"Das Leben gehört uns"

Große Gefühle: Frankreichs Kino-Offensive geht weiter

Die Geschichte von Jérémie und Valérie ist eine irre und schöne, also eine ganz normale Liebesgeschichte. Bald nach ihrem Kennenlernen kommt Gabriel auf die Welt, und es beginnt die Zeit der Schlaflosigkeit. Irgendwann pendelt sich das Leben zu dritt ein. In ihrem Film "Das Leben gehört uns" erzählen Valérie Donzelli und Jérémie Belkaim ihre eigene Geschichte, von Liebe und Glück und wie sie mit einem Schlag herausgerissen werden aus dieser heilen Welt.

Jérémie Elkaïm und Valérie Donzelli in "Das Leben gehört uns"
Jérémie Elkaïm und Valérie Donzelli in "Das Leben gehört uns" Quelle: Prokino

Der kleine Gabriel, sagen die Ärzte, ist lebensgefährlich erkrankt. "Es klingt vielleicht seltsam, aber wir haben das nicht akzeptiert", sagt Jérémie Belkaim im aspekte-Interview. "Wir haben die Krankheit nicht akzeptiert und nicht die Art, wie plötzlich alle ringsum so einfühlsam und betroffen mit uns umgehen wollten." Valérie Donzelli ergänzt: "Und von Anfang an war klar: Wir werden kämpfen, und wir werden siegen."

Gefühle intensiviert

Doch was tun, wenn die Lage immer aussichtsloser wird? Natürlich kommt die Angst, die Ohnmacht, die Wut. Und wenn gar nichts mehr hilft: der schwärzeste Galgenhumor. "Selbst in einer so beklemmenden Situation hört man nicht auf, ein menschliches Wesen zu sein", so Jérémie Belkaim, "so haben wir es erlebt. Die Gefühle bleiben, die Begierden, der Humor, selbst die Lust auf ein gutes Essen." Valérie Donzelli: "Eigentlich haben wir erlebt, wie sich all unsere Gefühle intensiviert haben. Wir haben gelitten, aber uns auch unglaublich freuen können. Wir wurden aggressiver, aber zugleich sensibler. Unsere Sinne waren plötzlich enorm geschärft."

Jérémie Belkaim und Valérie Donzelli
Jérémie Belkaim und Valérie Donzelli Quelle: ZDF

Aber dann gibt es da ja auch noch die Familie, die besorgten Schwiegermütter, Omas und Opas. Wer ist nicht überfordert, wenn es um Leben und Tod geht. Manchmal ist einfach Wegrennen auch eine Lösung - vor allem wenn die Kraft fehlt, auch noch Optimismus zu verbreiten. Valérie Donzelli erinnert sich: "Plötzlich war da so eine Art Doppelrolle: Du musst für dein Kind kämpfen, aber dann auch die eigenen Eltern trösten. Früher haben sie für dich gesorgt, jetzt bist du diejenige, die sagt, wo es langgeht. Also: Wir brauchen jetzt Geld für die Klinik, wir verkaufen jetzt unser Haus und so weiter. Plötzlich sind die Eltern wie Kinder - und alle Rollen drehen sich."

"Verbunden wie niemand sonst"

Fünf Jahre lang müssen Valérie und Jérémie um das Leben ihres Kindes kämpfen. Dann das Wunder: Nach unzähligen Operationen ist die Krankheit ihres Kindes besiegt. Das, sagen sie, sei das größte Glück ihres Lebens. Und doch: Der Kampf, der die beiden so lange zusammengeschweißte, hat auch die Energie ihrer Liebe zueinander aufgebraucht. "Vater, Mutter, Kind, kleines Haus, heile Welt - Wir konnten da nicht einfach wieder zurück nach all dem", sagt Jérémie Belkaim: "Es war einfach so. Wir mussten uns trennen und jeder für sich neu anfangen. Aber natürlich sind wir miteinander verbunden wie niemand sonst. Und das bleibt auch so - für immer. Ich denke, es ist wegen dieser Stärke, die wir gewonnen haben."

Gabriel ist heute zwölf Jahre alt und vollständig geheilt. Er lebt abwechselnd eine Woche bei seiner Mutter und eine Woche bei seinem Vater. Als seine Eltern jetzt ihre Geschichte fürs Kino erzählten, durfte er bei den Dreharbeiten dabei sein. Den Film hat er mit Freunden im Kino gesehen. Seiner Mutter sagte er danach, er sei sehr stolz auf ihre Oscar-Nominierung, seinem Vater, der Film sei ganz okay.

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