Gedrillt zum Erfolg

Amy Chuas Erziehungsratgeber "Die Mutter des Erfolgs" provoziert

Das Erziehungsbuch "Battle Hyme of a Tiger Mother" von Amy Chua, Jura-Professorin in Yale, hat in den USA eine Erziehungsdebatte ausgelöst, deren Heftigkeit ihresgleichen sucht.

Nachdem das Wallstreet Journal Anfang Januar einen Vorabdruck unter der Überschrift "Why Asian Mothers are Superior" veröffentlicht hatte, schlägt das Buch hohe Wellen; die Autorin, eine Amerikanerin chinesischer Herkunft, erhält sogar Morddrohungen. In ihrem Buch, das am Mittwoch auf Deutsch erscheint, berichtet Chua, wie sie ihre beiden Töchter Tag für Tag für den Erfolg gedrillt hat.

Bestechen und erpressen

Sie erzählt, dass sie ihren Töchtern verboten hat, bei anderen Kindern zu übernachten, Geburtstagspartys zu besuchen, Computerspiele zu spie-len, beim Schul-Theater mitzumachen oder gar eine schlechtere Noten als ein "A" mit nach Hause zu bringen.

Amy Chuas Kinder mussten mindestens zwei Stunden am Tag Klavier und Geige üben. Um das durchzusetzen, hat sie sie bestochen und erpresst, sie hat ihnen verboten, zur Toilette zu gehen oder damit gedroht, sämtliche Spielsachen an die Heilsarmee zu verschenken. Das Ergebnis: Eine ihrer Töchter wurde eine erfolgreiche Pianistin und trat sogar in der Carnegie-Hall auf.

Zweifel am partnerschaftlichen Erziehungsstil

Diesen asiatischen Erziehungsstil, schreibt Amy Chua, habe sie von ihren Eltern gelernt; sie wolle das Beste aus den Kindern herauszuholen und so ihr Selbstwertgefühl stärken - keine Lob ohne Leistung. Nur wenn man eine Sache perfekt beherrsche, verschaffe sie einem Glück und Befriedigung. Die heftigen Reaktionen zeigen, dass Amy Chua bei verunsicherten Mittelschichtseltern einen wunden Punkt trifft. Die Eltern fürchten, dass ihr partnerschaftlicher Erziehungsstil, der das Glück und die freie Entfaltung der Kinder zum Ziel hat, gleichzeitig deren Konkurrenzfähigkeit in der globalisierten Wettbewerbsgesellschaft schwächen könnte.

Amy Chua mobilisiert die Angst der Mittelschicht vor dem gesellschaftlichen Abstieg ihrer Kinder und der Überlegenheit asiatisch-stämmiger Wunderkinder - und das ausgerechnet in einem historischen Augenblick, wo die amerikanische Supermacht ab- und die chinesische Nation zur neuen Weltmacht aufzusteigen scheint.

Witzig geschrieben, entwaffnend ehrlich

Es gibt viele Einwände gegen Chuas "asiatischen Erziehungsstil", zum Beispiel den, dass sie die sozialen Kompetenzen ihrer Kindern nicht gerade fördert. In einem Fall scheitert sie sogar: Ihre zweite Tochter rebelliert gegen die Totalkontrolle durch die autoritäre Mutter, und Chua sieht ein, dass sie ihre Methoden ändern muss. "Die Mutter des Erfolgs - Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte", so der deutsche Titel, ist wider Erwarten witzig geschrieben und entwaffnend ehrlich gegen sich selbst. Ihre asiatischen Freunde, so berichtet Chua, hätten sie eindringlich davor gewarnt, diese Erziehungsmethoden zu veröffentlichen - so etwas trage man nicht nach außen.

So bietet das Buch einen intimen Einblick in die Mentalität der asiatisch-stämmigen Migranten. Vor allem aber ist das Buch voller Selbstironie und lässt dem Lesepublikum anders als die üblichen Ratgeber, die der schwarzen Pädagogik das Wort reden, genug Raum, sich zu überlegen, wie viel Strenge es seinen Kindern zumuten will.

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