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aspekte vom 8. Mai 2020

Moderiert von Jo Schück

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Doch wo stehen wir jetzt - 75 Jahre danach?

38 min
38 min
08.05.2020
08.05.2020
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.05.2021

Zeichnungen eines Zeitzeugen

Thomas Geve überlebte den Holocaust

Thomas Geve gehört zu den letzten noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust. Er war 15, als er im April 1945 in Buchenwald frei kam. Seine Zeichnungen und Schilderungen des grauenvollen KZ Alltags in Auschwitz, Groß-Rosen und Buchenwald sind erschütternde Belege der NS-Vernichtungsmaschinerie. Nach Aufenthalt in der Schweiz und Studium in London lebt der Bauingenieur seit den 50er Jahren mit seiner Familie in Israel. Seine Bücher und Erzählungen sind wichtige Dokumente der Erinnerung an ein ‚Nie wieder‘. 75 Jahre nach der Befreiung erinnert die Gedenkstätte in Buchenwald mit einer Ausstellung daran.

"Der Schoß ist fruchtbar noch …"

Wieviel Gefahr droht von "rechts"?

Vor 75 Jahren haben alliierte Truppen Europa vom Nationalsozialismus befreit. Heute sind die Deutschen stolz darauf, ihre Vergangenheit vorbildlich aufgearbeitet und "bewältigt" zu haben. Dennoch sind in der Bundesrepublik wieder rechtsextreme und rechtsterroristische Kräfte aktiv. Mit der AfD ist eine in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei im Bundestag und in allen Landesparlamenten vertreten. In der vorvergangenen Woche begann der Prozess gegen den in rechtsradikalen Zirkeln aktiven, mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke; in Hanau ermordete ein von fremdenfeindlichem Gedankengut motivierter Attentäter elf Menschen; in Halle verübte ein rechtsextremer Judenhasser am Jom Kippur-Tag einen Anschlag auf die örtliche Synagoge und tötete zwei Menschen. Im Februar nahmen Sicherheitsbehörden zwölf Verdächtige der "Gruppe S" fest, die im Verdacht stehen, Anschläge auf Moscheen geplant zu haben. Warum steigt die Gewalt- und Tötungsbereitschaft in rechtsextremen Zirkeln? Fühlen sich Rechte durch die politische Radikalisierung am Rand der bürgerlichen Mitte ermutigt? Welche Kontinuitäten gibt es auf Seiten der deutschen Rechten? Und wie reagieren sie auf die Coronakrise? Was können Politik, Gesellschaft und Sicherheitsbehörden tun? Über diese Fragen spricht aspekte mit Andrea Röpke und Andreas Speit, zwei langjährigen Beobachtern der rechten Szene, sowie mit Stephan Kramer, dem Präsidenten des thüringischen Verfassungsschutzes.

Gast und Musik

Philosophin Susan Neiman im Gespräch mit Jo Schück
Philosophin Susan Neiman im Gespräch mit Jo Schück
Quelle: ZDF/Jula Hoepfner

Im Gespräch: Philosophin Susan Neiman ("Von den Deutschen lernen.") und der Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, Jörg Morré.

Wolfgang Niedecken, Sänger der Kölner Band «BAP». Archivbild
Wolfgang Niedecken
Quelle: Uwe Anspach/dpa

Im Gespräch und mit neuem Song: Wolfgang Niedecken & BAP: "Ruhe vor'm Sturm"

Unbehagen an der Erinnerungskultur

Neujustierung nach 75 Jahren?

Die längste Zeit betrachtete man die Vergangenheit als eine Art Kompost. Oben lud man alles Faule, Verrottete und Schlechte ab. Unten kamen nahrhafte Mythen und Heldenerzählungen raus. Nur das hielt man der Erinnerung für wert, was im Positiven für Gegenwart und Zukunft nutzbar war. Für alles andere gab es die Kulturtechnik des Vergessens. Die deutsche Erinnerungskultur, die sich seit den 90er Jahren herausgebildet hat, bricht radikal mit diesem traditionellen Verständnis. Längst hat sich als Konsens herausgebildet, den Holocaust und die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs als negativen Referenzrahmen unseres Gemeinwesens zu betrachten. Ein Netz von Gedenkstätten, aber auch schulische Bildung und ein konstanter öffetlicher Diskurs verlängern die Vergangenheit in die Gegenwart und gewährleisten den deutschen Imperativ des 'Nie wieder!'.

Tafel der Gedenkstätte "Topographie des Terrors"
Tafel der Gedenkstätte "Topographie des Terrors"
Quelle: ZDF

Aber mit dem absehbaren Ende des Zeitalters der Zeitzeugen äußert sich zunehmendes Unbehagen an der Erinnerungskultur. Längst ist klar, dass sich nachfolgende Generationen nicht einfach antifaschistisch immunisieren lassen. In der dritten und vierten Generation nach dem Krieg verlieren die strikten Kategorien von Opfern und Tätern ihre Wirkmacht, während das historische Wissen verblasst und die rituellen Bekenntnisse der Politik zunehmend hohl wirken. Zumal sich wachsende Teile unserer Einwanderungsgesellschaft ins nationale Narrativ vom Tätervolk nicht mehr ohne weiteres einbinden lassen. aspekte spricht unter anderem mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, über "Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur".

Aufarbeitung per Computerspiel

Wie erreicht man jüngere Menschen?

Dunkle Zeichnung von sechs Männern in einem Büro.
Videospiel: "Through the Darkest of Times"
Quelle: paintbucket games

Das Computer-Strategiespiel "Through the Darkest of Times" versetzt Spielerinnen und Spieler in das Jahr 1933. Es gilt, den Widerstand gegen Hitler zu organisieren. Im Gegensatz zu Kriegs-Baller-Spielen muss man in diesem Game im Graphic Novel-Stil taktisch klug vorgehen, Aktionen planen, Mitstreiter gewinnen, Zivilcourage zeigen. So erlebt man zum Beispiel folgende Situation: SA-Mitglieder bedrohen einen Juden auf offener Straße. Was tun? Eingreifen oder wegrennen? Das Spiel, das von einem kleinem Berliner Team entwickelt wurde, versetzt die Spieler in die NS-Zeit und verlangt Entscheidungen ab. "Wie hätte ich gehandelt?"- eine vielgestellte Frage, die man hier durchspielen kann. Spieleentwickler Jörg Friedrich sieht in dem Game einen "Beitrag zur Erinnerungskultur". Schulen und Bildungsstätten wollen das Spiel zur historischen Wissensvermittlung nutzen. Für Wirbel sorgte vor der Veröffentlichung, dass in "Through the Darkest of Times" Hakenkreuze zu sehen sind. Es ist damit das erste deutsche Spiel, das trotz Hakenkreuzen in Deutschland zugelassen wurde. Bisher waren verfassungsfeindliche Symbole in Computerspielen verboten. Ist das gewagt oder konsequent? Wie bedeutsam ist das Spiel als Mittel der Erinnerung und Aufklärung? "Through the Darkest of Times" wurde gerade mit dem Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie "Best Serious Game" ausgezeichnet.

  • Moderation - Jo Schück
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