Fundamental demokratisch

Er war nicht nur in ästhetischer Hinsicht modern, sondern ebenso, was seine Überzeugungen betraf. Behnisch hinterlässt keine milden Alterswerke, er hat auch seine politisch engagierte Haltung, die sich nach seinen Erfahrungen in der Nazizeit gegen alles Totalitäre richtete, nie aufgegeben.

Transparent, leicht, zugänglich

Und darum ging es oft in seiner Architektur: um eine Art von Dezentralisierung. Behnischs Archiektur sollte, soweit möglich, keine Auftritte vorbereiten, keine Inszenierungen unterstützen, sie sollte zwar die menschlichen Sinne berühren, aber nicht vordergründig attraktiv sein. Der Plenarsaal in Bonn zeigt, wie Behnisch sich die Bundesrepublik vorstellte: transparent, leicht (um dieses in jüngster Zeit etwas überstrapazierte Wort zu gebrauchen), zugänglich und natürlich von Grund auf demokratisch.

Es ist kein Geheimnis, dass Behnisch die Berliner Architektur - und zwar alte, wie auch neue - hasste. Die wilhelminischen Hinterlassenschaften waren ihm zu hierarchisch, zu obrigkeitshörig, die neuen - wie etwa das Kanzleramt - zu überdimensioniert und aufmerksamkeitsheischend. Behnischs Akademie der Künste am Pariser Platz, das einzige gläserne Gebäude in einem historistisch-altmodischen Sandstein-Ensemble, ist ein ironischer Kommentar zu allem Großkotzigen in Berlin. Am 12. Juli starb Günter Behnisch 88-jährig in Stuttgart.

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