Ein Tag mit Klimt

Zum 150. Geburtstag unterwegs in Wien

Eine ganze Stadt in Aufregung um Gustav Klimt, ihren größten Malerstar. Dieses Jahr wäre er 150 Jahre geworden. Wien veranstaltet ein Ausstellungsfeuerwerk: Zehn Museen, vom Kunsthistorischen über das Belvedere bis zur Secession, überbieten sich mit Sonderschauen zum Meister des Jugendstil.

Wer war Klimt, der Maler, den alle zu kennen glauben, eigentlich? "Wer über mich als Künstler etwas wissen will, der soll meine Bilder aufmerksam betrachten und daraus zu erkennen suchen, was ich bin und was ich will", sagte er selbst.

Als Pornograph beschimpft

Gustav Klimt mit Katze, ca. 1911
Gustav Klimt mit Katze, ca. 1911 Quelle: Moriz Nähr/Wien Museum

Klimt weckt Erwartungen. Sein Ruf eilt ihm voraus. Mit 28 bekommt er einen Traumauftrag für das Kunsthistorische Museum in Wien. Sein Job: Die Epochen der Kunst darzustellen. Wie er dann das Treppenhaus ausmalt, provoziert die Zeitgenossen. Sie beschimpfen ihn als Pornographen. Heute kaum vorstellbar, oder? Nacktheit war damals das reizvollste Tabu. Klimts Antwort auf die Kritik war die "Nuda Veritas", "Die nackte Wahrheit".

"Kannst du nicht Allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk. Mach es Wenigen recht. Vielen Gefallen ist schlimm." Dieses Schiller-Zitat schrieb Klimt auf sein Bild "Nuda Veritas" Was also war Klimt? Ein großer Erotomane? Er scheint heute ausgeschlachtet, als Abziehbild portionierbar. Doch hatte er keine Angst vor Sinnlichkeit und vor Klischees. Zum Beispiel dieses: Wen das Malergenie malte, den liebte er. Oder: Kunst gleich Leben. Und das Leben schwankt zwischen Sex und Tod.

Jugendstil-Vorreiter

Und natürlich die Muse. Seine hieß Emilie Flöge. Sie schneiderte Klimts Malerkutte und die Kleider des Wiener Jugendstil. Eine starke Frau, die Klimts Exzesse duldete. Welche Beziehung hatten sie tatsächlich? Von Klimts angeblich acht Kindern brachte sie keines zur Welt.

Gustav Klimt, Der Kuss, 1908
Gustav Klimt, Der Kuss Quelle: Belvedere, Wien

Der Tempel des Wiener Jugendstil ist die Secession - ihr Motto: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit". Klimt war Vorreiter, der nur noch dem Jugendstil frönen wollte. 1902 malt er drinnen den Beethoven-Fries, natürlich Frauen - eine Hommage an Beethovens Neunte. Das Publikum ist entsetzt. Die Ausstellung floppt, kein "Freude schöner Götterfunken" ...

Erfüllte Sehnsucht

Was schert's ihn. Klimt hat reiche Auftraggeber und kann endlich das Material benutzen, das ihn berühmt machen wird: Gold. Und den "Kuss" erfinden - die sinnlichste Darstellung von erfüllter Sehnsucht, dabei fast abstrakt. Angeblich zeigt es die Flöge und ihn.

Seine Totenmaske zeigt einen Menschen, der sich über eines sicher war: "Etwas wird bleiben." Der Zauber der Weiblichkeit, dem er in seinen Bildern Dauer verlieh. Oder um es mit Nietzsche zu sagen: "... alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet