Forever Enthralled

Pathetisches Biopic mit zweifelhafter Botschaft

"Forever enthralled" - für immer verzaubert - heißt der Wettbewerbsbeitrag des chinesischen Regisseurs Chen Kaige. Nach "Lebewohl meine Konkubine" ist es sein zweiter Film über die Pekingoper und das dramatische Leben ihrer Sänger.

Mei Lanfang (gespielt von Leon Lai) hieß der wohl berühmteste Sänger und Darsteller von Frauenrollen in der Pekingoper, der vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis kurz vor der Kulturrevolution die Massen für sich begeisterte - auch außerhalb Chinas, bis hin zum Broadway. Zu seinen Fans gehörten Bert Brechtolt und Charlie Chaplin.

Formal und steif

Chen Kaiges Film ist ein "Biopic" von sehr langen 147 Minuten. Das Schicksal des Sängers, der Frauen wie Männer magisch anzog, wird episch und theatralisch, aber nicht wirklich eindringlich geschildert. Die tragische Liebe des verheirateten Stars zu einer jungen, bildschönen Sängerin von Männerrollen (sehr gut gespielt von Zhang Ziyi) nimmt den Zuschauer nicht wirklich mit, weil der Protagonist fast genauso formal und steif gezeichnet ist, wie die opulenten Masken der Pekingoper selbst.

Auch das Pathos der Erzählung mit der Botschaft "Wenn du eine besondere Begabung hast, musst du besondere Opfer bringen" ist für westliche Zuschauer manchmal schwer nachzuvollziehen. Dem Regisseur geht es um Darstellung und Pflege der Tradition, die er im modernen China so vermisst, sagt er. Leider verpackt er diesen Appell in zu viele und zu lange Dialoge. Die eigentlich interessante Geschichte ist zu episch und formalistisch auserzählt.

Heldengeschichte - parteikonform

Als Mei Lanfang sich am Ende dramatisch einem Auftritt vor den japanischen Besatzern entzieht, hat man den Eindruck, dass diese Heldengeschichte sehr gut in die Partei-Ideologie Chinas - gestern wie heute - passt. Anders als "Lebewohl meine Konkubine" von 1993, der in Cannes eine goldene Palme bekam, wird "Forever enthralled" dieses Jahr sicher ohne Bären heimkehren.

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