"Bekenntnisse eines Öko-Terroristen"

Ein witziger und wichtiger Umweltschutz-Film

Paul Watson ist der wohl berühmteste Umweltpirat der Welt. Seit über 30 Jahren kämpft er mit seiner Armada von derzeit vier Schiffen unter schwarzer Totenkopf-Flagge für den strikten Schutz aller Geschöpfe des Ozeans. Wer die Weltmeere ausbeutet, Öko-Systeme zerstört, Tiere aus Profitgier oder in bloßem Blutrausch tötet, kann vom berüchtigten Watson kein Pardon erwarten. Der Gründer der "Sea Shepherd Conservation Society" und seine Mitstreiter patroullieren auf den Weltmeeren und stoppen Walfangflotten, Treibnetzfischer, Robbenfänger, gehen gegen sinnloses Abschlachten vor.

Flagge der "Sea Shepherd"
Flagge der "Sea Shepherd" Quelle: seashepherd.org

Greenpeace - "tatenlose Bürokraten"

In ihrem Wal-Kampf greifen sie zu umstrittenen Methoden: Sie rammen und versenken Schiffe, attackieren Robbenfänger, zerstören illegale Treibfangnetze, werfen Rauch- und Stinkbomben, schießen mit Wasserkanonen, faulen Eiern und Kuchenteig.
Wehe, wenn Watson kommt: Auf eigene Faust setzen sie durch, worum sich sonst niemand kümmert: "Es gibt ja all diese Verträge und Gesetze zum Umweltschutz, die sich auf dem Papier so großartig machen - aber niemand sorgt dafür, dass sie auch eingehalten werden. Wir brechen keine Gesetze - wir setzen sie durch." Paul Watson gehört zu den Gründungsmitgliedern von Greenpeace, verließ aber 1977 den, wie er ihn nennt, "Haufen tatenloser Bürokraten". Der Kanadier dagegen ist eher ein Öko-Rambo: "Wir sind ein Stoßtrupp, kein Diplomatenverein."

Paul Watson
Paul Watson Quelle: Sea Shepherd

Der Zweck heiligt die Mittel - mit seinen Guerilla-Taktiken hat der brilliante Stratege bemerkenswerte Erfolge erzielt. "Aggressive non-violence" lautet seine Devise: Gewalt gegen Sachen: ja - Menschen verletzen: nie. Watson ist leidenschaftlich und kompromisslos, bleibt aber selbst in der gefährlichsten Auseinandersetzung cool. Abenteurertum, Charisma, schneeweißes Haar, maritime Fantasie-Uniformen - kein Wunder, dass aus Watsons Leben jetzt ein Hollywoodfilm werden soll. Aber jetzt gibt's auf der Leinwand erstmal den echten. Freund und Kampfgefährte Peter Jay Brown ist mit seiner Kamera seit Jahrzehnten an Watsons Seite. Browns Dokumentarfilm "Confessions of an Eco-Terrorist" zeigt jetzt etliche der halsbrecherischen Aktionen.

Sie demonstrieren nicht, sie tun was

Natürlich ist der Film nicht objektiv, dafür aber umso vergnüglicher. Entwaffnend offen bekennen sich die beiden zu einem sehr kreativen Umgang mit den Medien und der Wahrheit. So geht Seemannsgarn heute: Da wird schon mal ein Konflikt kreiert, um den Journalisten Futter zu geben und Aufmerksamkeit zu erzielen. Watson sieht das ganz pragmatisch: "Was nicht gefilmt wurde, ist praktisch nicht passiert".

Paul Watson im Einsatz - im Hintergrund Regisseur Peter Brown
Paul Watson Quelle: bjoernlexiusphotography.com

Browns Kommentare sind teils ironisch, teils schreiend komisch. Hoffentlich vermittelt sich der Humor auch in der deutschen Fassung. Im Gegensatz zu seinem Kumpel Brown redet Watson im Film eher wenig. "Schön, Sie zu treffen", sagt er nur lakonisch, nachdem er gerade mit voller Wucht ein illegales Walfangschiff gerammt hat. Browns Doku voller Situationskomik in abenteuerlichem Agitprop-Stil ist erfrischend anders als die üblichen Umweltschutz-Appelle: Keine ernste Betroffenheit, keine leeren Parolen. Diese Spontis der Meere demonstrieren nicht, sie tun was: Nicht reden, sondern rammen.

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