Die Nuller Jahre

Wir sind pleite, aber immer online!

Das erste Jahrzehnt ist bald Vergangenheit - der Jahreswechsel liegt vor uns. Die "Nuller-Jahre" im beginnenden 21. Jahrhundert haben uns in jeder Hinsicht rasant beschleunigt. Wir telefonieren, mailen, simsen, chatten, skypen, twittern rund um die Uhr, an und von jedem Punkt unserer neuen digitalen Welt. Ohne Google wären wir heute hilflos. Wir würden wahrscheinlich keinen Handwerker mehr finden, geschweige denn eine Pizza bestellen können.

Twitter auf dem Display eines I-Phones Quelle: ap

Der moderne Mensch ist permanent im Netz: "Wir sind online", "wir googlen mal schnell" oder "klären die Sache bei Wikipedia" - das ist unser neuer Alltag. Das Leben im Netz vergeht schnell, in Echtzeit, anonym und allein. Nun heißt es, die Welt sei ein globales Dorf geworden. Rücken wir wirklich zusammen oder twittern wir nur digital aneinander vorbei? Mal ehrlich: Verbindet uns nicht eine tiefe Hassliebe mit dem Netz als Freund und Feind, Zeitfresser und Beschleuniger zugleich?

"Crisotainment" der Medien

Neue unbegrenzte Verfügbarkeit und unübersichtliche Fülle bringen neuen Stress. Uns plagt die ständige Sorge, etwas zu verpassen oder zu vergessen. In den ersten zehn Jahren dieses 21. Jahrhunderts haben wir mit D-Mark, Raucherabteil, VW-Käfer, Palast der Republik viele weitere Gewissheiten verschwinden sehen. Dafür sind Abwrackprämie, Bionade, iPhone und neue Konflikte, ob an den Finanzmärkten oder in Afghanistan, hinzugekommen. Die westlichen Staaten taumeln in die Pleite, aber wir sind dabei - live, pausenlos und stets online.

Zukunftsforscher Matthias Horx im Gespräch

Bloß kein Kulturpessimismus, warnt Matthias Horx, Autor, Soziologe und Zukunftsforscher. Die Welt stecke voller Angst, die Medien machen "Crisotainment", um die Zuschauer vor die Geräte zu locken und Einschaltquoten einzufahren. Diese mediale Erregungskultur führe in die Sackgasse und verdecke die riesigen Chancen, die uns die Neuen Medien böten. Zurück zu den Wurzeln, fordert Horx, rein ins Netz, die Zukunft sei mit einem einfachen Mausklick machbar, auch wenn das nächste Jahrzehnt "ganz sicher" unruhiger und krisenanfälliger werde.

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