Gefangen im Ferienhaus

Roman Polanskis neuer Film "Der Ghostwriter" auf der Berlinale

Das erste Highlight der Berlinale - der neue Film von Roman Polanski. Bei der Weltpremiere fehlte der Regisseur allerdings: Er befindet sich nach wie vor unter Hausarrest im schweizerischen Gstaad, wo ihm die Auslieferung an die USA droht - wegen sexuellen Mißbrauchs eines 13jährigen Mädchens im Jahr 1977. "Der Ghostwriter" ist die Verfilmung des Bestsellers von Robert Harris - ein Polit-Thriller mit Star-Besetzung.

Ewan McGregor ist "Der Ghostwriter"
Ewan McGregor ist "Der Ghostwriter" Quelle: Kinowelt

Ein namenloser, bisher erfolgloser Ghostwriter (Ewan McGregor) erhält die Chance seines Lebens: Er soll die Memoiren des früheren britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) fertigstellen - und das so schnell wie möglich. Die Figur Langs weist unverkennbare Ähnlichkeiten mit Tony Blair auf.

Pikante Paralle zum Fall Polanski

Unverzüglich reist der Ghostwriter auf eine sturmumtoste Insel vor der amerikanischen Ostküste, wohin sich der Ex-Politiker zurückgezogen hat. Noch immer umgibt der sich mit den Attributen der Macht: strengste Abschirmung, Leibwächter, Fuhrpark, eine leitende Assistentin (Kim Cattrall), die weitere Assistenten befehligt. Schon auf dem Flughafen sieht der Lohnschreiber im Fernsehen, dass um Lang ein politischer Skandal entbrennt: Er habe in seiner Amtszeit britische Staatsbürger in Pakistan entführen und zur Folter an die CIA überstellen lassen. Einer starb dabei, die anderen sitzen in Guantanamo ein. Lang droht ein Prozeß wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Olivia Williams und Pierce Brosnan in "Der Ghostwriter" Quelle: Kinowelt

Seinen Aufenthaltsort hat der Ex-Premier also klug gewählt: Denn die USA erkennen Den Haag nicht an und liefern Beschuldigte nicht aus. Eine pikante Paralle zum Fall Polanski: Auch er entzog sich seinem Strafverfahren durch Flucht ins Ausland. Weil Roman Polanski wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens nicht in den USA drehen konnte, wurde Usedom statt Martha's Vineyard als Drehort gewählt.

Geheime Kontakte zur CIA

Dem Ghostwriter eröffnet sich ein brisantes Szenario: Sein Vorgänger, dessen Tod ihm den Job erst ermöglicht hat, ist auf höchst mysteriöse Weise ums Leben gekommen; die Gattin des Ex-Premiers (Olivia Williams) ist klüger und versteht mehr von Politik als Lang, der als sportlich-sympathischer und gleichzeitig rücksichtsloser Selbstdarsteller daherkommt; das bisherige kiloschwere Manuskript der Autobiographie erweist sich als Konvolut gähnender Langweile.

Während Lang sich in Washington bei seinem Partner im Krieg gegen den Terror Rückendeckung holt, findet der Auftragsschreiber heraus, dass Lang seit Jahrzehnten enge geheime Kontakte zur CIA unterhält und sich in allem devot der US-Regierung fügt. Diese Entdeckung bringt den Autor in Lebensgefahr - Im Roman hat sich der Journalist und Schriftsteller Robert Harris seine bittere Enttäuschung über Tony Blair von der Seele geschrieben. Als Insider hatte er Blair jahrelang begleitet und war entsetzt über dessen serviles Einschwenken auf die Linie George W. Bushs und den Irak-Krieg.

Macht versus Moral

xPolanskis Verfilmung ist exquisit in Szene gesetzt, sehr gut gespielt, politisch aktuell, spannend und unterhaltsam zugleich. Allerdings sind die politischen Hintergründe eher ein Mittel, um die gefährliche Detektivarbeit Ewan McGregors in Gang zu bringen, als eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Intrigen der modernen Politik. Und so ist der Film auch mehr Thriller und - weniger als der Roman - Abrechnung mit einem überzeugungslosen Politiker, dem Macht mehr bedeutet als Moral.

Vielleicht auch, weil seit Erscheinen des Romans 2007 immer mehr Details über die Lügen im Irakkrieg und die Verflechtungen von Regierung und Rüstungskonzernen bekannt geworden sind. Polanskis "Ghostwriter" ist sehr sehenswert - und das Ende überraschend.

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