Die Queen von Hollywood

Helen Mirren im Porträt

Sie hat bereits einen Oscar, Emmies, Golden Globes, Ehrendoktorwürden und sogar den Ritterschlag ihrer Königin: die Schauspielerin Helen Mirren. Sie hat mit uns über ihre beispiellose Karriere gesprochen. Ob als Lady Macbeth, Kriminalkommissarin Jane Tennison, Chefredakteurin, Queen oder russische Furie - Helen Mirren auf der Bühne oder Leinwand ist ein Ereignis.

Helen Mirren als Sofya Tolstoi in "Ein russischer Sommer" Quelle: Warner

In ihrem neuen Film "Ein russischer Sommer", der Ende Januar in den deutschen Kinos startet, spielt sie furios die exzentrische Ehefrau von Leo Tolstoi. Geradezu opernreif spielt sie Sofia Andrejewna, die sich hintergangen fühlt. "Im Film geht's sonst immer um kleine Gesten und darum, sowenig wie möglich zu tun - es war großartig, hier endlich mal so theatralisch spielen zu dürfen", so Helen Mirren im aspekte-Interview.

Die britische und die russische Seite


Tolstoi will seine Werke dem Volk statt der Familie vererben. Sofias Gefühlsausbrüche sind legendär. "Schön, dann werd ich hinuntergehen und mich vor den Zug werfen. Madame Tolstoi stirbt wie Anna Karenina, das wird der Presse gefallen", so Mirren als Sofia Tolstaja in einer Filmszene. "Ich selber bin übrigens überhaupt nicht so", sagt Mirren. "Ich bin eher der Typ, der sich beleidigt und still in eine Ecke verzieht. Deshalb bin ich auch ein bisschen neidisch auf Menschen, die ihre Gefühle so ausleben können." Dabei ist die Rolle der Sofia Andrejewna Tolstaja sogar ein Blick in Mirrens eigene Familiengeschichte. "Ich bin Halbrussin, ich sag im Spaß immer 'von der Hüfte abwärts', weil ich so stämmig bin. Mein Vater ist in Russland geboren, mein Familienname war ursprünglich Mironow."

Helen Mirren im Interview (engl.)

Ihre britische Seite hat Mirren glanzvoll bewiesen: Diese Frau kann praktisch königlich in allen Varianten: Verzweifelt als Queen Charlotte. Pompös und streng als Elizabeth die Erste - unvergesslich ist ihre Meisterleistung als Elizabeth die Zweite: die reservierte Queen, die ihre Gefühle niemals zeigt und die Mirren dennoch aufblitzen lässt.

"Der Oscar macht keinen Unterschied"

Dafür erhält sie ihren ersten Oscar - und kommentiert diese Tatsache sehr unaufgeregt: "Wenn man einen Oscar gewinnt, wird man plötzlich immer als oscarprämierte Schauspielerin bezeichnet - wie so ein Ding, was dir ständig auf der Schulter sitzt. Die Leute nehmen dich plötzlich anders wahr. Für mich selbst aber macht es gar keinen Unterschied. Ich gehe mit der gleichen Einstellung wie vorher an die Arbeit."

Bereits mit sechs Jahren beschließt Mirren, dass sie eine große Schauspielerin werden will. Sie schafft es mit 19 zur Royal Shakespeare Company in London. Nackt gibt sie ihr Filmdebüt, in "Das Mädchen vom Korallenriff". Schnell folgt mehr - ihr Auftritt als Zauberin Morgana in "Excalibur" ist Kult.

Die "Dame Helen" bedeutet ihr etwas

Doch ihre längste und vielleicht auch berührendste Rolle war die einer kämpferischen Kriminalkommissarin in der Fernsehserie "Heißer Verdacht". 15 Jahre lang ermittelt sie als Jane Tennison. Anfangs kämpft sie gegen die Männer, am Ende gegen den Alkohol. "Obwohl ich ja immer auch viele andere Sachen gemacht habe, wurde ich wegen des Erfolgs immer mehr mit der Figur Jane Tennison identifiziert", sagt Mirren, "deshalb musste ich damit aufhören, ich wollte nicht, dass es bei meinem Tod heißt: Jane Tennison ist gestorben."

Helen Mirren ist eine der vielseitigsten Schauspielerinnen überhaupt. Auch dem Theater ist sie bis heute treu geblieben. 2003 wurde die Immigrantentochter von der Queen zur "Dame Helen" geadelt. "Das war eine große Ehre, dass mein Land meine Arbeit anerkennt und sich in dieser Weise bedankt", so Mirren. "Und tief in meinem Herzen bedeutet mir das auch mehr als ein Oscar. Sehr viel mehr." In Pension zu gehen wie Jane Tennison kommt ihr nicht in den Sinn. Im Juli wird Helen Mirren 65 - und sieben neue Filme mit ihr sind in Arbeit.

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