Darf man das?

Mit Thilo Sarrazin in Kreuzberg

Mitte Juli besuchte unsere Autorin Güner Balci zusammen mit dem höchst umstrittenen Autor und Berliner Ex-Senator Thilo Sarrazin den Bezirk Kreuzberg. Seine Zahlen und fragwürdigen Thesen zur Migration kennt man. Doch wie viel Kontakt hat er wirklich zu den Menschen mit türkischer und arabischer Einwanderungsgeschichte? Und was hat sich getan in dem einen Jahr seit Erscheinen seines Buches "Deutschland schafft sich ab"?

Güner Balci, Thilo Sarrazin bei den Aleviten
Güner Balci, Thilo Sarrazin bei den Aleviten Quelle: ZDF

Die Autorin Güner Balci erklärt uns: "Es war der Wunsch, einen Dialog zustande kommen zu lassen mit den Menschen, um die es geht, wenn von gescheiterter Integration die Rede ist."

Güner Balci im InterviewEs kam anders. Zunächst verliefen der Besuch und auch die Gespräche ungestört. Erst gegen Ende, vor einem Restaurant, wurden die Arbeiten von einzelnen Passanten lautstark kritisiert. Nach einem kurzen Gespräch schlug der Besitzer des Restaurants vor, es sei besser, den Besuch abzubrechen - um eine Eskalation zu vermeiden. Das Team entschloss sich, zum nächsten Drehort weiterzugehen.

Nicht als mediale Provokation geplant

Der Film über die Reaktionen auf Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" ein Jahr danach ist noch nicht gesendet, und schon Tage vorher steht das Urteil darüber für viele fest: Ein Kulturmagazin wie aspekte sollte, darf nicht, hätte niemals mit dem höchst umstrittenen Autor nach Kreuzberg gehen sollen, um dort den bisher fehlenden Dialog mit denen herbeizuführen, die eben dieser Autor in seinem Buch kritisiert.

Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung
Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Quelle: ZDF

Dies, obwohl Thilo Sarrazin dort verabredet war - mit einem türkischen Unternehmer, mit Vertretern der alevitischen Gemeinde und anderen, das Vorhaben also nicht als mediale Provokation, als "Überfall" oder Kampagne konzipiert war. Erst die darauf folgende Berichterstattung in vielfältigen Medien hat den Vorwurf einer "Inszenierung" erhoben.

"Notfalls im Streit"

Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, betont: "Nur im gegenseitigen Austausch, notfalls auch im Streit, lassen sich Hürden überwinden und Vorurteile abbauen." Längst ist das Thema Gegenstand einer hitzigen Debatte verschiedenster Interessengruppen geworden. Es geht um Diskussionskultur, es geht um Toleranz, es geht darum, wie und ob man überhaupt über einen Autor wie Thilo Sarrazin berichten sollte.

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