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aspekte vom 7. September 2018

Moderiert von Katty Salié und Jo Schück

Kultur | aspekte - aspekte vom 7. September 2018

Konjunktur des Rassebegriffs - Vom Umgang mit dem Fremden; "Werk ohne Autor" - Florian von Donnersmarcks neuer Film; "Die Katze und der General" - Nino Haratischwilis neuer Roman; Live: Lucas & Arthur Jussen, Pianisten

Beitragslänge:
30 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.09.2019, 23:00

"Werk ohne Autor"

Florian von Donnersmarcks neuer Film

Gleich für seinen ersten Spielfilm, das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen", gewann Regisseur und Drehbuchautor Florian Henckel von Donnersmarck mit erst 33 Jahren einen Oscar. Nach seinem eher glücklosen Hollywood-Debüt "The Tourist" (2010) wird nun sein neuer Film gespannt erwartet: "Werk ohne Autor" - ein zweiter großer Wurf? Wieder in Deutschland gedreht, wieder mit den besten deutschen Schauspielern besetzt, ein Epos wieder über die Abgründe deutscher Geschichte. Im Zentrum steht die Entwicklungsgeschichte eines Künstlers über drei Jahrzehnte und drei Systeme: Nazizeit, DDR, Adenauer-BRD. Sehr viel erinnert hier an das Leben eines Anderen: des bedeutendsten deutschen Malers Gerhard Richter.Wie dessen Tante wird auch die von Kurt Barnert (Tom Schilling) während der Nazi-Diktatur als Euthanasie-Opfer zwangssterilisiert und umgebracht, auch Barnert verliebt sich in eine junge Frau (Paula Beer), deren Vater (Sebastian Koch) als SS-Arzt Zwangssterilisierungen durchführte. In der DDR malt Banert Auftragskunst im Stil des sozialistischen Realismus, er flieht in den Westen, begegnet den wichtigsten neuen Künstlern an der Kunstakademie Düsseldorf, malt in den 60ern in Richter-typischer Verwisch-Optik ein Gemälde wie Richters weltberühmte "Tante Marianne". Er malt seinen Schwiegervater ebenso wie den Strategen des Euthanasie-Programms – und schafft als Künstler den Durchbruch. Opfer und Täter in einer deutschen Familie: Was ist von Donnersmarcks über dreistündigem, fiktionalisiertem, hochdramatischem Werk zu halten, das für Deutschland wieder ins Oscar-Rennen geht? Am 4.9. hatte "Werk ohne Autor" seine Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig, ab 3.10. ist er in den den deutschen Kinos zu sehen.

Konjunktur des Rassebegriffs

Vom Umgang mit dem Fremden

Ein einstimmiges Votum der französischen Nationalversammlung - das hat Seltenheitswert: Doch als Präsident Macron im Juli den Vorstoß machte, den Begriff "Rasse" aus Artikel 1 der französischen Constitution zu streichen, stimmten alle Parlamentarier zu, um einen diskriminierenden Begriff abzuschaffen. Passend zur Gesamtstimmung in Frankreich: jubelt die Grande Nation doch anhaltend über eine Fußballnationalmannschaft, die als 'equipe tricolore' 15 Männer mit arabischem oder afrikanischem Migrationshintergrund in ihren Reihen hat. "Black - Blanc - Beur". Wie anders Deutschland: Im Eiltempo raus aus der Fußball-WM, dafür mit Özil hinein in eine Rassismus-Debatte. Und nun die Bilder aus Chemnitz.

Veranstaltungshinweis

Dabei waren es einmal deutsche Aufklärer wie Blumenbach und Forster, die schon vor 250 Jahre ahnten, dass der Rassebegriff gefährlich werden könnte. Doch gegen sie setzten sich Philosophen wie Immanuel Kant durch. Der 'Weltweise aus Königsberg' fand etwa die "Negerrace" faul, tändelnd und "stinkend". Von Kant führt eine rote Linie des philosophischen Rassismus weiter zu Hegel und Nietzsche bis hinein in die Nazi-Zeit. Doch nützt es, heute den Rassebegriff zu 'kippen'? Und müsste dann nicht auch - analog zu Frankreich - Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes geändert werden, in dem von Rasse die Rede ist? Vor allem aber: Was hilft tatsächlich, wenn es um Rassismus wie in Chemnitz geht? Und mehr noch: Gegen den Rassismus in der Mitte unserer Gesellschaft?

Gäste und Musik im Studio

Nino Haratischwili mit ihrem neuen Roman "Die Katze und der General"

Die Soziologin Josephine Apraku über den Rassismus der Mitte

Arthur & Lucas Jussen
Arthur & Lucas Jussen
Quelle: Marco Borggreve

Auf der aspekte-Bühne: Die Pianisten Lucas & Arthur Jussen spielen Mozarts Sinfonia 40

"Die Katze und der General"

Nino Haratischwilis neuer Roman

Nino Haratischwili: Die Katze und der General, Roman
Quelle: FVA

Mit ihrem Roman "Das achte Leben" hat Nino Haratischwili vor vier Jahren ihre Leser bezaubert. Das über tausendseitige Mammutwerk, das über mehrere Generationen hinweg das Schicksal einer georgischen Familie erzählt und nebenbei auch noch die Geschichte Europas aus georgischer Sicht aufrollt, ist ein Dauerbrenner in den Buchhandlungen. Nino Haratischwili ist eine der aufregendsten Schriftstellerinnen des Landes, wobei sie erstaunlicherweise keine deutsche Muttersprachlerin ist. Sie wurde in Georgien geboren und hat dort an einer deutschen Schule die deutsche Sprache gelernt. Später hat sie Theaterregie in Hamburg studiert, wo sie heute mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter lebt. Jetzt hat die Mittdreißigerin erneut einen opulenten Roman vorgelegt, der zu Recht sogleich auf der Longlist des Deutschen Buchpreises landete. In "Die Katze und der General" (Frankfurter Verlagsanstalt) geht es nicht nur um ihre Heimat Georgien, sondern um den ehemaligen Ostblock insgesamt – um Schuld und Sühne angesichts eines Kriegsverbrechens in Tschetschenien, um die Wirren des Umbruchs nach dem Zerfall der Sowjetunion und das Leben im westlichen Exil.

Venedig feiert Tintoretto

Große Ausstellung zum 500.

Was macht man typischerweise in Venedig, außer sich durch 25 Millionen Touristen zu quälen? Selfies natürlich. Rialto, Piazza San Marco, Eiscreme und Pizza. Diesen Albtraum kann man sich jetzt versüßen mit Selfies vor wunderbaren Gemälden in einer Doppelschau zum 500. Geburtstag von Jacopo Tintoretto, dem fleißigen Färberlein von Venedig. Was nicht sowieso schon von seinen 700 Gemälden in Venedig war, wurde eingeschifft für eine Doppelausstellung, die ihresgleichen sucht.Im Palazzo Ducale, dem berauschenden Palast der venezianischen Herrscher, und in der Accademia werden Tintoretto die höchsten Ehren zuteil. Zwei Ausstellungen, die es in sich haben, zeigen den anpassungsfähigen und sehr erfolgreichen Maler - und wie er unter dem Einfluss Michelangelos gegen den großen Konkurrenten Tizian kämpfte und dank typisch italienischer Geschäftspraktiken Oberwasser behielt. Tintoretto ist der einzige Renaissancemaler, der aus der Stadt stammt und als Maler der Markusrepublik Weltruhm erreichte. Auch wenn er nicht ganz an das große Vorbild Michelangelo heranreichte, schenkte er der Nachwelt äußerst verführerische Darstellungen des menschlichen Körpers, die seiner Zeit voraus waren.

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