Eine neue Edith Piaf?

Die französische Sängerin ZAZ erobert Europa

"Ich will kein Zimmer im Ritz", singt Zaz: "keinen Chanel-Schmuck, was soll ich mit einer Limousine?" Mit diesem Hit hat sie die Herzen der Franzosen erobert - und die Spitze der Charts über ein halbes Jahr gehalten. Selbst in Deutschland war ihr Konzert ausverkauft Obwohl sie ausschließlich in Französisch singt läuft ihr "Je veux" in ganz Europa rauf und runter.

"Ich kam gerade aus den Ferien in Spanien, da hörte ich mein Lied zum ersten Mal im Radio, an einer Tankstelle", erzählt ZAZ im Gespräch mit aspekte. "Mein Freund und ich guckten uns nur groß an - und konnten es nicht fassen. Klar, im ersten Moment denkst du, die Welt steht Kopf, jetzt wirst du ein ganz anderes Leben führen. Jedenfalls wird nichts so weiterlaufen, wie gewohnt." Mit einer Art kindlicher Energie und bisweilen eigenwilligem Auftreten animiert ZAZ ihr Publikum.

Vom Montmartre ins Studio

Eine Stimme an der Grenze zur Heiserkeit, fast schon brüchig, eine "voix cassée" nennt sie das selbst: "Diese Stimme habe habe ich vermutlich, weil ich immer das Bedürfnis hatte, mich auszudrücken. Und deshalb gebe ich wohl so viel Druck in meine Stimme. Also, ich rede laut. Und ich singe ja auch sehr laut. Zu laut vielleicht, denn das geht auf die Stimmbänder. Aber ich kann es nur so. Naja, und ich hab auch viel geraucht - also früher."

Der große Erfolg kam zwar über Nacht, aber professionell Musik macht Isabell Geffroy - so heißt ZAZ privat - schon seit der Schulzeit. Alles fing mit Klavierunterricht in Bordeaux an, dann griff sie zur Geige, zum Schlagzeug, bis sie wusste: ihr Instrument ist die Stimme. Vor fünf Jahren kam sie nach Paris, sang in Nachtclubs und Bars, meist ohne Mikro, trat mit Freunden auf der Straße auf. Im letzten Sommer traf sie dabei einen Produzenten, der eine rauchige Stimme suchte - und voilà, so entstand ihr erstes Album.

Singen über mehr als Liebe

Kurz darauf bejubelten sie die großen Pariser Zeitungen schon als die neue Piaf. "Natürlich vergleicht man neue Leute immer mit denen, die man schon kennt", sagt ZAZ. "Aber die Piaf hatte eine besondere Stimme und war ein besonderer Charakter. Sie gab einer ganzen Epoche eine Stimme und ein Gesicht. Und ja, natürlich ist es sehr schmeichelhaft für mich, mit ihr vergleichen zu werden."

ZAZ singt sogar ein berühmtes Chanson der Piaf - über ihr Viertel Montmartre, in dem auch die Piaf zuhause war. Beide schafften es von der Straße auf die große Bühne - aber viel mehr Gemeinsamkeiten sieht ZAZ nicht: "Die Piaf singt doch meistens von der Liebe, von Abhängigkeiten - und ich sehe mich ganz woanders. Mich interessieren einfach andere Themen. Die Tatsache, dass ich bekannt bin, gibt mir die Chance, auch inhaltlich Dinge ins Rampenlicht zu rücken, die mir wichtig sind."

Erbauungs-Lied für die Franzosen

In ihrem aktuellen Song "Le Long de la route" singt ZAZ darüber, sich selbst zu befreien, selbst zu entscheiden und fordert: Packen wir doch unsere Zukunft an, ohne ewig zu zweifeln. Eine Art Erbauungs-Lied für die Franzosen, die weltweit als die größten Pessimisten gelten. Vielleicht ist das - jedenfalls in Frankreich - ihr Erfolgsgeheimnis. Das könnte in Deutschland - auch ohne Text - funktionieren

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