Sie sind hier:

Bücherfrühling - eine literarische Reise durch den Osten

aspekte am 28. Mai 2021 - mit Jo Schück

Themen u.a.: Das Romandebüt von Björn Stephan - Zwischen Pubertät und Plattenbau; Helga Schubert: "Vom Aufstehen" - Das literarische Comeback des Jahres; Suizide in der DDR - Sachbuch "Unter Verschluss"; Musik: Mine

42 min
42 min
28.05.2021
28.05.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.05.2022

Das Romandebüt von Björn Stephan

Zwischen Pubertät und Plattenbau

Schriftsteller Björn Stephan und aspekte-Moderator Jo Schück
Schriftsteller Björn Stephan und aspekte-Moderator Jo Schück
Quelle: ZDF/Jula Hoepfner

Eine Plattenbausiedlung am Rande einer nordostdeutschen Stadt. Geplant war sie als Wohnraum für 17.000 Menschen. Fertig gestellt wurde sie nie - der Zusammenbruch der DDR kam dazwischen. Der Schriftsteller Björn Stephan wuchs in Ostdeutschland in einer solchen Plattenbau-Siedlung auf. Und hier spielt auch sein Debütroman: "Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau". Klein Krebslow ist ein Ort für Assis und Wendeverlierer. 1994, in der Nachwendezeit, versuchen drei Jugendliche, der Tristesse des Alltags eine Perspektive entgegenzusetzen. Die Hauptfigur Sascha Labude ist 13 Jahre alt. Er sammelt heimlich fremdsprachige Wörter, für die es in der deutschen Sprache keine Äquivalenz gibt. Sein bester Freund ist Sonny, ein großer Elton John-Fan. Sein Traum: Er will selbst Musiker werden. Auch Juri, Saschas Schwarm, greift nach den Sternen. Juri heißt eigentlich Jenny und will Astronautin werden - so wie die erste Frau im Weltall, die russische Kosmonautin Walentina Wladimirowna Tereschkowa. Es ist die Geschichte von Jugendlichen in der Nachwendezeit, sie suchen ihren Weg in den Ruinen eines verschwundenen Landes. „Die Platte“, die in der DDR so beliebt war, sie wird zum Synonym für sozialen Abstieg. Björn Stephan erzählt das Große im Kleinen. Eine Nachwendegeschichte, die aber kein Ost-Roman sein soll.

Helga Schubert - "Vom Aufstehen"

Das literarische Comeback des Jahres

Schriftstellerin Helga Schubert und aspekte-Moderator Jo Schück
Schriftstellerin Helga Schubert spricht mit Jo Schück in ihrem Heimatort Neu-Meteln
Quelle: ZDF/Jula Hoepfner

Mit ihrem Buch "Vom Aufstehen" feierte sie in den letzten Monaten ihr literarisches Comeback. Es sind Geschichten aus einem bewegten Leben – dem, der Helga Schubert. Mit einer ihrer Erzählungen gewann Schubert vergangenes Jahr den renommierten Ingeborg Bachmann Preis. Und nun ist sie mit ihrem Debüt-Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Jo Schück trifft die 81-jährige Schriftstellerin in ihrem Heimatort Neu-Meteln - keine halbe Stunde Autofahrt von Schwerin entfernt. Seit 1976 war Helga Schubert im Visier der Staatsmacht. Die schätzte sie als "feindlich negativ" ein. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre ersten Erzählungen beim Aufbau-Verlag. Bis heute schreibt sie fast täglich. Nach der Wende war sie Pressesprecherin des "Zentralen Runden Tisches" und bereitet die ersten freien Wahlen mit vor. Ihr Buch zeugt von authentischen Erfahrungen einer realen Person aus einem Land, das es seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gibt. Zentrale Figur ist die Mutter, grausam und zärtlich. Und ihre große, unerfüllte Liebe.

Suizide in der DDR

Sachbuch "Unter Verschluss"

Zu den streng gehüteten Staats-Geheimnissen der DDR gehörte ab 1961 die Selbstmordrate. Die SED-Führung fürchtete wohl, ihr real-sozialistisches Glücksversprechen nicht einlösen zu können. Jetzt konnte die Soziologin Ellen von den Driesch Selbstmord-Akten der DDR aufstöbern, die lange als verschollen galten. Und so stellte sie fest, dass die Statistik der DDR die Selbstmorde sehr wohl nach WHO-Regularien erfasste, sie im "Kalten Krieg" allerdings geheim halten wollte, da auf beiden Seiten des "Eisernen Vorhangs" die Selbstmord-Raten propagandistisch "ausgeschlachtet" wurden. In ihrer Studie "Unter Verschluss. Die Geschichte des Suizids in der DDR 1952 - 1990" betrachtet die junge Soziologin die Suizidgeschichte der DDR erstmals frei vom ideologischen Ballast der Vergangenheit und kommt zu verblüffenden Schlüssen. Zugleich macht Ellen von den Driesch auf den aktuellen Umgang mit Suizid aufmerksam: Unsere Gesellschaft wird immer älter - und damit auch Selbstmord-gefährdeter. Ein heikles Thema, das bis heute auch medial eher tabuisiert wird, statt stärker über das 'Wie' der dringend notwendigen Suizid-Prävention nachzudenken.

Musik

Sängerin und Produzentin Mine mit "Hinüber"

Roland Schimmelpfennigs Berlin-Roman

"Die Linie zwischen Tag und Nacht"

Berlin-Romane gibt es viele, aber Ronald Schimmelpfennigs neuestes Werk "Linie zwischen Tag und Nacht" liest sich nach fast anderthalb Jahren Pandemie wie der Gruß aus einer längst vergangenen Zeit. Die Metropole im Rausch, alle sind hellwach und gleichzeitig todmüde. Sein Protagonist Tommy schlittert aus der Bürgerlichkeit und versucht, sich an zwei unbekannten Toten festzuhalten. Eine Reise in ein betörend schönes und zugleich raues Berlin.

Die Buchautorin Mirna Funk

ostdeutsch, jüdisch, feministisch

Die Schriftstellerin Mirna Funk schreibt Zeitgeist-Romane mit Tiefgang und verfasst für die 'Vogue' Texte über jüdisches Leben in Deutschland. Sie äußert sich auch auf der Kampagnenplattform "Pink Stinks" über die Care-Debatte und diskutiert in der Hipster-Schabatt Talkshow "Freitagnacht Jews" darüber, was es bedeutet, im 21. Jahrhundert jüdisch zu sein. Als selbstbewusste Grenzgängerin steht Mirna Funk damit für eine neue Generation der deutsch-jüdischen Literatur, die sowohl mit Small Talk auf Instagram als auch mit literarischen Texten und "Fallhöhe" aufwarten kann. Als Urenkelin von Stephan Hermlin, einem der bekanntesten Schriftsteller der DDR, gehört Funk zudem zur ersten Generation, die im Ostberlin der Nachwende aufwuchs. Eine Erfahrung, die sie mit der Hauptfigur ihres neuen Romans "Zwischen Du und ich" teilt, die, so wie Mirna Funk selbst, zwischen Berlin und Tel Aviv pendelt.

Skandal um den Aufbau Verlag

Der Prozess Lunkewitz

Es ist eine Art "Post-Wende-Skandal", der sich bis heute hinzieht. Kurz nach dem Mauerfall erwarb der Frankfurter Immobileinmillionär Bernd F. Lunkewitz den renommierten "Aufbau Verlag" – für Jahrzehnte das literarische Aushängeschild des untergegangenen anderen deutschen Staates. Der Deal hatte allerdings nicht nur einen, sondern gleich zwei Haken. Zum einen: Lunkewitz wusste zum Zeitpunktes des Erwerbs nicht, dass er ein kriminell vorbelastetes Haus von der Treuhand erworben hatte, denn Aufbau hatte über Jahre ‚Plusauflagen‘ verkauft, also mehr Ausgaben von (West-)Büchern als von den Originalverlagen lizensiert waren. Bei der Treuhand wusste man bei Vertragsabschluss davon – Käufer und Neuverleger Lunkewitz wurde allerdings nicht informiert. Damit nicht genug: Erst einige Jahre und erfolglose Reklamationen später musste Lunkewitz auch noch erfahren, dass er den Verlag seinerzeit gar nicht hätte von der Treuhand kaufen können, denn diese war damals überhaupt nicht im Besitz des Verlages – sondern im Besitz des DDR-Kulturbundes. Davon wiederum wussten zwar verantwortliche Kulturpolitiker der Staatsführung – suchten aber einen 'sehr schnellen Dienstweg', um den Verlag via Treuhand aus einer drohenden Insolvenz in die Hände eines westlichen Unternehmers zu retten. Mit anderen Worten: Lunkewitz hatte, so ein Regierungssprecher Jahre später, de facto "eine leere Hülle" erworben. Seither kämpft der damalige Investor und Verleger vor Gericht gegen die Nachfolger der Treuhand – und letztendlich gegen die BRD. Es geht um die höchstrichterliche amtliche Feststellung der längst bekannten Sachverhalte sowie die Anerkennung eines Anspruches auf einen Schadensersatz in Millionenhöhe. Schon fünfmal wurde dieser Gerichtstermin mehr oder weniger ohne Begründung abgesagt – am 9. Juli 2021 soll er nun tatsächlich stattfinden. "Postwendend", wenn man so will.

Stab

  • Moderation - Jo Schück
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.