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Die Buchbranche im Aufbruch

Neue Stimmen - neue Wege. aspekte von der Frankfurter Buchmesse.

Themen u.a.: "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" von C Pam Zhang; aspekte-Literaturpreis für das beste Prosa-Debüt 2021; Gastland Kanada auf der Buchmesse - die Literatur der First Nations, Hanns-Josef Ortheil über seinen Roman "Ombra"; Musik: Imany

Videolänge:
39 min
Datum:
22.10.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.10.2022

"Wie viel von diesen Hügeln ist Gold"

Ein "Western" von C Pam Zhang

Irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, irgendwo in Kalifornien. Zwei Schwestern, die Waisenkinder Lucie und Sam, zu Beginn der Geschichte zehn und elf Jahre alt, sind mittellos, auf sich allein gestellt. Und sie sind Außenseiterinnen in dieser Gesellschaft, denn sie unterscheiden sich allein schon durch ihr Aussehen von den Anderen. Ihre Eltern waren aus China eingewandert, dem Lockruf des Goldes gefolgt. Sie blieben glücklos – der amerikanische Traum für sie unerfüllt. Doch wie geht es für Lucie und Sam weiter? Werden sie sich einen besseren Platz erobern können? Haben sie als "Fremde" und Frauen überhaupt eine Chance? In ihrem Debüt-Roman "Wie viel von diesen Hügeln ist Gold" betrachtet die chinesisch-amerikanische Schriftstellerin C Pam Zhang den "Wilden Westen" aus einer ganz neuen Perspektive und lenkt den Blick auf eine Gruppe von Menschen, die in der US-amerikanischen Geschichtsschreibung häufig vernachlässigt wird: die große Zahl der chinesischen Arbeiter, die beim Bau der großen Eisenbahnlinien, in den Kohlebergwerken und Quecksilberminen geschuftet haben. Es geht um Fremdenfeindlichkeit, um die Ausbeutung von Mensch und Natur, um Heimat und Identität in den unterschiedlichsten Facetten. Doch was die Autorin im uramerikanischen "Wild West"-Setting und vermeintlich in der Vergangenheit verhandelt, geht uns heute so sehr an wie vor 150 Jahren.

aspekte-Literaturpreis

Das beste Prosa-Debüt des Jahres

Buchcover
"Die Aufdrängung" von Ariane Koch

Gastfreundschaft ist ein globales Phänomen. Es ist uralt, wurzelt in allen Weltreligionen und scheint in letzter Zeit ein wenig zu verblassen. Der Trend geht schließlich zur Abschottung. Die Ich-Erzählerin in Ariane Kochs Roman "Die Aufdrängung" wohnt in einem viel zu großen Haus in einer viel zu kleinen Stadt am Fuße eines dreieckigen Berges. Auch sie wurzelt in der Religion. Gewissermaßen. Immerhin war ihr Urgroßvater ein veritabler Sektenführer. Aber wo der noch frei Schnauze über eine zufällig aufgeschlagene Bibelstelle predigen konnte, schreibt die Ich-Erzählerin lieber an ihrer eigenen Heiligen Schrift, einem Regelwerk, mit dem sie den Gast, den sie aufgenommen hat, in die Schranken weisen kann. Religion scheint ihr so fremd wie das Prinzip der Gastfreundschaft: "Alles, was der Gast hier zu viel sein könnte, ist er vielleicht irgendwo zu wenig. Hier hat nichts gefehlt. Hier hat niemand auf einen Gast gewartet. Hier gibt es bereits alles in Überfluss." Ariane Koch hat sich als Theater-Autorin einen Namen gemacht. "Die Aufdrängung" ist ihr erster Roman. Und was für einer. So leicht und präzise ihre Sprache, so rätselhaft, absurd und tief ist ihr Text über Gastfreundschaft in Zeiten der Ungastlichkeit. "Die Aufdrängung", Gewinnerbuch des aspekte-Literaturpreis 2021, sollten Sie sich unbedingt aufdrängen lassen.

Gastland Kanada auf der Buchmesse

Die Literatur der First Nations

Kanada, dieses viel beschriebene weite, offene, vielfältige Land, ist auch ein Land mit einer grausamen Geschichte der Unterdrückung. Vor mehr als 12.000 Jahren fanden die First Nations in Kanada ein Zuhause. Als sich die Europäer ansiedelten, begann ein langer Leidensweg. Schriftsteller*innen der First Nations machen diesen nun auf vielfälige Weise zum Thema ihrer Bücher. In der Comic-Anthologie „Dieses Land“ erzählen mehr als 20 Autor*innen und Illustrator*innen die Geschichte der kanadischen Konföderation aus indigener Perspektive. – berichten von Zwangsreservaten und Residential Schools, der Unterdrückung ihrer Rechte.

Auch Paul Seesequasis will der „vergessenen Generation“ ein Gesicht geben. Er gehört zur Gemeinschaft der „Willow Cree“. Aus einem Fotoprojekt ist das Buch „Unter der Mitternachtssonne“ entstanden. Seine Mission: Indigene Identität jenseits stereotyper Klischees zeigen. Es geht um die Rückeroberung des Blicks auf sich selbst. Katherena Vermette schreibt über Frauen in Städten, die indigen sind oder mehrere Wurzeln haben. Im Mittelpunkt ihres Romans „Was in jener Nacht geschah“ steht die Vergewaltigung eines Mädchens. Vermette erzählt davon, wie sich die Frauen in einem Leben voll von Sucht, Rassismus, Gewalt unterstützen. All die Autor*innen schreiben an gegen den Versuch der Auslöschung der Kultur und Identität der First Nations. Die indigene Literatur gewinnt an Bedeutung – bei Lesenden und Schreibenden.

"Schweigen ist meine Muttersprache"

Sulaiman Addonia - Stimme aus Afrika

Sulaiman Addonia mit seinem Roman "Schweigen ist meine Muttersprache"
Sulaiman Addonia mit seinem Roman "Schweigen ist meine Muttersprache"
Quelle: ZDF

Sein Vater wurde in Eritrea vor den Augen der Familie verschleppt und zu Tode geprügelt. Als Kind entkam er mit Mutter und Bruder knapp dem Massaker von Om Hajar und lebte danach jahrelang in einem sudanesischen Flüchtlingslager: Sulaiman Addonia ist heute eine der neuen Stimmen, die aus ihrer Lebensgeschichte Welt-Literatur gemacht haben und ihre eigenen literarischen Akzente setzen. Jetzt ist sein Roman "Schweigen ist meine Muttersprache" erschienen. Darin erzählt Addonia autofiktiv von seinen Überlebenserfahrungen im Camp und geht dabei ein Wagnis ein: Seine Erzählung setzt dem Grauen von Tod, Vertreibung und Flucht die Kraft der Poesie und die Magie des Geschichtenerzählens entgegen. Die beiden Protagonisten im Roman, eine rebellische junge Frau und ihr stummer kleiner Bruder, kämpfen gegen traditionelle Rollenzuschreibungen, fremdbestimmte Sexualität und gesellschaftliche Konventionen. Nicht einfach in einem riesigen Flüchtlingslager, wo sich Menschen an dem wenigen festklammern, was ihnen blieb: ihren althergebrachten Traditionen und Überzeugungen. Addonia lebt heute in Brüssel, wo er ein "writers-in-exile"-Literaturfestival gegründet hat und er gibt Kurse für Geflüchtete, ermutigt sie, ihre Geschichten zu Gehör zu bringen. Sein Credo: den Stimmlosen eine Stimme geben und der eurozentristischen Hegemonie auf Literatur ein vielschichtiges und diverses Gegengewicht entgegenzusetzen.

Quo vadis, Buchbranche?

Wie es nach Corona weitergeht

Lange war es nicht klar, doch die Buchmesse in Frankfurt am Main findet statt! Allerdings nicht so wie immer, sondern als hybride Veranstaltung: Viel weniger Aussteller*innen aus weniger Ländern, weniger Autor*innen, weniger Pressekonferenzen, weniger Publikum, dafür mehr Hygiene-Vorschriften. Wie steht es um die Buchbranche und welche Wege werden jetzt eingeschlagen? Das fragen wir den Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, und einige Verlagsleiter*innen. Birgit Schmitz und Gunnar Cynybulk zum Beispiel haben in der Corona-Zeit neue Verlage gegründet - mit zum Teil ungewöhnlichen Strategien. Auch etablierte Verlage müssen sich der Frage stellen, wie sich zum Beispiel die absehbare Änderung der Modalitäten für die Ausleihe von E-Books in Bibliotheken auf die Branche auswirkt. Viele Umbrüche stehen an. Und dann gibt es ja auch noch digitale Plattformen wie TikTok, die beim Thema Buch ganz eigenen Wege gehen.

Neuanfang mit 70

Im Gespräch: Hanns-Josef Ortheil über seinen Roman "Ombra"

Imany mit ihrem neuen Album: "Voodoo Cello"

Imany
Imany
Quelle: imago / PanoramiC

Die franko-komorische Soulsängerin Imany ist bekannt für ihren Soulpop - Markenzeichen ihrer ersten beiden Platten. Für ihr drittes Album wagt sie etwas ganz Neues: eine Stimme, acht Celli und lauter bekannte Hits von anderen Musikern - und macht sie auf ihrem neuen Album "Voodoo Cello" unverwechselbar zu ihrer Musik. Damit erreicht sie das Größte, was ein Coveralbum schaffen kann: aus alt mach neu, aus fremd mach eigen. Eigen ist Imany schon immer. Aufgewachsen in einem Vorort von Paris, gelingt es ihr erst auf der Militärakademie, die eigene Schüchternheit zu überwinden und zu singen. Sie geht für sieben Jahre nach New York, modelt dort und startet erst dann in Paris mit ihrer Musikkarriere durch. Welche Rolle das Lesen auf ihrem Weg gespielt hat, welche Kraft sie persönlich aus Literatur gezogen hat und wie sich das alles in ihren Texten niederschlägt - das erzählt sie auf der Buchmesse in Frankfurt.

Stab

  • Moderation - Katty Salié, Jo Schück
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