Die Renaissance des Alten Fritz

Countdown zum 300. Geburtstag

Brandenburg bereitet sich vor auf das große Jubiläumsjahr: 300 Jahre Friedrich der Große. Der Feldherr, der Aufklärer, der Kunstfreund - jeder kann nach seiner Fasson selig werden. 2012 ist es so weit: Für die Feier werden Bauten aufpoliert, sein Image auch? Im Neuen Palais plant man eine große Schau: Wie modern sind er und seine preußischen Tugenden? Wer war er wirklich, dieser Friedrich? Der Große?

Gemälde von Friedrich II. der Große Quelle: Ullstein/Lombard

Viele schreiben jetzt darüber Bücher, in einem spricht vor allem Friedrich selbst. Jens Bisky hat es zusammengestellt und nennt es "Unser König". Warum? "Weil Friedrich wirklich der Monarch ist, über den die Deutschen am meisten gestritten haben", sagt Bisky, "seltsamerweise spielte er immer eine Rolle, wenn ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte sich ereignete."

"Treue, Durchhalten, Siegen"

Nach dem Ersten Weltkrieg zum Beispiel: Die UFA-Filme mit dem "Friedrich-look-a-like" Otto Gebühr waren Kassenschlager. In dem Film "Flötenkonzert von Sanssouci" zeigt man ihn ebenso kunstbeflissen wie kaltblütig. In diesen Filmen war er der erfolgreiche Feldherr und König. "Nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine richtige Welle von Friedrich-Filmen", so Filmhistoriker Friedemann Beyer. "Es gab eine gewisse Nostalgie nach dem Kaiser, völkische Kräfte haben sich diese Figur zu Eigen gemacht." Veit Harlans Film "Der große König" prägt das Nazi-Bild von Friedrich. Preußische Tugenden im Nazi-Dienst: Treue, Durchhalten, Siegen. Nach dem Krieg war der preußische König, der Militarismus und die Tugenden dann verschrien.

Es war 1986 eine Sensation, dass die DDR zum 200. Todestag einen anderen Friedrich zeigte: den Kunstliebhaber. Museumsbesucher kommentierten das 1986 durchaus positiv: "Ich habe durch die Ausstellung überhaupt erst mal ein Bild von Friedrich II. bekommen." - "Ich finde es gut, dass wir das jetzt mal aufgearbeitet haben und ein objektives und normales Verhältnis dazu gefunden haben." Ein normales Verhältnis? Als nach der Wende der Leichnam Friedrichs an seinem Wunschort Sanssouci bestattet wurde, kam der Kanzler lieber nur als Privatmann. Fans und Gegner bekriegten sich am Sarg.

Wieder populär: Tugend Sparsamkeit

Deutschlands umstrittenster König sollte auf der Terrasse von Sanssouci endlich Ruhe finden. Doch manche beschwören wieder eine Auferstehung. Denn eine preußische Tugend wird dieser Tage wieder zum Schlagwort - diesmal ist es Sparsamkeit und Frau Merkel ist die Adressatin. Mehr Ähnlichkeit zwischen dem Alten Fritz und der Kanzlerin wünscht sich ein Banker und Preussenfan. Doch Friedrich taugt auch da kaum als Vorbild, das zeigt das Neue Palais mit all seiner Pracht. 20 Millionen Taler hat er hier verbaut.

Die Ausstellung "Friederisiko" über ihn soll nun einer Tugend dienen, die auch Friedrich verehrte: der Aufklärung. Aufklärung über ihn. "Alle kennen ihn, aber diffus", sagt Hartmut Dorgerloh von der Stiftung "Schlösser und Gärten". "Wir wollen Licht reinbringen und die Konturen schärfen. Friedrich ist durch die Vereinnahmung des Kaisers, in der Nazizeit, durch Otto Gebühr und die ganzen populären Filme eine Art Popikone geworden."

Vermarktungsgefahr

Friedrich war vieles, aber vor allem dies: machtbewusst und zielstrebig. Dafür setzten sie ihm das Denkmal, und damit wird er alle Moden überstehen. Auch die, die mit der Feier droht. "Die größte Gefahr ist, dass er vor den touristischen Karren gespannt wird, er zu Marketing-Zwecken genutzt wird und dann in Potsdam viele mit Krückstock oder Flöte herumstehen, um die Touristen zum Konsum zu animieren."

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