Der Jäger und seine Beute

Gesteht Himmlers Helfer?

Frage Mark Gould: "Herr Dr. Frank, was halten Sie von Heinrich Himmler?" Bernhard Frank: "Gute Frage, Himmler hat mich verwöhnt, noch und noch, er hat mich geliebt, wenn er mich sah, hat er gestrahlt." Dr. Bernhard Frank war Mitglied des Kommandostabes Reichsführer SS, dem Kernteam um Heinrich Himmler. Frank war der Liebling des Organisators des Holocaust, ein Schreibtischtäter mit Doktortitel.

Er entging nach dem Krieg jeder Bestrafung und blieb bis heute ein reueloser Nazi. 97 Jahre alt, lebt er in der Nähe von Frankfurt. Vor einigen Jahren veröffentlichte er seine Autobiografie, als "Hitlers Kommandant". So offen wie eingangs hat Frank bisher nie gesprochen. Dazu gebracht hat ihn der Amerikaner Mark Gould. Denn Frank glaubt, dieser sei ein Nazi-Sympathisant.

Mark Gould taucht in die deutsche Neonaziszene ab

Es beginnt vor 13 Jahren: Gould kauft in den USA die Pistole von Herrmann Göring. Hier kommt Frank ins Spiel, denn Frank erhält am Kriegsende von Hitler den Befehl, Göring zu töten. Dieser entkam - und wurde von einem amerikanische Offizier verhaftet (Dieser Offizier wurde später Rabbi und ein Freund des Adoptiv-Vaters von Mark Gould). Gould erfährt, dass Bernhard Frank noch lebt, nun will er alles von ihm erfahren. Dazu taucht er in die deutsche Neonaziszene ab, erwirbt sich dort eine Glaubwürdigkeit als bekennender Nazi. Gleichzeitig stöbert er in Militär-Archiven und rekonstruiert Franks Aufgabe: die Herausgabe der Befehle, die Bearbeitung der Kampfesberichte, die "Bereinigung" aller ermordeten Juden für das Kriegstagebuch der SS.

Frank wird so der erste Holocaustleugner. Mark Gould findet 120 Dokumente, die Franks Unterschrift tragen. Mit diesem Wissen interviewt er ihn über vier Jahre, und Frank erzählt ihm schlichtweg alles, zeigt ihm seine privaten Kriegs- und Nachkriegsdokumente, darunter die Liebesbriefe an seine Frau sowie eine vorbereitete Mappe mit Unterlagen und Aussagen befreundeter SS-Leute - für den Fall seiner Verhaftung in der Nachkriegszeit. Mark Gould: "Ich glaube, er hat mir aus Geltungsbedürfnis so viel enthüllt. Er wollte Anerkennung für seine Taten. Er gab niemals an, hat sich nicht gebrüstet, wie wichtig er war. Generell, bezüglich seiner Beziehung zu Hitler und Himmler, ja, dort hat er viele kleine Anekdoten erzählt und mir immer gesagt, alle diese Leute waren großartig. Da gibt es überhaupt keine Frage, jeder war ein guter Mensch."

Der Kommandobefehl von Dr. Frank

Dann zeigt Mark Gould Herrn Dr. Frank ein Dokument vom Juli 1941: Der Kommandobefehl für die "Säuberungsaktionen" in den ukrainischen Pripjet-Sümpfen. Sie führen zur ersten systematischen Ermordung von 100.000 Juden. Das Dokument trägt Franks Unterschrift. Bernhard Frank: "Ein Himmler-Befehl, den ich bestätigt, den ich nur bestätigt habe. Aber wenn ich ihn so sehe, auch der Himmler-Befehl ist meines Erachtens nicht anfechtbar." Ein weiteres Dokument vom September 41, die Richtlinien der "Säuberungsverbände", es empfiehlt die Vernichtung aller Juden.

Gould rekonstruiert, dass Frank dieses Dokument auch selbst verfasste. Er signiert wiederum "f.d.R.", "für die Richtigkeit". In den Augen Goulds heißt das mehr als nur Rechtschreibung. Mark Gould: "Frank unterschreibt den Befehl. Frank würde sagen: 'Ich habe es getan, ohne es getan zu haben.' Es wird ausgeführt, ohne dass jemand die Verantwortung trägt. Strafverfolger haben die Formel "f.d.R." immer beiseite gewischt. Dies halten viele, in der Presse und auch in Teilen der Wissenschaft, für eine maßlose Übertreibung. Man reagiert mit scharfen Worten und vielen Vorwürfen. Es scheint, Gould habe den Verhaltenskodex der Nazijäger verletzt.

Dr. Frank - eine belanglose Figur?

Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Center: "Hören Sie, es scheint, Herr Gould ist bedacht auf Ruhm und Geld, mit einem Buch, einem Film, und will diese Sache als eine große Errungenschaft zu präsentieren. Dass er sich als Neonazi ausgibt, mag interessant sein, mag Aufmerksamkeit erzeugen, aber er hat keinen wichtigen Verbrecher des Dritten Reiches gefunden. Im Grunde hat er eine vollkommen belanglose Figur zu einem Hauptverbrecher gemacht - was hier gar nicht der Fall ist." Abseits dieser Verstimmungen offenbart der Fall Bernhard Frank etwas Bedeutendes: Der Holocaust begann mit Massenerschießungen, ausgeführt durch drei Brigaden der SS (insgesamt 20.000 Mann). Erst als dies für die Täter zu anstrengend wurde, suchte man nach effizienteren Methoden.

Die Genese des Holocaust lässt sich über Franks Schreibtisch genau rekonstruieren, auch wenn er "nur dort" ein Täter war. So gesehen ist der Fokus auf Frank ein wichtiger Beitrag zur Forschung. Am Ende offenbart Gould Frank seine wahre Identität: Er ist sein Feind, 24 Mitglieder seiner Familie wurden bei den Säuberungen ermordet. Frank verfällt in Apathie, kann sich an nichts mehr erinnern. Holocaust? Davon weiß ich nichts, sagt Himmlers Liebling.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet