Bizim Büyük Çaresizligimiz

Vage, wenig mitreißende 'Ménage à trois' auf türkisch

Seit im letzten Jahr der türkische Regisseur Semih Kaplanoglu mit "Bal - Honig" den Goldenen Bären gewann, werden türkische Filme zu Recht wieder mit größerer Aufmerksamkeit wahrgenommen. Auch Seyfi Teoman gehört zu den Autorenfilmern des neuen türkischen Kinos, das sich durch Sachlichkeit und langsame, minimalistische Bildkomposition auszeichnet. Sein Film "Bizim Büyük Çaresizligimiz/Unsere große Verzweiflung" spielt in der Hauptstadt Ankara.

Im Zentrum stehen die Enddreißiger Ender und Çetin. Die beiden Männer sind seit ihrer Kindheit engste Freunde, teilen sich eine Wohnung, kochen gemeinsam. Eine platonische Liebe, fast so symbiotisch wie die eines alten Ehepaars (nein, sie sind nicht schwul).

Nihal kommt - und geht wieder

Als ein Freund sie bittet, seine junge Schwester aufzunehmen, die nach dem Unfalltod der Eltern nicht allein leben soll, willigen beide selbstverständlich ein. Die 18jährige Nihal - nach dem Trauerfall sehr in sich gekehrt - ist zunächst ein Fremdkörper im eingespielten Alltag von Erdal und Çetin. Doch nach einiger Zeit sind die drei vertraut wie eine Familie.

Beide Männer verlieben sich in das Mädchen. Doch nicht nur das Versprechen, das sie ihrem Freund gegeben haben, verpflichtet sie zur Zurückhaltung. Keiner von ihnen nähert sich Nihal, vor allem, um ihre enge Freundschaft nicht zu gefährden. Nihal beginnt eine Affäre mit einem Dichter und verlässt Ankara nach ihrem Schulabschluss. Ender und Çetin bleiben zurück.

Kleine Geschichte des Lebens

"Unsere große Verzweiflung" ist zunächst ein interessanter Gegenentwurf zum herkömmlichen türkischen Männerbild des Machos. Die Helden des Alltags hier sind taktvoll und zartfühlend. Anders als in klassischen türkischen Filmen wird nicht dramatisiert, große Worte oder Emotionen wallen nicht auf. Eine kleine Geschichte, wie sie das normale Leben so schreibt. Zwischen den dreien bleibt alles recht vage, wirklich nahe kommt man den Charakteren nicht. Trotz einiger warmherziger Momente: Großes Interesse an ihnen oder gar Begeisterung kommt nicht auf.

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