"Fürchtet euch nicht!"

Ein Blick zurück auf das Kulturjahr 2010

Es war das Jahr der sibirischen Schwertlilie und der Vogelkirsche, des Ameisenlöwen und des Dachses. Reformator des Jahres wurde nicht Angela Merkel sondern Philipp Melanchthon. Die Kunst huldigte Caravaggio und Frédéric Chopin war froh, seinen 200. Todestag nicht erlebt zu haben.

Blick aufs Meer

Aber der Reihe nach:


Januar: In Dubai wurde der höchste Turm der Welt eingeweiht. Der Burdsch Chalifa trotzt mit 828 Metern der Finanzkrise, sein Stahlskelett trug früher mal die Volkskammer der DDR. Wer hätte gedacht, dass aus dem Palast der Republik doch noch was wird?


Februar: Den wichtigsten Mann der diesjährigen Berlinale hatten sie nicht: Trotz Verlängerung reichte Roman Polanskis Fußfessel nur bis zur Schweizer Grenze. Dafür gab's Fritz Langs Metropolis endlich wieder in kompletter Länge. Bernd Eichinger plant eine Neuverfilmung, die Hauptrolle übernimmt Veronika Ferres.

Oscars in einer Reihe


März: Wir verabschiedeten uns von 13 Stadttheatern, zwei Landesbanken und den niederländischen Antillen. "Kopenhagen" wurde zum Unwort des Jahres gewählt. James Camerons "Avatar" räumte 15 Oscars ab, darunter in den Kategorien 'Bester computergenerierter Hauptdarsteller' und 'Bestes Ökodrama'. Einen Oscar gab's allein dafür, dass der Film nicht von Georg Lucas ist. Mit Michael Hanekes Drama "Das weiße Band" wurde auch Deutschland wieder Oscar. Für den US-Markt plant der Regisseur ein Remake: "A little village in Arkansas. A bust of violence. The white ribbon US. In 3D."


April: Theatersterben: Die Krise bedrohte die deutschen Bühnen. Claus Peymann hat es als Einziger kommen sehen. Trotz eilig beschlossener Kultur-Flatrate blieben die Säle leer. Zur Rettung wurden Kindergärten und Schulklassen zwangsrekrutiert. So konnte zumindest der Mangel an Erziehern aufgefangen werden.


Mai: Maxi Arland gibt Chopin-Konzerte.


Juni: Deutschland stand im Achtelfinale - das Kulturleben kam zum Erliegen. Wir verabschiedeten uns von den Malediven, Tuvalu und der Insel Mainau. Veronica Ferres stand als Mutter Teresa vor der Kamera. Das Kunstwerk des Jahres stammte von Damien Hirst.

Veronica Ferres


Juli: Die Berliner Schloss-Pläne platzten endgültig.


August: Das Sommerloch des Jahres entstand in Berlin. Aus Solidarität mit den Niederlanden wurde vor dem Roten Rathaus ein Becken ausgehoben, um den Meeresspiegel abzusenken. In Bayreuth inszenierte Hans Neuenfels. Verbraucherschützer warnten: Von 100 Gramm Lohengrin sind 70 Gramm Kohlenhydrate und 19 Gramm Fett.


September: Claus Peymann, Peter Stein und Klaus-Maria Brandauer gründeten die "Akademie der Meister" zur inneren Erneuerung des deutschen Sprechtheaters, wurden sich aber über den Vorsitz nicht einig. Wowereit fragte in Dubai nach, ob er den Palast-Stahl zurückhaben könne. Die Scheichs winkten ab. 13 Etagen wären schon vermietet. Selbst in Polen machte sich eine gewisse Chopin-Müdigkeit breit.

Montage: Berlinale 2010 mit Polanski


Oktober: Auch 2010 ging der Nobelpreis nicht an Peter Handke. Gewonnen hatte der afghanische Lyriker Assem Habib. "Seine elegische Schäferdichtung trifft den Nerv der Zeit", urteilte die Jury.


November: Daniel Kehlmann und Benjamin von Stuckrad-Barre outeten sich als uneheliche Söhne von Martin Walser. Er bekam das Bundesverdienstkreuz zum zweiten Mal. "Feuchtgebiete" wurde verfilmt. Veronica Ferres ließ sich bei den ekligen Stellen aber doubeln.


Dezember: LangLang schaffte den Minutenwalzer in unter 50Sekunden. Aber das interessierte bald eh niemanden mehr. In diesem Sinne: Ein gesegnetes Jahr 2010.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet