Auftragsmord?

Ein Dokumentarfilm über den Tod von Lady Di

Der britische Regisseur Keith Allen sorgt mit seinem Dokumentarfilm "Unlawful Killing" seit der Premiere des Films bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes für Aufregung. Der Film geht einer erneuten Verschwörungstheorie rund um den Mord von Prinzessin Diana auf den Grund.

Paris, der 31. August 1997: Ein berühmtes Paar macht sich vom Hotel Ritz auf den Weg hinaus die Nacht. Im Autotunnel unter dem Place de l'Alma prallt der Mercedes-Benz gegen einen Pfeiler. Lady Diana, Princess of Wales, stirbt an den Folgen innerer Verletzungen, Dodi Al-Fayed, ihr intimer Freund, ist sofort tot.

War es wirklich ein Verkehrsunfall?

Die Todesumstände scheinen offensichtlich: ein angetrunkener Fahrer, die überhöhte Geschwindigkeit des Wagens und der verzweifelte Versuch, eine Meute von Paparazzi abzuschütteln. Lady Di, die Königin der Herzen, so melden die Nachrichtenagenturen, wird Opfer eines dramatischen Verkehrsunfalls.

Keith Allens Film "Unlawful Killing" macht die Untersuchung der königlichen Kommission zu den Umständen des Todes der Prinzessin zum Thema. Finanziert wird "Unlawful Killing" von Mohammed Al-Fayed, dem Vater von Dodi Al-Fayed. War es wirklich ein Verkehrsunfall? "Ich glaube das nicht", sagt Allen im aspekte-Interview, und erläutert weiter: "Auch die Königliche Kommission, die Lady Di's Tod untersuchte, kam zu einem anderen Schluss. Das Urteil lautet tatsächlich 'rechtswidrige Tötung' - und das kann Totschlag, fahrlässige Tötung oder Mord bedeuten. Wir sprechen also nicht von einem 'Unfall', sondern von einer Straftat, von einem Verbrechen."

Ein Brief von Diana - mit Schockwirkung

Fahrlässige Tötung - oder Mord? Dramatisches Unglück oder gezielter Anschlag? An Brisanz fehlt es den Fragen nicht, die Keith Allen in seinem Film aufwirft: Warum konnte der Blut-Alkohol-Spiegel von Dianas Chauffeur nicht ermittelt werden? Warum lieferten die Überwachungskameras im Tunnel nur rauschendes Flimmern und kein einziges Bild vom Crash? Warum wurde die verletzte Diana erst lange Minuten nach dem Unglück in ein Hospital gebracht? "Auch 14 Jahre nach dem Tod von Lady Di reizt es die Leute immer noch, darüber nachzudenken, wie das damals wirklich war", sagt der Journalist Hans Leyendecker. "Die Menschen wollen sich nicht einreden lassen, dass ein betrunkener Fahrer die Frau zu Tode gefahren hat."

Keith Allens Film beginnt mit ein paar Zeilen, die Diana ihrem Butler geschrieben hat - ein Brief mit Schockwirkung: "Mein Ehemann plant 'einen Unfall' mit meinem Auto. Eine Bremsstörung und schwere Kopfverletzungen", schreibt Lady Di. Und sie wiederholt diesen Verdacht - glaubt man den Akten ihres Anwalts: "Man wolle sie loswerden", heißt es da, "vielleicht durch einen Unfall infolge einer Manipulation an der Bremse ihres Wagens". Regisseur Keith Allen: "Wenn man - wie Diana - in die höchsten Kreise aufsteigt, weiß man, wo die Leichen im Keller liegen. Man hat Zugang zu Informationen, die die Monarchie bedrohen könnten. Ich glaube aber, am bedrohlichsten für das Königshaus war die Vorstellung, Diana könnte ein Kind von Dodi Al-Fayed erwarten, das Kind von einem Moslem! Und ich glaube, dem war so. Was für eine grauenhafte Vorstellung - moslemisches Blut in der Royal Family!"

Moslemisches Blut in der Royal Family?

Aber war Lady Di wirklich schwanger, als sie ums Leben kam? Wurde ihre Beerdigung tatsächlich so schnell vollzogen, um einer klärenden Obduktion zuvorzukommen - wie der Film nahelegt? Und hätte ein gemeinsames Kind von Lady Di und Dodi Al-Fayed tatsächlich die britische Monarchie erschüttert? Beim Spekulieren darüber zielt Keith Allen schließlich einmal auf Prinz Philipp, den Mann an der Seite der Queen. Ein Foto aus dem Jahre 1937: Damals - soweit stimmen die Fakten - reiste der junge Philipp zu einer Beerdigung nach Nazi-Deutschland. Im Trauerzug auch sein Schwager - in Naziuniform.

Der Film schließt aus diesem Foto auf eine rassistische Grundhaltung von Prinz Philipp. Ein solcher Mann aber - so die Suggestion des Films - duldet kein moslemisches Blut in der Royal Family. aspekte wollte von Regisseur Allen wissen: "Glauben Sie ernsthaft, Prinz Philipp hat den Auftrag gegeben, Lady Di umzubringen?" "Ich glaube nicht, dass da jemand sagt: 'Excuse me, Sie müssen sie umbringen.'", sagt Allen. "So macht man das bestimmt nicht. Ich denke eher, dass man im Umfeld auch einen leisen Wink zu verstehen weiß. Eine Order gibt es sicherlich nicht, die ist auch gar nicht nötig."

"Aus dem Zusammenhang gerissen"

Wir befragten Dokumentarfilmerin Sabine Bernardi, die auch als Dozentin für Film an der Theaterakademie Köln tätig ist, zu ""Unlawful Killing". Sie meint: "Ich finde den Film auf jeden Fall manipulativ, weil er sehr schnell geschnitten ist. Ich glaube auch, dass einige Dinge aus dem Zusammenhang gerissen wurden, und er arbeitet sehr stark mit Musik, die mich emotional führen soll. All diese Elemente bringen mich dazu, als Zuschauerin sehr stark auf die Meinung des Filmemachers gesetzt zu werden und bei den Protagonisten nicht genau zu wissen: 'Lügt der vielleicht oder sagt der die Wahrheit?' Und das macht diesen Film für mich leider uninteressant."

"Unlawful Killing " - der Film kommt daher mit diversen Fakten. Diese dienen als Sprungbrett für groteske Spekulationen. In Großbritannien lief er bisher nicht. Dort hätte der Film nur in einer zensierten Fassung ausgestrahlt werden dürfen, und das wollten Regisseur und Auftraggeber nicht.

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