Brauchen wir ein Einheitsdenkmal?

Das Brandenburger Tor ist doch schon da ...

Jetzt hat es auch der Kulturausschuss des Bundestages abgesegnet und der Entwurf von Sasha Waltz und milla&Partner für ein Einheitsdenkmal ist beschlossene Sache: Gebaut wird eine Einheitsschale, 60 Meter breit auf einem hydraulischen Sockel mit Feder-Dämpfer-System, mit dem vielversprechenden Titel "Bürger in Bewegung". Und zwar nicht irgendwo, sondern auf dem Fundament des ehemals bedeutsamen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals auf dem Berliner Schlossplatz.

Den ersten Schritt machen

Das historische Fundament des alten Denkmals bleibt erhalten und dient der neuen Einheitsschale als Unterbau. Der geschichtsträchtige Platz erfuhr 1989 eine politische Neubesetzung: Genau an diesem Ort schwenkten die friedlichen Demonstrationen wieder in Richtung Alexanderplatz ab.
Es soll ein Denkmal in Bewegung werden, das den Besuchern die Wahl lässt, eine Bewegung auszulösen oder eben nicht. Mehr als 50 Menschen müssen auf einer Seite stehen, damit sich die Einheitsschale überhaupt neigt (maximal 160cm). Und genau das ist Verknüpfung zu 1989, die sich die Gestalter der Einheitsschale überlegt haben: Irgendjemand muss die Richtung vorgeben, den ersten Schritt machen, sonst passiert nichts. Genau wie bei den ersten Demonstrationen der Bürgerbewegung. Nun soll das Einheitsdenkmal nicht nur einen historischen Moment für alle Zeit in Erinnerung rufen, sondern vor allem ein positiv besetztes Nationaldenkmal werden.

Diese Idee war auch der Ausgangspunkt der "Initiative Denkmal Deutsche Einheit", die sich im Mai 1998 mit einem Brief an Helmut Kohl wandte, um für die Errichtung eines Einheitsdenkmals zu werben. Zwei Jahre später erfolgte ein Gruppenantrag des ehemaligen Bürgerrechtlers Günter Nooke im Bundestag anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Mauerfalls: "Die Unfähigkeit zu feiern und die Unfähigkeit zu trauern gehören zusammen. [...] Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundstein des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt."

13 Jahre Diskussion

Zu den Unterzeichnern des Gruppenantrages gehörten prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur, selbst Angela Merkel war dabei, aber: Der Antrag wurde erfolglos abgelehnt. Auch weitere Versuche blieben ergebnislos. Erst mit der Übertragung der Denkmal-Aufgabe an die Deutsche Gesellschaft beschloss der Deutsche Bundestag symbolisch am 9. November 2007 die Errichtung eines Einheitsdenkmals.

Nach 13 Jahren Diskussion und zwei Wettbewerbsausschreibungen später - mit mehr als 500 eingereiten Entwürfen - haben Sasha Waltz und milla&Partner das Rennen um den Denkmalentwurf gewonnen. Geschätzte Kosten: zehn Millionen Euro. Wie bei allen Bauwerken lässt sich über das ästhetische Urteil einer Wettbewerbsjury streiten. Und Gegenwind kam reichlich: Von "Salatschüssel" bis "Spielplatzwippe" reichten die erfinderischen Kritiken, ohne den Kern des Entwurfes wirklich verstanden zu haben.

Was meinen Sie dazu?

Aber die entscheidende Frage ist nicht die nach der Ästhetik des geplanten Entwurfes, sondern nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Denkmals überhaupt. Brauchen wir ein Einheitsdenkmal, wenn 2000 Meter entfernt das Wahrzeichen des Mauerfalls steht, das Brandenburger Tor? Und vor allem: Was meinen Sie dazu?

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