Es wäre nicht der Untergang

Eine Eurozone ohne Griechenland ist vorstellbar

Ein paar simple Tatsachen sollte man sich gelegentlich in Erinnerung rufen: Dreihundert Millionen Europäer sind gerade noch fünf Prozent der Weltbevölkerung von sechs Milliarden. Ein Viertel aller Menschen sind Chinesen. Die größten Europäer Angela Merkel und Nicolas Sarkozy sind also mittelgroße Zwerge.

Aber sie tun, als sei Europa noch die Dame auf dem Schachbrett. Das ist lange her. Wenn es denn eine europäische Figur überhaupt gibt. Die elf Millionen Griechen wiederum machen nicht einmal fünf Prozent der europäischen Bevölkerung aus.

Wirtschaftsmacht Deutschland will führen

Aber wir glauben, entweder die Finanzklemme Griechenland könne unseren Wohlstand vernichten oder, andersherum, die Nichtrettung Griechenlands könne die europäische Einigung ruinieren. Beides ist Unsinn. So überempfindlich die Finanzmärkte auch sein mögen, die Welt der Europäer ginge nicht unter, wenn Griechenland aus der Eurozone aussteigt, und Frau Merkel irrt, wenn sie sagt: 'Scheitert der Euro, scheitert Europa.' Die Kanzlerin riskiert ja auch nicht das Ende der EU, weil Deutschland aus der gemeinsamen Energiepolitik aussteigt.

In den Worten der Kanzlerin klingen Untertöne mit: Da will die Wirtschaftsmacht Deutschland Europa führen. Die Verkürzung Europas auf den Euro ist so falsch wie früher die Dominanz der Agrarpolitik, die die Gemeinschaft lähmte. Die Hauptaufgaben Europas werden noch immer vernachlässigt. Die EU braucht eine gemeinsame Außenpolitik, gemeinsames Militär, gemeinsame Einwanderungspolitik, gemeinsame Umweltstandards. Die Wirtschaftskraft wird noch lange sehr unterschiedlich sein.

Demokratische Substanz gefährdet

Die wahre Krise Europas ist die seiner Regierungen, seiner 27 machtlosen Kommissare, seiner undurchschaubaren Institutionen und auch seiner schwachen Führer in Berlin, Paris, Rom, Budapest - fast überall. Darunter leidet die demokratische Substanz der Gemeinschaft. Denn sie verliert die Zustimmung der Europäer.

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