Die Liebe zum Monster

Der umstrittene Kinderschänder-Roman "Tiger, Tiger"

In ihrem Erinnerungsbuch "Tiger, Tiger" berichtet Margaux Fragoso minutiös auf 455 Seiten von der längsten Beziehung ihres Lebens - die mit sieben Jahren begann.

Margaux ist sieben Jahre alt, als sie Peter im Schwimmbad zum ersten Mal sieht. Peter ist nett, und mit ihm ist es nie langweilig. Natürlich ist er viel größer als sie - er ist ja auch schon über 50. Aber das merkt man nicht. Jeden Tag Punkt 14 Uhr machen sie ihre Tour durch die Stadt.

Sie möchte, dass er sie lieb hat

Peter kauft immer die genau die CDs, die sie am meisten mag, Madonna vor allem. Dann vergisst sie, an zu Hause zu denken, an die Kakerlaken, den ruppigen Vater und das, was die Nachbarn die psychische Störung ihrer Mutter nennen. Am liebsten wäre sie immer mit Peter zusammen.

Peters großes Haus ist wie ein Dschungelparadies. Die Weihnachtsdekoration wird niemals weggeräumt - ihr zu Liebe. Und Peter liebt Tiere, genau wie sie, Finken und Sittiche, den kuschligen Hund Paws und seine Leguane. Wenn Peter sie küsst und ihr mit seinem Mund das Atmen schwer macht, spielt sie Schneewittchen und liegt ganz starr. Manchmal bittet er sie, ihn anzufassen. "Wenn du nicht willst, musst du nicht", sagt er zu ihr. Aber sie weiß schon, dass er sonst schmollt. Und sie möchte nicht, dass er sie nicht mehr lieb hat und nach Hause schickt.

Verstörend zwiespältiges Buch

An manchen Nachmittagen lesen sie sich aus "Lolita" vor oder schreiben ihre eigenen Geschichten. 15 Jahre lang bleiben sie zusammen, bis Peter in den Tod springt, weil seine kleine Prinzessin inzwischen 22 Jahre alt ist - eine Frau, mit der er nicht mehr schlafen will, weil sie kein Kind mehr ist.

Im kurzen Nachwort heißt es: "Wenn Menschen von Pädophilen reden, wollen sie ein Monster sehen." Margaux Fargoso dagegen sieht in dem Mann, der sie so viele Jahre missbraucht hat, einen "Meister der Selbsttäuschung". Einer, der sich einredet, niemandem geschadet zu haben. Auf die Frage aber, ob sie selbst Schaden genommen hat, gibt sie - das macht ihr Buch verstörend zwiespältig - keine Antwort.

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