Der Prinz und sein Gärtner

Ein Rheinländer macht die Wüste grüner

Seine Gärten zieren saudische Geldscheine: Richard Bödeker, aus dem Neanderthal bei Düsseldorf. Seit fast 40 Jahren gestaltet er die Landschaft in und um die saudische Hauptstadt Riad.

Ein "arabisches Stonehenge" aus Sandsteinklötzen hat in die Landschaft gesetzt: "Das sind die so genannten "Kings Seats'", erklärt er. "Der König war nicht gerade ein schlanker Typ und wir dachten, das wäre vielleicht das richtige, hier mal die Königssessel zu bauen." Die Klötze waren übrig geblieben, als Albert Speer junior in den Siebzigern das Diplomatenviertel von Riad baute - es war Bödekers Einstieg in Arabien.

"Unreines Wasser" für die Pflanzen

"Wir sind hier dazugestoßen und haben das als Masterplan entwickelt und dann auch gebaut", erzählt er. "Wir hatten das große Glück, dass wir die Landschaft und Gärten vor den Häusern bauen konnten." Zunächst entstanden die Parks, dann die Gebäude - ideale Bedingungen. Gleich der erste große Auftrag brachte Bödeker und seinem britischen Partner David Elsworth den renommierten "Aga Khan Preis". "Man muss sich vorstellen, das war hier alles wie eine Mondlandschaft", sagt Elsworth, "eine Wüste - und keiner konnte sich vorstellen, dass es heute so schön werden könnte, wie es jetzt ist."

Das Gewächshaus war das erste Gebäude im Diplomatenviertel: eine Baumschule für Wüstenpflanzen, gegossen wird bis heute mit Abwässern der Diplomaten."Da musste erst ein Tabu gebrochen werden, dass unreines Wasser noch mal verwendet wir", erzählt Richard Bödeker, "es ist so, dass ein Mensch, wenn dessen Abwasser recycelt wird, sechs Bäume ernähren kann. Eine Millionenstadt mit sechs Millionen Bäumen kann so schön sein - in der Wüste."

Abgegraste Landschaften begrünen

Mit dem Ölboom kamen in den 70er Jahren Beton und Autos - man wollte modern sein. Bödeker hielt dagegen, er ließ die 16-spurige King Fahad Straße unter die Erde und darüber Parks legen. Aus dem verdrängten Grundwasser sind Seen entstanden. Wer in solchem Maßstab plant, braucht in Saudi-Arabien Freunde in hohen Positionen. Bödekers Pate war Dr. Mohammed Al Sheikh, Spross des Gründungsfamilie Saudi-Arabiens und damals Stadtplanungsminister. "Sie waren alle geschockt, als ich mich gegen Beton und für Gärten eingesetzt und mich völlig auf die Seite der Landschaftsplaner geschlagen habe", erinnert sich Al Sheikh. "Seitdem kommt Richard immer zu mir, wenn es Streit gibt."

Wasserspiele als Attraktion und Statussymbol hat Bödeker bauen lassen - und das, obwohl Riad am Tropf der Entsalzungsanlagen hängt und das Wasser über hunderte Kilometer hergeschafft werden muss. Immerhin: Mit dem Abwasser der Millionenstadt ist ein kilometerlanges Naherholungsgebiet im Wadi Hanifa geschaffen worden. Bödekers größte Herausforderung heute ist, ein sprichwörtlich abgegrastes Gebiet - so groß wie Deutschland - wieder zu begrünen. Aber so ein Landschaftsarchitekt in Saudi-Arabien kümmert sich natürlich auch um die Gärten der Prinzen - zum Beispiel um den von Prinz Sultan bin Salman. In den 80ern flog er als erster Muslim ins All, heute ist er Chef der Archäologie und Tourismusbehörde. Tourismus ist hier eher innersaudisch gemeint - seit Jahren gibt es kaum Touristen-Visa.

"Richard von Arabien"

Bödeker hat für Prinz Sultan den ehemaligen Palast König Fahads in Al-'Udhaibat umgestaltet. Noch wird dort gebaut, da plant der Prinz schon eine weitere Farm. Bauen gehört eindeutig zu den Hobbys eines Prinzen. "Wenn du Richard zum ersten Mal triffst, weißt du sofort, dass du ihn behalten willst", sagt Prinz Sultan, "er liebt und kennt dieses Land, hat viele wunderschöne Dinge für Saudi-Arabien gemacht und macht es noch. Wir holen ihn immer wieder aus dem Ruhestand zurück", sagt der muslimische Astronautenprinz über seinen Gärtner aus dem Neanderthal. Und dann hat er auch noch einen neuen Titel parat: "Für mich ist er 'Richard von Arabien'".

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