"Die Königin und der Leibarzt"

Über Aufklärung - noch vor der Französischen Revolution

Ein Kostümfilm! Der Cineast bekommt einen Schrecken: Schlösser, Kutschen, Bälle, Rüschenkleider? Rokoko auf der Leinwand! Was soll das? Zumal auf einem Festival, das sich als dezidiert politisch versteht. Die Überraschung: An Brokat, Perücken und Faltenwurf gewöhnt man sich schnell, dann stellt sich eine eigenartige Faszination ein.

Mikkel Boe Følsgaard und Mads Mikkelsen in "En kongelig affære - Die Königin und der Leibarzt"
Mikkel Boe Følsgaard und Mads Mikkelsen in "En kongelig affære - Die Königin und der Leibarzt" Quelle: Berlinale/Jiri Hanzl

Man beginnt zu assoziieren, nach geschichtlichen Mustern zu suchen: Dänemark 1762 - Syrien 2012, sicher: da liegen Welten dazwischen, aber es gibt Parallelen. Versuchte Umbrüche scheitern, weil die Herrschenden mit Perfidie ihre Privilegien verteidigen.

Von der Adelsmarionette zum Reformer

König Christian ist 17, als er den Thron besteigt. Er ist der absolute Souverän, seine Macht unumschränkt. Er macht eigenartigen Gebrauch von ihr. Er ist krank, gemütskrank: ängstlich, labil, brutal. Das macht ihn willenlos, zu einer Marionette des Adels und seiner Stiefmutter, die ihren leiblichen Sohn als Thornerben aufbauen will. Christian wird mit der englischen Prinzessin Mathilde Caroline verheiratet, eine Zweckehe, geschlossen aus politischem Kalkül. Mathilde ist 15, sie heiratet Christian in Abwesenheit, ohne ihn gesehen zu haben.

Der Feudalismus funktionierte damals wie ein geschlossenes System. Die Wirklichkeit dringt nur ein, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Krankheit ist eine Wirklichkeit, die sich schwer verstecken lässt. Der König braucht einen Arzt. Doktor Friedrich Struensee kommt an den Hof und macht etwas vollkommen Ungewohntes: Er begegnet den König wie einem Menschen, gibt ihm Selbstvertrauen, animiert ihn, von seiner Macht Gebrauch zu machen. So kommt es zu Veränderungen, die dem ganzen Land gut tun und damit die Stellung des Königs festigen. Die Folter wird abgeschafft und die Zensur, wirtschaftliche Reformen werden eingeleitet, die Privilegien des Adels beschnitten.

Politisch wie psychologisch aufgeladen

Struensee genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Königs, er ernennt ihn zum geheimen Kabinettminister, Dann passiert etwas, das alles wieder ins Rutschen, die Konsolidierung Dänemarks in äußerste Gefahr bringt: Nicht nur der König ist Struensee zugetan, die Königin verliebt sich in den Freund und engsten Berater ihres Mannes. Es entsteht so etwas wie eine 'menàge a trois'. Und es könnte sogar gut gehen. Denn der König beherrscht, seines eigenen und des Wohles des Landes wegen, seine Eifersucht.

Diese politisch wie psychologisch aufgeladene Situation beschreibt der dänische Wettbewerbsbeitrag "Die Königin und der Leibarzt" - ein mit Aplomb und großem erzählerischem Atem vorgetragenes Geschichtspanorama. Starke Schauspieler: Mads Mikkelsen ist Struensee, den wahnsinnigen König Christian spielt Mikkel Boe Følsgaard, Alicia Vikander die Königin. Im April kommt "Die Königin und der Leibarzt" in die Kinos.

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