Die Schweiz des Orients

Die Kulturoffensive von Aserbaidschan

Gehört es noch zu Europa? Es ist sein östlichster Ausläufer, noch hinter der Türkei, unterhalb des Kaukasus. Jedenfalls macht es mit beim European Song Contest. Hat im letzten Jahr den ersten Preis errungen und wird im nächsten Frühjahr den nächsten Wettbewerb austragen: Aserbaidschan.

Klavierkonzert während des Festivals in Gabala
Klavierkonzert während des Festivals in Gabala Quelle: ZDF

Ein reiches Land, mit großen Öl- und Gasreserven. Ein armes Land, mit hoher Arbeitslosigkeit. Ein tolerantes Land, in dem Muslims, Christen, Juden friedlich zusammen leben. Ein intolerantes Land, in dem es keine Opposition gibt, Regimekritiker immer wieder im Gefängnis landen. Ein zwielichtiges Paradies - in dem im Moment alles möglich erscheint.

Kultur und Kapital

Nicht Kleckern, sondern Klotzen ist die Devise. Man arbeitet am Image, besinnt sich vergangener Zeiten, als Baku nicht nur das Mekka der Ölbarone, sondern auch eine Stadt der schönen Künste war. Wie lässt sich ökonomischer und kultureller Ehrgeiz miteinander verbinden? Mit einer Klavierfabrik! In Deutschland werden sie geschlossen, weil die Produktion zu teuer wird. Hier, bei einem Monatsverdienst zwischen 150 und 250 Euro, kann man so billig produzieren, dass trotz Frachtkosten, die Klaviere auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig sein können.

Hans Leferink
Hans Leferink Quelle: ZDF

Vorausgesetzt, man schafft es, sich das notwendige Know How ins Land zu holen. Das kommt aus dem alten Kerneuropa und ist personalisiert in Hans Leferink, dem Enkel des Gründers einer traditionsreichen holländischen Klavierfabrik: Beltmann. Damit sich die Marke herumspricht, hat man kurzerhand ein internationales Musikfestival gegründet.

Zum Festival nach Gabala

Das ist nicht in Baku angesiedelt, sondern drei Autostunden entfernt, in der alten Hauptstadt Gabala, am Fuße des Kaukasus, wo immer ein leichtes Lüftchen weht - also ein beliebter Urlaubsort für die aserbaidschanische "Haute Volée". Damit die nicht unter sich bleibt, entsteht dort gerade ein internationaler Flughafen.

So wird man in Zukunft überlegen, ob man in diesem Jahr vielleicht mal nicht nach Salzburg, sondern nach Gabala reist. Die Berliner Philharmoniker als Gastorchester sollen angefragt sein. Das ist kein Märchen aus 1001 Nacht, sondern - man reibt sich etwas die Augen - sichtbare und hörbare Realität.

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