Der große Abwesende

Pink Floyd-Gründer Syd Barrett

Pink Floyds Mitgründer und Songschreiber Roger Waters tourt diesen Monat mit "The Wall" durch Deutschland. Über seinen engen Schulfreund und Bandkollegen Syd Barrett sind kürzlich zwei Bücher erschienen.

Pink Floyd in den Sechzigern - das sind vor allem Roger Waters und Syd Barrett, die beiden sind seit ihrer Kindheit befreundet. Syd Barrett ist der kreative Kopf der Band. Er textet, komponiert, hat auch den Bandnamen kreiert. Vor allem prägt Barrett den experimentellen Stil der Band, den psychedelischen Rock.

Barrett ist der "crazy diamond"

Doch er ist nicht geschaffen für das Pop-Business, nimmt immer mehr Drogen, driftet ab und bekommt nach einer Überdosis LSD einen schizophrenen Schub. Nach nur drei Jahren muss er die Band verlassen. Trotzdem geistert er bis heute wie ein Phantom durch Pink Floyds Musik. "Barrett war enorm entscheidend, aber nur, weil er ihnen nicht mehr aus dem Kopf ging", so der italienische Autor Michele Mari, der die Geschichte von Syd Barrett nun aufgeschrieben hat. "Sie waren wie besessen von ihm - so weit, dass sie nichts erschaffen konnten, was nicht mit ihm zu tun hatte. Dahinter stand ein extrem schlechtes Gewissen - ein Schuldgefühl."

Noch Jahrzehnte später erscheint Barrett bei Roger Waters Konzerten auf der Leinwand. Er ist der Diamant im späteren Hit "Shine on you crazy diamond". "Der Song beschreibt, wie ich den Zerfall seiner Persönlichkeit erlebt habe", sagt Roger Waters, "und mein Bedürfnis damals und heute, ihn und sein Talent zu ehren, aber er soll auch meine Liebe für ihn zeigen." Schon früh experimentiert Syd Barrett mit Drogen. Später - da ist er schon fünf Jahre nicht mehr bei Pink Floyd - besingen die restlichen Bandmitglieder seinen kaputten Blick, die Augen wie schwarze Löcher im Himmel.

Bewegungslos vorm Fernseher

Mari beschreibt eine gespenstische Szene in seinem Buch: Gerade als die übrigen Bandmitglieder sein Lied im Studio aufnahmen, sahen sie plötzlich am Fensters einen dicken, kahlköpfigen Mann. Waters erinnert sich: "Ich habe ihn überhaupt nicht wiedererkannt - und die anderen auch nicht." David Gilmour erzählt: "Ich habe ihn nicht erkannt, er hatte sich alles, auch die Augenbrauen rasiert, war fett geworden." Richard Wright erkannte ihn nicht: "Es hat uns völlig fertig gemacht, Roger hatte Tränen in den Augen. Ich habe geheult, es war total schockierend." In Alan Parkers Film "The Wall" spielt Bob Geldof den ausgebrannten Rockstar "Pink" - viele Szenen erinnern an Syd Barrett, tagelang saß er bewegungslos vor dem Fernseher.

Eine desaströse Amerika-Tour Anfang 1968 ist das Ende von Syd Barrett bei Pink Floyd. Da hatte Roger Waters bereits David Gilmour als Ersatz in die Band geholt. "Ich habe Syds Parts gelernt, gespielt und seine Songs gesungen", erinnert sich Gilmour. "Syd stand einfach daneben, manchmal spielte er, manchmal nicht. Sehr seltsam." Syd geht von der Bühne und wird zum großen Abwesenden, der irgendwie doch anwesend bleibt. "Roger Waters hat Syd immer beschützt wie einen kleinen Bruder", so Michele Mari. "Aber als Bandleader hat er die Verantwortung übernommen für sein Ausscheiden, indem er Gilmour holte."

Mit 22 schottet er sich ab

Maris Roman "Mr. Pink Floyd" ist eine irre Mixtur von erfundenen Zeugenaussagen, Geständnissen und Klagen aus dem Jenseits. Alle sprechen, nur Syd Barrett nicht. Und doch ist er in Maris Roman lebendiger als in jeder Biografie. Mit 22 Jahren geht Syd Barrett zurück in seine Heimatstadt Cambridge und schottet sich ab - für immer. Er sammelt Gitarren, die er nie mehr spielt. Und er malt - wie schon in seiner Kindheit. Viele Bilder fotografiert er und zerstört sie dann. 2006 stirbt Barrett. Sein Tod heizt den Mythos um ihn neu auf - jetzt erst, 2011, sind die besten Bücher über ihn erschienen.

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