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aspekte vom 7. Juni 2019

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Volksparteien in der Krise: Ist Stabilität wirklich die Antwort?; GRM - Sibylle Bergs aktueller Roman: Ein finsterer Blick auf die Gegenwart; Carlos Santana mit neuem Album: Eine Hommage an Woodstock und Afrika; Live: Aurora

Beitragslänge:
31 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.06.2020

Volksparteien in der Krise

Ist Stabilität wirklich die Antwort?

Die Krise der SPD ist auch ein Symptom der Krise etablierter Volksparteien. Das hat die EU-Wahl gerade gezeigt. Die Antwort der Parteien? Sie beschwören „Stabilität“. Also: Weiter so? Weil’s toll ist, wie’s gerade läuft? Da atmet der Wutbürger erleichtert auf, und die Generation Klima rollt die Transparente ein. Nein: Stabilität ist keine Antwort auf die Krise. Wer heute bleibt, wie er ist, und auf Wandel mit dem Versprechen stabiler Verhältnisse reagiert, der ist morgen vielleicht einfach verschwunden.

GRM - Sibylle Bergs aktueller Roman

Ein finsterer Blick auf die Gegenwart

Sibylle Berg: Grm. Brainfuck. Roman
Quelle: Kiepenheuer & Witsch

"Grime" liefert den Sound zu Sibylle Bergs neuem Roman "GRM". Ein roher, aggressiver, ziemlich düsterer Sound, der Anfang der 2000er Jahre in Großbritannien entstanden ist – eine Mischung aus Hip-Hop und Elektro. Diese Musik hören die vier jugendlichen Protagonisten des Romans. Allesamt "Loser" aus der Unterschicht, die sich mehr oder weniger zufällig finden und gemeinsam aufbrechen nach London, wo sie sich so etwas wie eine Zukunft erhoffen. In einer Zeit, nachdem der Brexit tatsächlich stattgefunden hat und in der alles den Bach runtergeht. In England und im restlichen Europa: Die Gesellschaft gespalten in Arm und Reich wie nie zuvor, die Demokratie auf dem besten Weg zu ihrer Abschaffung. Und die soziale Kontrolle systematisiert, der Überwachungsstaat nahezu perfekt – auch dank Künstlicher Intelligenz, die natürlich noch einen Schritt weiter ist als ihre Entwickler. Eine beängstigende Zukunftsvision. Sibylle Bergs lapidarer Kommentar dazu: "Das ist keine Dystopie. Es ist die Welt, in der wir leben. Heute. Und vielleicht morgen. Es wird nicht schlimm. Nur anders."

Gast und Musik auf der Bühne

Live auf der aspekte-Bühne: Aurora mit "Animal"

Im Gespräch mit Jo Schück: Schriftstellerin Sibylle Berg

Sachbuch über den Fall "Theranos"

Die Hochstaplerin Elizabeth Holmes

John Carreyrou: Bad Blood. Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley.
Quelle: DVA

Eine Geschichte - zu schön, um wahr zu sein: Elizabeth Holmes trat an, um die Biotechnologie zu revolutionieren. Mit 19 Jahren schmiss sie ihr Biochemie-Studium in Stanford, um der Steve Jobs der Medizin zu werden. Sie behauptete, in einem Gerät - nicht größer als ein Kopierer - ein ganzes Blutanalyse-Labor unterbringen zu können. Sie versprach: In Zukunft würde ein winziger Stich und ein einziger Tropfen Blut ausreichen, um die wichtigsten Bluttests für jedermann erschwinglich zu machen. Sie gründete das Startup "Theranos" und warb hunderte Millionen Risikokapital von Investoren ein. Es gelang ihr, ein Unternehmen mit über 500 Angestellten aufzubauen, für dessen Board sie einflussreiche Politiker wie den ehemaligen US-Außenminister George P. Shultz und Henry Kissinger gewann. "Theranos" war es sogar gelungen, einen Deal mit der Drogeriemarktkette Walmart abzuschließen und in Dependancen in Arizona Blutabnahmespots einzurichten, in denen erste Tests an Patienten durchgeführt wurden. Doch der Traum, den Elizabeth Holmes der Welt verkaufte, war eine Lüge: Ihre kleine Bluttest-Zaubermaschine, die sie 'Edison' nannte, war ein Fake: Er funktioniert nicht, wie der Wall-Street-Journal-Redakteur und Pulizter-Preisträger John Carreyrou in seinem Buch "Bad Blood" aufdeckte. Mit Hilfe von Whistleblowern enthüllte er, dass die meisten Bluttests heimlich von herkömmlichen Geräten im herkömmlichen Labor gemacht wurden, denn 'Edison' konnte die meisten Tests gar nicht durchführen. Und die wenigen von 'Edison' durchgeführten Tests waren viel zu ungenau - sie hatten eine unverantwortlich hohe Fehlerquote. Was trieb Holmes, deren Hochstapler-Geschichte demnächst verfilmt wird, zu diesem großangelegten Betrug? Sie wird sich demnächst vor Gericht verantworten müssen, ihr drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Alice Aycock im Sprengel-Museum

Wegbereiterin der Architekturskulptur

Der Name Alice Aycock klingt nicht wie der von Olafur Eliasson oder Jeff Koons nach millionenteuren Skulpturen und glamourösen Vernissagen, obwohl sie mit ihren 75 Jahren ein fester Bestandteil der neueren Kunstgeschichte ist. Sie hat seit den 1970er Jahren nachhaltig im Bereich Land-Art und Minimal-Art gearbeitet, sich mit dem Thema Raum und Mensch auseinandergesetzt und mit Wegbereitern der Architekturskulptur wie Gordon Matta-Clark zusammengearbeitet. Zwischendurch hat Aycock Kinder bekommen und sich auch dieser Aufgabe intensiv gewidmet. Ihr Markenzeichen, die sogenannten "Twister", große Metallskulpturen, die als aufwärtsstrebende Spiralen gen Himmel ragen, schmücken mittlerweile viele Städte. In New York waren sie unter anderem auf der berühmten Park Avenue zu sehen. Und jetzt auch vor dem Sprengel Museum in Hannover, das im Juni eine umfassende Werkschau dieser Ausnahmekünstlerin zeigt; eine, die vollkommen zu Unrecht nicht so bekannt ist wie Eliasson und seine Millionärskollegen.

Carlos Santana mit neuem Album

Eine Hommage an Woodstock und Afrika

Mit "Africa Speaks" geht am 7. Juni ein erstaunliches Album an den Start, hinter dem kein Geringerer als die Gitarrenlegende Carlos Santana steckt. Noch einmal packt der 71Jährige alle Energie in ein ungewöhnliches Cross-Over, das schon bei seiner Vorpremiere in Mexiko-City bejubelt wurde. Zehn Tage lang schloss sich Santana in Malibu in Rick Rubins Studio ein und nahm 49 Tracks auf. An seiner Seite große afrikanische Stimmen wie die der aus Äquatorialguinea stammenden Sängerin Concha Buika, die man vor allem aus den Filmen Pedro Almodóvar kennt oder die der Britin Laura Mvula, die Nile Rogers als Genie feiert. Es ist vor allem "hot", was die Musiker gemeinsam mit ihm geschaffen haben, so fasst es Carlos Santana in seinem exklusiven Deutschland-Interview mit aspekte zusammen. "Elektrisiert" sei das Album durch seine Ehefrau, die Drummerin Cindy Blackman Santana. Und über allem weht ein Hauch von Woodstock, an dessen 50. Jubiläum Santana auf dem neuen Album erinnert – in einer großen Hommage an Afrika, das musikalische "Motherland".

Das knallharte Geschäft der Oper

Wie Sänger sich behaupten müssen

Anna Netrebko, Cecilia Bartoli, Jonas Kaufmann, Rolando Villazon - sie alle haben mal klein angefangen, studiert und dann den großen Sprung auf die Weltbühnen der Opern- und Konzerthäuser geschafft. Doch wie ist ihnen das gelungen? Wie wird man zum Opernstar? Warum schaffen es die einen und andere nicht? Wie plant man eine möglichst erfolgreiche Laufbahn so, dass man sich nicht verheizen lässt im Betrieb? Die Karriere von Tenor Jonas Kaufmann, einer der größten Sänger unserer Zeit, startete vergleichsweise spät - und lief nicht eben reibungslos. "Ich habe sehr viele Partien gesungen in den ersten zwei Jahren, es hat mich fast den Kopf gekostet - also die Stimme, in dem Fall. Weil ich überfordert war", erzählt Kaufmann im Interview mit aspekte. Dass der Druck gerade auf Nachwuchssänger in der Klassikwelt enorm hoch ist, bestätigt auch Elsa Dreisig, dänisch-französische Sopranistin und Shooting Star der Berliner Staatsoper. Sie steht noch ganz am Anfang ihrer viel versprechenden Karriere. In Zürich singt die 28-jährige Sopranistin ihre erste große Titelrolle. Sie spürte schon mehrfach die Grenzen, an die sie – physisch und psychisch – stößt: "Die Leichtigkeit hatte ich die letzten paar Monate verloren." Plötzlich verspürte sie Angst auf der Bühne. Diese Erfahrung hat sie eine wichtige Sache gelehrt: nicht alle Rollen anzunehmen, die ihr angeboten werden und auch mal nein zu sagen. Neben Talent und einem guten Nervenkostüm brauchen Sängerinnen und Sänger vor allem Zeit, um ihre Gesangsstimmen konsequent aufzubauen. TV-Tipp: "Oper - das knallharte Geschäft" am 29. Juni, 19:20Uhr, 3sat

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