunst feiert ihre Grande Dame

Maria Lassnig, gebürtige Österreicherin und eine der wichtigsten Malerinnen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts, war in allen westlichen großen Kunstmetropolen beheimatet. Sie war Feministin - wollte so aber nicht genannt werden - und gegenständliche Malerin, deren Objekte und Figuren mit der Abstraktion flirten. "Ich zeige jeweils nur die Körperteile, die ich während des Malens auch spüren kann", so erläuterte Lassnig ihre "Körperbewusstseinsbilder". Lassnigs Biographie ist die Geschichte einer unermüdlichen Selbstermächtigung in einer von Männern dominierten Kunstwelt. In jedem Jahrzehnt erfindet sie sich selbst neu – was man in der großen Retrospektive anlässlich ihres 100. Geburtstages gut nachvollziehen kann. Die bislang größte jemals ausgerichtete Ausstellung zu ihrem Werk ist ab dem 8. September in der Wiener Albertina zu sehen. Neben einigen wenig oder noch nie gezeigten Bildern finden sich in "Ways of Being" auch Skulpturen und Kurzfilme der Künstlerin.

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück

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