Aufklärung tut not

"Die Kunst der Aufklärung" steht in Peking herum wie Falschgeld

Was war das für eine Aufregung! Außenminister Westerwelle durchschnitt persönlich das rote Band der Sympathie. Zehn Millionen spendierten die deutschen Steuerzahler. Aufklärung in Peking: Es klang, als sollte die Demokratie in China von der deutschen Geistes- und Kunstgeschichte durchgesetzt werden.

Das nagelneue Nationalmuseum in Peking besuchen täglich achttausend Chinesen. Doch in die "Aufklärung" verirren sich pro Tag nicht mehr als zweihundert von ihnen. Die Schau ist noch nicht einmal richtig ausgeschildert. Wie peinlich! Damit ist endgültig klar, dass die Kostbarkeiten aus den größten deutschen Museen in einem Haus niemand braucht, das überwiegend der Propaganda dient.

Ai Weiweis Verhaftung spricht Bände

Die deutschen Museumsdirektoren, die sich als Global Player des Weltgeistes gaben, müssen sich, pardon, verarscht vorkommen. Zudem zeigte Pekings Regime mit der Entführung und Inhaftierung des Deutschland so sehr verbundenen Künstlers Ai Weiwei, was es von freiem Geist tatsächlich hält.

Dennoch urteilte Martin Roth, der für die Pekinger Ausstellung federführende Mann, Ai Weiwei ab. Der sei doch "nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil er ständig draufhaut". Roth hat sich inzwischen korrigieren müssen. Roths Kollege Kasper König vom Museum Ludwig in Köln: Nichts gegen Völkerverständigung, "aber doch bitte nicht durch die chemische Reinigung". Da hat er Recht.

Falscher Ort, falsche Zeit

Was kein Vorwurf sein kann, aber doch nicht mehr wegzudiskutieren ist: Die Kunst der Aufklärung steht in Peking herum wie Falschgeld, am falschen Ort, zur falschen Zeit. Und was Ai Weiwei angeht: Aufklärung über seinen Verbleib tut jetzt Not.

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