Der Sündenfall der liberalen Republik

Dokumentationen über den Missbrauch an der Odenwaldschule

Die Odenwaldschule galt fast 100 Jahre als Eliteinternat und als das Flaggschiff der Reformpädagogik. Doch die ländliche Idylle ist auch ein Tatort: Während man den Schulleiter Gerold Becker als charismatischen Superlehrer feierte, ließ dieser alle Formen des sexuellen Missbrauchs zu und beging sie selbst.

Odenwaldschule in Heppenheim
Odenwaldschule in Heppenheim Quelle: dpa

Unter ihm entwickelte sich die demokratische Vorzeigeschule in ein "Nest von Pädophilen", so der offizielle Abschlussbericht zweier Juristinnen. 120 Opfer sind bisher bekannt, die Dunkelziffer wird weit höher geschätzt.

Der deutsch-britische Filmemacher Christoph Röhl, 1989-91 Englisch-Assistent an der Odenwaldschule, im Gespräch.

25 Jahre sexuelle Gewalt

Der deutsch-britische Filmemacher Christoph Röhl, 1989 bis 1991 Englischassistent an der Odenwaldschule, lässt in seinem erschütternden Dokumentarfilm "Und wir sind nicht die Einzigen" viele Betroffene zu Wort kommen. Sie erzählen davon, was ihnen angetan wurde und welche Folgen der Missbrauch hat.

Der Frage, wie sich die sexuelle Gewalt über 25 Jahre erstrecken konnte, geht auch Christian Füller in seinem Sachbuch "Sündenfall. Wie die Reformschule ihre Ideale missbrauchte" nach. Präzise beschreibt er, wie die Täter die Reformpädagogik als perfekte Tarnung benutzten. Unter ihrem Deckmantel geschah, was man nie wieder zulassen wollte: wegsehen, nicht-wahr-haben-wollen, zum Komplizen werden.

Moralischer Bankrott

Für Füller ist der Fall Odenwaldschule der Sündenfall der liberalen Republik und der moralische Bankrott beinahe der gesamten reformpädagogischen Elite, die die Täter jahrelang schützte.

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