Crowdfundingdingsbums oder: die Masse als Mäzen

Der neue Weg, Kunst zu finanzieren

So manches spannende Filmprojekt ist gescheitert, weil die Macher keine Finanzierung erhalten haben. Um in Deutschland an die Fördertöpfe zu gelangen, braucht es viel Durchhaltevermögen und Kraft. Die Wege sind kompliziert und langwierig. Einige Künstler brechen aus der Welt der Medienboards und Senderfinanzierungen aus. Sie lassen sich ihre Kunst von den Fans bezahlen, per Crowdfunding.

Screenshot zum Thema Crowdfunding
Screenshot zum Thema Crowdfunding Quelle: ZDF

Julia Marcell hat 2008 vorgemacht, wie es funktioniert. Die in Berlin lebende polnische Sängerin hat die 50.000 Euro für ihr Debütalbum von ihren Fans eingesammelt. Die Masse als Mäzen. Crowdfunding nennt sich diese Form der Finanzierung, bei der Jedermann über das Internet Geld in Kunst investieren kann.

Zustimmung testen, Geld sammeln

Marcell hat über die Plattform "Sellaband.com" nur drei Monate gebraucht, um ins Studio gehen zu können. Für sie war das auch der große Test, ob ihre Songs überhaupt beim Publikum ankommen. Und nicht nur dort stieß sie auf große Beliebtheit. Der Manager vom preisgekrönten Musiker Peter Fox und der Produzent der Band "Tocotronic" nahmen sich ihrer an. Jetzt hat sie sogar einen Deal beim Majorlabel Sony BMG bekommen. Ein voller Erfolg - über das Internet.

Julia Marcell
Julia Marcell Quelle: ZDF

Was in der Musik schon gang und gebe ist, kommt jetzt auch langsam beim deutschen Film an. Völlig neue Geschichten können jetzt erzählt werden. "Iron Sky" heißt ein deutsch-finnisches Projekt: eine Anti-Nazi Komödie, in der sich 1945 die Faschisten auf den Mond retten. 2018 kehren sie zurück. Absurd ist diese Verschwörungstheorie, in der Schauspieler Götz Otto eine der Hauptrollen spielt. So ein Film, sagt er, ließe sich niemals über eine reine Senderfinanzierung stemmen. Man müsse zu politisch korrekt sein. "Iron Sky" kostet sieben Millionen Euro. 1,2 Millionen sollen die Fans beisteuern, das meiste ist schon zusammen. Es ist das Ergebnis einer Arbeit von mehreren Jahren.

Wer investiert, bekommt etwas zurück

Deutlich schneller soll es bei "Hotel-Desire" klappen. In 80 Tagen wollen die Macher dieses Films 170.000 Euro zusammen bekommen. Neben Anna Maria Mühe und Herbert Knaup spielt Clemens Schick eine der Hauptrollen. Der Film passt in kein Raster: vierzig Minuten lang und der Inhalt ist speziell. Die Macher nennen ihren Film "Porneo", wollen sie doch den Sex im Film auf revolutionäre Art und Weise präsentieren. "Wir erzählen die Geschichte dann weiter, wenn meistens aufgehört wird zu erzählen", erzählt Schick. Dahinter stehen zwei erfolgreiche Produktionsfirmen - als Lockmittel viel nackte Haut. Sollte das Geld nicht zusammen kommen, geht es an den Filmnachwuchs.

Götz Otto in einem Szenenbild aus dem Film "Iron Sky"
Götz Otto in einem Szenenbild aus dem Film "Iron Sky" Quelle: ZDF

"Startnext.de" ist die deutsche Plattform für Crowdfunding-Projekte. Gerade jetzt, in Mitmach-Zeiten von Sozialen Netzwerken, ist dieses Konzept der Projektfinanzierung erfolgreich, meint Denis Bartelt. Der Dresdner ist einer der Initiatoren der Internetseite. Privates Fördern wird zum Kinderspiel. Es geht dabei nicht um große Summen. Fünf oder zehn Euro werden gerne genommen. Jeder, der investiert, bekommt etwas zurück. DVDs oder CDs mit dem Endprodukt, Eintrittskarten, persönliche Treffen mit den Machern oder eine Gewinnbeteiligung.

Ehrenamtliche Mitarbeit

Die Masse kann jeder mobilisieren, quasi von zu Hause aus. Beatrice Behn will im nächsten Jahr das erste "Internationale Comedy Film Festival" in Deutschland starten. 5.000 Euro braucht sie, um Filme und Komödien zu zeigen, die man so in Deutschland nie zu Gesicht bekommen würde. Alle machen ehrenamtlich mit, denn Crowdfunding bedeutet auch viel Arbeit. Wer Geld sehen will, muss ständig auf sich aufmerksam machen. Kunst mit Crowdfunding zu finanzieren ist mühsam, aber wirksam.

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