Ben Drews Plan B

Für Ben Drew ist das noch dazu ein Stilbruch, den Kritiker mit einer "geologischen Plattenverschiebung" vergleichen. Bekannt wurde er nämlich vor vier Jahren als Rüpelrapper, der auf seiner von der Kritik bejubelten Debütplatte über Jugendgewalt, Messerstechereien, Drogen und Minderjährigen-Sex erzählte.

Parallelen zwischen Songs und Biografie

So drastisch und voller Fluch- und Schimpfwort-Kaskaden, dass mancher Politiker den jungen Mann mit seiner Botschaft verwechselte und ihn aus dem Radio verbannen wollten. Ben Drew jedoch verherrlichte Gewalt keineswegs, für ihn war dies der Weg mit direkter Sprache die Kids zu erreichen und zum Nachdenken zu bringen.

Selbst in Ostlondon mit Gewalt und Drogen aufgewachsen, hatte er selbst einige Kontakte mit der Justiz und fand erst in einer Besserungsanstalt für schwierige Jugendliche seinen Weg. Es gab viele Parallelen zwischen seinen Songs und seiner Biografie. In "Mama (loves a crackhead)" sang er über seine alleinerziehende Mutter und den prügelnden Stiefvater. Schnell wurde ihm das Etikett "The voice of broken Britain", die Stimme der Unterschicht aus den kaputten Randbezirken und Sozialbausiedlungen, aufgedrückt. Zwischendurch spielte er auch noch im Kino einen fluchenden Straßendealer und Gewalttäter als Gegenpart von Michael Caine im britischen Thriller "Harry Brown" (in Deutschland nur auf DVD - ab 21.10.2010). Eine Art Widergänger seiner Song-Charaktere.

Drew fordert Elan statt Gewalt

Und nun eine Soul-Platte, auf der in die Rolle eines Soulsängers schlüpft. Ein Fall von musikalischem Anti-Aggressionstraining womöglich? Zeit ruhiger zu werden? Richtig ist: Er hat wirklich ein Anti-Aggressionstraining hinter sich und noch schwebt eine Bewährungsstrafe über ihm. Sein neues Album erzählt die Geschichte des fiktiven Soulsängers Strickland Banks, der für ein Verbrechen verurteilt wird, das er nicht begangen hat. Die Platte hält sich hartnäckig seit drei Monaten an der Spitze der britischen Hitparade.

Er versteht die Geschichte jedoch als Fortsetzung seiner früheren Songs, eine Art Warnruf für die Fans. Es geht um die Sucht nach Anerkennung und schnellem Ruhm und den schnellen Absturz aus dem Pophimmel. Und auch sonst ist er nicht weicher geworden, wütend beschimpft er im Interview den britischen Premier, der auf arme Leute und die Jugendlichen auf der Straße nur herabblicke, statt die Situation einer chancenlosen Generation zu verbessern. Er fordert von den Kids, mehr Elan zu zeigen, statt sich in sinnloser Gewalt zu verlieren.

Neues Ziel

Drew folgt längst seinem eigenen Plan B: Er will aufrütteln und seine eigenen Erfahrungen weiter geben. Nächstes Karriereziel: Regie bei einem Hiphop-Episodenfilm mit Jugendlichen von der Straße als Darstellern.

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