Die Kontrolleurin

Jodie Foster führt wieder Regie

Es ist ein Duell der Blicke. Die junge FBI-Anwärterin gegen den abgebrühten Serienkiller. Hannibal Lecters stechend-prüfender Blick gegen den der Clarice Starling, kühl und entschlossen. Hin und her geht die Kamera. Bis Lecter den Blick abwendet, zu Boden schaut. Die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" - Foster geht als Siegerin aus diesem psychologischen Duell hervor.

"Ich spiele gern starke Frauen", sagt die 48-jährige Schauspielerin. "Diese Rollen ziehen mich an." Es sind Variationen eines Frauentyps, der Angst in Stärke verwandelt. Heldenrollen, die sonst von Männern gespielt werden. Zum Beispiel "Flightplan": Die Rolle - eine Passagierin und zugleich Triebwerksingenieurin - war zunächst für einen männlichen Protagonisten geschrieben worden. In dem Film kämpft sie - auf der Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Tochter - wie eine Löwenmutter.

Immer 200 Prozent

In "Die Fremde in dir" wird sie nach dem brutalen Mord an ihrem Filmpartner zur Rächerin im Dienste der Gerechtigkeit: Foster bekommt in Extremsituationen diesen entschlossenen Zug um ihre schmalen Lippen, man könnte fast sagen: verbissen. Wo andere 100 Prozent geben - bei ihr sieht es immer nach 200 aus.

Schon als Kind arbeitet Jodie Foster so hart wie eine Erwachsene. Die Mutter, alleinerziehend, vier Kinder, entdeckt das schauspielerische Talent ihrer burschikosen Tochter. Mit vier Jahren steht Jodie vor der Kamera, dreht Werbespots für Sonnencreme und Zahnpasta. Unzählige Auftritte in Fernsehserien und Spielfilmen machen sie zum Kinderstar. Schauspielunterricht hatte sie nie. "Ich war so eine Art Wunderkind", sagt sie heute. "Als Siebenjährige habe ich meine Familie ernährt. Ich sah Dinge, die nur für Erwachsene bestimmt waren - eigentlich hätte ich vieles von dem nicht verstehen sollen."

Keine Drogen, keine Skandale

In ihrer ersten Regiearbeit "Das Wunderkind Tate" wird Foster später die Geschichte eines hochbegabten Kindes erzählen. Sie selbst spielt eine unkonventionelle Mutter, die dem Sohn den Rücken stärkt - ganz wie ihre eigene. Der Film ist ein Abbild ihrer eigenen Jugend, ihrer Einsamkeit in einer erwachsenen Welt.

.Die Erfahrung der Einsamkeit ist bis heute für sie prägend: "Als wir ¿Die Fremde in dir' gedreht haben, lag ich nachts um drei im Prospect Park in Brooklyn in einer Blutlache, mit 75 Leuten um mich herum. Die können gar nicht wissen, was ich da durchmache. Diese Banalität und zugleich diese Schwere. Schauspielern ist großartig, weil es allein dir gehört. Auf der anderen Seite ist es etwas sehr Einsames." Jodie Foster ist einer der wenigen Kinderstars, die den frühen Ruhm unbeschadet überstanden. Keine Drogen, keine Skandale, das Privatleben immer streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Mit 13 bekommt sie ihre erste Oscarnominierung für ihre Rolle als Kinderprostituierte in "Taxi Driver". Im Film läuft ein Taxifahrer, gespielt von Robert de Niro, Amok, will einen Politiker töten.

Erster Oscar mit 26

Das Leben imitiert die Kunst: Angeregt von "Taxi Driver" will der besessene Foster-Fan John Hinckley seinem Idol imponieren - und schießt 1981 auf US-Präsident Ronald Reagan. Foster zieht sich zurück, geht auf's College. Was sie macht, macht sie mit Perfektion: Ihr Literaturstudium in Yale schließt sie magna cum laude ab. Es verstärkt ihr Image als die Intellektuelle von Hollywood. Foster spielt mit dem Gedanken, sich in Zukunft auf die Literatur zu konzentrieren.

Dann,1987, "Angeklagt". Der Film, der sie dazu brachte, in Hollywood zu bleiben. Die Handlung: Eine junge Frau wird Opfer einer Massenvergewaltigung. Eine Rolle, die Jodie Foster im Nachhinein zu ihren schwächeren zählt: "Ich verstand nicht, was ich da tat. Das Skript hatte ich nur einmal gelesen. Ich war völlig unvorbereitet. Als ich den fertigen Film sah, schämte ich mich - ich war so schlecht." Die Oscar-Akademie hingegen fand Fosters Darstellung überragend, krönte die damals 26-Jährige mit ihrem ersten Oscar. "Angeklagt", die Geschichte einer verletzten, gedemütigten Frau, die ihre Opferrolle schließlich überwindet. Eine Krise, die überwunden werden muss - dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden auch durch Fosters Regiearbeiten: "Nur durch Krisen entwickelt man sich weiter. Sie geben einem die Chance, der Mensch zu werden, der man sein will."

Sie will Fäden ziehen, dirigieren

Auch in ihrer jüngsten Regiearbeit, "Der Biber", geht es um eine existenzielle Krise. Firmenchef Walter, gespielt von Mel Gibson, ist einsam und depressiv. Zu allem Überfluss hat ihn seine Familie rausgeschmissen. Er versucht, wieder mit seiner Frau und den beiden Söhnen ins Gespräch zu kommen - mit Hilfe einer Handpuppe. Was zunächst wirkt wie Kasperltheater, wird unter Jodie Fosters Regie ein ungewöhnliches, berührendes Familiendrama. Mit "Der Biber" ist Jodie Foster zu dem zurückgekehrt, was ihr am meisten Spaß macht: Regie führen. Fäden ziehen, kontrollieren: "Wenn ich die großen Entscheidungen treffe, fühle ich mich am wohlsten. Es hilft mir, nachts gut zu schlafen."

Nach 45 Jahren im Geschäft plant sie jetzt ihre Zukunft - als grandiose Alte: "Mit 70 werde ich ein riesiges Comeback als Schauspielerin feiern! Ich werde dann Rollen spielen können wie Simone Signoret oder Gena Rowlands - all diese fantastischen älteren Schauspielerinnen." Und sie freut sich diebisch: "Vielleicht bin ich dann die einzige, die diese Rollen spielen kann, weil ich nicht komplett mit Botox aufgespritzt bin."

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