Gesungene "Klicks" für die Identität

Simphiwe Dana singt Jazz, Gospel und Soul - in Xhosa

Die Sprache Xhosa verstehen in Südafrika nur wenige, obwohl es eine der elf offiziellen Landessprachen ist. Die Sängerin Simphiwe Dana verbindet den rhythmischen Stammesgesang des Xhosa-Volkes mit Jazz, Gospel und Soul.

Simphiwe Dana

"Ich bin Xhosa durch und durch. Das ist meine Sprache, mein ganzes Verhalten, wie ich jemanden begrüße und spreche - das ist alles davon beeinflusst", so Dana. "Viele Südafrikaner begegnen dem heute gar nicht mehr. Dabei ist es so wunderschön. Deshalb singe ich in meiner Sprache - auch, um mich meiner selbst zu vergewissern. Meine Identität als Afrikanerin in diesem Land ist auf eine Art gefährdet."

Klicken und Schnalzen

In Johannesburg arbeitet Simphiwe Dana zurzeit an ihrem dritten Album. Die ersten beiden erreichten binnen Wochen Platin-Status und bescherten ihr Konzerttouren in der ganzen Welt. Sie schreibt und komponiert alle Songs selbst - in dieser für Anfänger scheinbar unaussprechlichen Klicklaut-Sprache. Xhosa gehört zu den ältesten Sprachen Südafrikas. "Es gibt viele 'Klicks' in unserer Sprache. Der Buchstabe X steht dafür", erklärt Dana. Auch Schnalz-Geräusche verwendet man häufig, genauso wie bei anderen südafrikanischen Stammessprachen. "Das CH gibt es auch bei dem Zulu-Volk", so die Sängerin.

Xhosa-Sängerin Simphiwe Dana im Gespräch

Dana singt darüber, was es bedeutet, heute Südafrikanerin zu sein. Würde und Selbstbewusstsein fehlten immer noch, sagt sie. Sie selbst ist bei ihren christlichen Großeltern aufgewachsen, immerhin mit der Sprache der Xhosa. Dennoch sei ihr immer vermittelt worden, dass die Stammeszeremonien nichts wert seien. Sie beklagt, dass die Sprachen der einzelnen Völker in der Schule viel zu kurz kommen, dass das Schulsystem marode sei. "Wir brauchen kein Entwicklungshilfe-Afrika", sagt sie. "Wir sind ein starkes, stolzes Volk. Was ist also das Problem? Das frage ich mit meiner Musik. Ich versuche, das Selbstbewusstsein zu stärken. Die Regierung könnte sehr viel mehr tun, um unsere Identität aufzubauen."

Xhosa-Traditionen bewahren

Die 30-Jährige ist gerade mit ihrem neuen Partner von Johannesburg nach Kapstadt gezogen. Der ist in New York aufgewachsen - so gar nicht Xhosa. Danas Ex-Freund und Vater ihrer zwei Kinder ist hingegen vom gleichen Stamm wie sie. Dana will ihre Kinder, die sechsährige Zazi und den vierjährige Phalo, soweit es geht nach Xhosa-Traditionen erziehen. "Mit der Sprache lernen Kinder die Xhosa-Kultur kennen. Dann können sie sich nur auf eine bestimmte Art begegnen, sogar das Sitzen ist festgelegt. Das muss ich mit meiner Tochter noch üben", erklärt die Sängerin. "Mein Partner spricht leider nur Englisch, aber ich hoffe, dass wir ihm auch noch Xhosa beibringen können. Ich lese auch afrikanische Literatur mit den Kindern. So versuchen wir, unsere Identität zu bewahren."

Und damit ist sie nicht allein, viele international bekannte Musiker singen mittlerweile in dieser Klicklautsprache. Die vor anderhalb Jahren verstorbene Miriam Makeba hat die "Klicks" berühmt gemacht hat, die Südafrikanerin Tandiswa Mazwai geht demnächst mit Xhosa-Songs auf Welttournee.

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